(openPR) Kinder wachsen mit einem Schönheitsideal auf, das real nicht erreichbar ist. Die Unzufriedenheit mit der eigenen Figur nimmt dadurch zu
Mit den ersten Frühlingsboten schießen sie wieder ins Kraut: die Ratschläge zur erfolgreichen „Renovierung der eigenen Fassade“. Schon Zehnjährige haben heute eine genaue Vorstellung davon, wie ein idealer Körper auszusehen hat, und scheitern an der Realität. Laut einer kanadischen Studie mit 4.254 Schulkindern sind bereits mehr als sieben Prozent der Zehn- bis Elfjährigen sehr unzufrieden mit ihrer Figur und damit gefährdet eine Essstörung zu entwickeln.
„Der zunehmende Körperkult und das durch die Möglichkeiten der Bildbearbeitung fast virtuell gewordene Schönheitsideal fördern bei Kindern die Vorstellung, der Körper sei beliebig formbar ? wie ein Avatar. Dadurch verschiebt sich die Messlatte immer weiter nach oben. Die Folge ist eine völlig verzerrte Wahrnehmung der eigenen Figur“, erläutert Klaus Oelbracht, kommissarischer leitender Psychologe der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.
Dass sich zehnjährige Mädchen die Beine rasieren, Elfjährige Augenbrauen zupfen und Make-up auftragen und Zwölfjährige über Schönheitsoperationen nachdenken, ist keine Seltenheit. Investitionen in ein makelloses Aussehen beginnen schon früh, und schlank zu sein gehört dazu. Vorbilder finden sich nicht nur in Magazinen, an Plakatwänden und im Fernsehen, sondern oft auch in der eigenen Familie.
Fast die Hälfte aller elf- bis 13-jährigen Mädchen hat Erfahrung mit Diäten. Deutlich mehr noch wünschen sich schlanker zu sein. Unter jugendlichen Mädchen ist exzessives Diäthalten, Auslassen von Mahlzeiten und selbstinduziertes Erbrechen weit verbreitet. Die Lebenzeitprävalenz von Essstörungen steigt im Jugendalter auf bis zu 17 Prozent an. Die Unzufriedenheit mit der eigenen Figur und Körpervergleiche gelten dabei als wichtige Risikofaktoren.
Wie sich Körpervergleiche auf das Essverhalten auswirken, haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Jena an 136 Sechstklässlerinnen untersucht: Mädchen, die sich häufiger vergleichen und bei den Körpervergleichen schlecht abschneiden, sind unzufriedener mit ihrer Figur und zeigen ein auffälligeres Essverhalten. Zudem gehen häufige Körpervergleiche mit dem Ergebnis einher, sich dicker zu fühlen. Besonders häufig vergleichen sich Mädchen, die ein schlankes Ideal verinnerlicht und ein geringes Selbstwertgefühl haben. Das Ergebnis der Vergleiche hängt zusätzlich vom Body-Mass-Index ab: Je schlanker und/oder selbstbewusster ein Mädchen ist, desto positiver beurteilt es seine Figur.
„Körpervergleiche weisen einen sehr engen Zusammenhang zur Figurunzufriedenheit auf, welche sich unmittelbar auf das Essverhalten niederschlägt. Dass die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper zunimmt, und zwar in allen Altersklassen, hängt maßgeblich mit der Unerreichbarkeit des heutigen Schönheitsideals zusammen. Die Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit war noch nie so gro?, warnt der Münsteraner Psychologe Klaus Oelbracht.
Die Akzeptanz des eigenen Körpers und der kritische Umgang mit medialen Vorbildern ist daher nicht nur ein zentrales Ziel der Essstörungstherapie, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil der Prävention. Weitere Informationen zu Ursachen und Therapie von Essstörungen erhalten Interessierte im Internet unter www.c-d-k.de.
Mittwochs von 17 bis 20 Uhr stehen Therapeuten der Klinik unter der Rufnummer 0251/4810-110 für eine kostenlose Beratung zur Verfügung. Behandelt werden Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.










