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Institut50plus: »Ein Licht auf... Lettland«

07.04.201015:13 UhrKunst & Kultur
Bild: Institut50plus: »Ein Licht auf... Lettland«
Ein Licht auf... Lettland ...Länderschwerpunkt im folkBaltica Festival vom 21. bis 25. April 2010
Ein Licht auf... Lettland ...Länderschwerpunkt im folkBaltica Festival vom 21. bis 25. April 2010

(openPR) In der Zeit vom 21. bis 25. April 2010 findet in der deutsch-dänischen Grenzregion das 6. Folkbaltica Festival statt. Partnerland ist Lettland. Was wissen wir eigentlich über Lettland? Bei allen Gemeinsamkeiten zwischen den drei baltischen Ländern– den historischen Einflüssen des deutschen Adels, der teilweise noch unberührten Natur (Paradies für Weisstörche, in Lettland gibt es sechsmal so viele wie in allen westeuropäischen Ländern zusammen), der grandiosen Küstenlandschaften (Lettland hat mit ca. 400km den längsten zusammenhängenden Sandstrand der Welt) und der bäuerlich geprägten Kultur (lettische Schulkinder haben noch heute vom 1. Juni bis 1. September Sommerferien) – sind auch die Unterschiede bemerkenswert. Das macht sich vor allem an den Sprachen und den Religionen fest.



Estisch ist als finno-ugrischen Sprache mit dem Finnischen verwandt, und damit vollkommen anders als die beiden baltischen Sprachen Lettisch und Litauisch, die zur indo-germanischen Familie gehören. Sie gelten als zwei der ältesten Sprachen der Welt. In Lettland , dem geografisch mittleren der drei Länder, ist die Mehrheit der Bevölkerung protestantisch. Litauen hat geschichtlich eine stärkere Verbindung zum ebenfalls katholischen Polen als zu Lettland und Estland. Aber es wird noch komplexer, denn das Gebiet des heutigen Lettlands war und ist die Heimat vieler Völker: an der Ostseeküste die Kuren und die Liven, im Landesinneren die Gebiete der Semgallen und Lettgallen. Die landschaftlich wunderschöne Region Latgale, die im äußersten Südosten an Litauen und Weissrussland grenzt, ist ein kultureller Schmelztiegel mit einem eigenen Regionalsprache und einer ungemein reichen volksmusikalischen Überlieferung, die Ethnologen und Musikwissenschafter aus der ganzen Welt anzieht.

Kurland (heute Kurzeme) und Livland zählten neben Estland im 19.Jahrhundert zu den Ostseeprovinzen des russischen Zarenreiches, wobei sich das alte Livland auch auf Gebiete des heutigen Estlands erstreckte. Livisch, ebenfalls eine finno-ugrische Sprache, wird heute nur noch von einigen Hundert Menschen gesprochen. Vorwiegend in den kleinen Dörfern, westlich vom Kap Kolka, wo sich die Wellen zweier Meere treffen, die der Rigaer Bucht und die des Baltischen Meeres. Die Zeit unter der harten Herrschaft des Zaren wird als „das lange 19. Jahrhundert“ bezeichnet. Zweihundert Jahre vorher, von 1627 bis 1721, erlebten die Liven und die Stadt Riga unter der Herrschaft der Schweden ein „Goldenes Zeitalter“, als König Gustav Adolph u.a. im ganzen Land Schulen einrichten ließ Gold, sprich Geld, viel Geld versprachen die (schwedischen) Banken auch Anfang des 21. Jahrhunderts.

Mehr als in den anderen Ländern der EU, auch mehr als in Litauen und Estland, wuchs die Diskrepanz zwischen dem auf Pump basierenden Wachstum und dem tatsächlichen Wirtschaftskraft. Das Platzen dieser Blase stellt Lettland heute vor riesengroße wirtschaftliche und soziale Herausforderungen. Aber man habe über 45 Jahre sowjetische Okkupation überstanden, sagt der Dirigent, Sänger und Folkmusiker Ivars Cinkuss, das überstehe man auch. 39% der insgesamt 2.3 Millionen Letten sind heute russisch-stämmig. Auch der neue Bürgermeister der Hauptstadt Riga, wo sogar 51% der etwa 800.000 Einwohner der russisch-sprachigen „Minderheit“ angehören.

Mitten in der baltischen Metropole, mit Straßenzügen voller grandioser Jugendstilfassaden, mit seiner Altstadt als Weltkulturerbe und dem Denkmal für den deutschen Dichter und Volksliedsammler Johann Gottfried Herder, steht das besuchenswerte Okkupationsmuseum. Für seine sachliche Auseinandersetzung mit der Geschichte wurde es mit dem Preis der Züricher Stiftung für abendländische Ethik und Kultur ausgezeichnet. Etwa 200.000 Letten, darunter viele Künstler und Intellektuelle, verließen Lettland nach dem 2. Weltkrieg aus Angst vor Hinrichtungen und Deportationen. So auch die Psychologin und Expertin für den mythologischen Sonnenkult in Lettland, Dr. Vaira Vike- Freiberga, Als Flüchtlingskind verbrachte sie einige Jahre in Herrenwyk bei Lübeck, ging dann mit ihren Eltern nach Kanada und kehrte in den Jahren nach der 1991 durch die „Singende Revolution“ errungene Unabhängigkeit zurück. In ihrer Amtszeit als lettische Staatpräsidentin von 1999 bis 2007 hat sie entscheidend zum versöhnlichen Miteinander von lettischer und russischsprachiger Bevölkerung beigetragen.

Mit ihrer demütigen und daraus Kraft schöpfenden Haltung zum kulturellen Erbe ist sie weiterhin ein großes Vorbild, auch und gerade für viele lettische Jugendliche. Die 18-jährige Irbe Šmite ist eine typisch „coole“ Jugendliche. Sie klebt sich an die Türen Zettel mit Sätzen im alten Livisch, beginnt das baltische Zitherinstrument Kokles zu spielen und ist stolz, eine Tracht zu haben. Ja, sagt sie, es sei ein ganz wichtiges Gefühl, zu einem kleinen Land dieser Erde zu gehören, das es mit seiner besonderen Kultur erstaunlicherweise immer noch gebe. Weitere Informationen: www.folkbaltica.de

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