(openPR) Vom 13. März bis zum 1. Mai 2010 zeigt Galerie Adler erstmals Werke der in Berlin lebenden Künstlerin ANOUK KRUITHOF (*1981, Dordrecht, Niederlande).
Die Personen auf den Fotografien von Anouk Kruithof wirken verletzlich; vielleicht gerade aufgrund ihrer ausdrucksstarken Gesichter, die die Empfindsamkeit umso deutlicher offenbaren. Blau gekleidet vor gleichfarbigem Hintergrund haben sie Schwierigkeiten sich zu behaupten, scheinen sich beinahe aufzulösen in dem sie umgebenden Blau.
Das verstörende Moment der Bilder gründet sich jedoch vor allem darauf, dass Kruithof in einem Moment auf den Auslöser drückt, in dem die Porträtierten keine bewusste Kontrolle über ihre Mimik, Gestik oder Körperhaltung ausüben. Wir sehen sie im dem kurzen Augenblick, in dem ihr Körper reagiert, ohne dass das Bewusstsein darauf Einfluss nehmen kann – eine Situation, die verwundbar und hilflos macht.
Diese von der Künstlerin intendierten „Zwischen-Momente emotionaler Befindlichkeiten“ wie sie sie nennt, zeigen drastisch, wie leicht unsere normalerweise sorgsam kontrollierte Fassade zerbrechen kann. Diesen Kontrollverlust erwirkt Anouk Kruithof durch gezielte Aktionen. Die „Momentaufnahmen“, mit denen sie dann die Empfindungen der verschiedenen Personen festhält, sind eine Dokumentation außergewöhnlicher menschlicher Gemütsregungen.
In einigen der Portraits von BECOMING BLUE konterkariert Kruithof den positiven Aspekt der Farbe Blau, die im Allgemeinen mit Ruhe und Entspannung in Verbindung gebracht wird. Sie betont dagegen den Moment, der im Ausdruck „out of the blue = aus heiterem Himmel“ mitschwingt; den kurzen Augenblick, in dem sich eine Situation plötzlich ändern kann, ohne zu offenbaren, was im weiteren Verlauf passieren wird. Gezielt erzeugt die Künstlerin Situationen, in denen ihre Protagonisten jäh aufgeschreckt werden, um dann diese Schrecksekunde im Bild zu bannen. Aber auch wenn sie Menschen in der Entspannung zeigt, wählt sie den Moment der tiefsten Versunkenheit, in dem die Personen nicht auf ihre Außenwirkung achten und Ausdruck und Haltung nicht bewusst steuern.
Auch der vermeintlich unbeteiligte Betrachter von BECOMING BLUE wird der Gefahr des Kontrollverlusts ausgesetzt, wenn er das sorgsam als Installation konzipierte Werk besichtigt. Außer mit den Porträts, sieht er sich mit einer Wand aus 4.000 Büchern konfrontiert, die wiederum durch die Videoprojektion einer ähnlichen Bücherwand komplementiert wird. Die Gleichmäßigkeit der blau in blau gehaltenen Fotografien und die farblich wie strukturell inhomogene Bücherbarriere erzeugen eine Atmosphäre, die zwischen statischer Ruhe und verborgener Dynamik oszilliert.
Ein Spannungsbogen entsteht: Orientierungslosigkeit und Unsicherheit des Betrachters wachsen erst, um dann nach einer längeren Zeit in der nichts geschehen ist, einem Gefühl vager Sicherheit zu weichen. In diesem Moment ertönt ein lauter Krach und die projizierte Bücherwand bricht zusammen. Der Schreck über den Lärm macht aus dem Betrachter – ohne dass er dies verhindern kann – ein Äquivalent der Personen auf den Fotos.
BECOMING BLUE bildet ein faszinierendes Zusammenspiel räumlicher, bildlicher, installativer und konzeptioneller Komponenten, deren Wirkung ebenso irritierend wie eindrucksvoll ist. Anouk Kruithofs Rolle ist dabei äußerst aktiv: Sie dokumentiert, inszeniert, tritt teilweise als geisterhafte Erscheinung in den Bildern auf. Vor allem aber führt sie Regie über unsere existenziellen Befindlichkeiten.










