(openPR) Jahr für Jahr ereignen sich Tragödien / Gefahren werden unterschätzt / Fett kann in etwas mehr als 4 Minuten brennen / Institut für Schadenverhütung klärt auf
Kiel, 23. Dezember 2009. Bald kehrt nach der oft hektischen Vorweihnachtszeit Ruhe ein. Weihnachten, die Feiertage stehen vor der Tür. Die meist freie Zeit „zwischen“ den Jahren bis zum Neujahrstag ist für viele Menschen die schönste Zeit im Jahr. Und da kommt etwas Besonderes auf den Tisch. Die Familie ist beisammen, Gäste haben sich angekündigt. Dennoch ereignen sich Jahr für Jahr Tragödien. Und sie kommen plötzlich daher, meist durch eine vermeintlich kleine Unaufmerksamkeit: Das Olivenöl in der Pfanne riecht schon gut und beginnt sich zu erwärmen. Die Heizplatte des Ceranfelds ist auf die größte Leistungsstufe geschaltet. Dann eine kurze Ablenkung, die Ur-Oma am Telefon oder die Nachbarn an der Haustür. „Ich war nur wenige Augenblicke nicht in der Küche“, sagt beispielsweise Susann Simon, „da stand die Dunstabzugshaube in Flammen“. Auch wenn die Feuerwehr das schlimmste verhindert hat und niemand zu Schaden kam, das Fest war verdorben. „Das muss nicht sein. Wir möchten für die Gefahren sensibilisieren, ohne zu dramatisieren“, sagt Dr. Rolf Voigtländer, Geschäftsführer des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer, IFS in Kiel. „Denn oft reicht es, wenn die Gefahren bewusst sind, um sie zu vermeiden.“
Untersuchungen im Brandversuchshaus des IFS haben ergeben, dass Fett in der Pfanne sich bereits nach etwas mehr als 4 Minuten entzünden kann. Das Ergebnis ist alarmierend. So ist es kein Wunder, das es in Deutschland jedes Jahr einige tausend Fettbrände gibt. Sie gehören für die Feuerwehr zu den typischen Einsatzauslösern in der Weihnachtszeit. Das Risiko hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der verwendeten Heizstufe und dem Kochgeschirr. „Natürlich müssen zwar einige ungünstige Umstände zusammen kommen, aber die Gefahr steigt, da die Küchen immer moderner und die Herde immer leistungsfähiger werden“, sagt Voigtländer.
Flamme ersticken – kein Wasser benutzen.
Wer löschen möchte, greift in den meisten Fällen zum Wassereimer. Das bekommt man schon als Kind beigebracht. Was bei normalen Bränden hilft, ist bei Fettbränden fatal und löst eine Explosion aus. Selbst wenn Feuerlöscher mit wasserhaltigen Löschmitteln verwendet werden.
Wird ein Fettbrand in der frühen Phase entdeckt, so kann die Flamme meist noch leicht erstickt werden, zum Beispiel mit dem Pfannendeckel. Doch wenn das Feuer sich bereits ausgebreitet hat, die Dunstabzugshaube oder Oberschränke bereits brennen, dann hilft nur noch die Feuerwehr. Bringen Sie sich selbst und andere nicht in Gefahr. Denn einen Fettbrand zu löschen, ist eine Herausforderung. Also: Niemals Fett auf dem Herd aus den Augen lassen. Der Zündung geht im-mer eine deutliche Rauchentwicklung voraus. So bleibt Zeit, um einen Brand zu verhindern.
Tote und Verletzte durch Baum- und Kranzbrände
Für Menschen meist noch schwerwiegender sind brennende Weihnachtsbäume. Jahr für Jahr werden viele Verletzte und einige Todesfälle bekannt, wie im Januar 2009. Da musste die Feuerwehr im hessischen Friedberg jetzt einen unvorhergesehenen Einsatz leisten. Am Abend des 19. Januar wollten die Bewohner einer alten Villa noch einmal die Wachskerzen des schönen Weihnachtsbaums anzünden. Das kostete drei Menschen das Leben. Denn wie eine unverletzte 89-jährige Hausbewohnerin berichtete, ist der Baum sofort und „explosionsartig“ in Flammen aufgegangen und breitete sich über die Wohneinrichtung auf das gesamte Haus aus. Ein 63-jähriger Mann sprang vor dem Eintreffen der Feuerwehr aus dem Fenster und erlag später seinen Verletzungen, eine 63- und eine 87-jährige Frau starben in den Flammen. Das Haus ist vollkommen abgebrannt.
Auch hier warnt das IFS noch einmal eindringlich vor den Risiken. Die Gefahr wird deswegen oft unterschätzt, da bei einem frisch geschlagenen Baum, der auch noch mit Wasser versorgt wird, die Brandgefahr in den ersten zwei Wochen recht gering ist. Das ändert sich überproportional, je länger der Baum steht. Löschen ohne Hilfe der Feuerwehr ist durch die schnelle Ausbreitung der Flammen dann fast unmöglich.
Es ist schnell passiert – und die Flamme einer Kerze kommt zu nah an einen Zweig. „Aber auch der Funke einer Wunderkerze oder eine defekte Lichterkette genügen oft, und der Baum steht augenblicklich in Flammen“, erklärt Dr. Antoni Kulcke-Czalbowski, IFS-Experte für Brandschäden. Mit seinen Forschungsarbeiten und Veröffentlichungen will das Institut helfen, dass die Menschen Risiken besser einschätzen können.
Wer unachtsam ist, hat bei trockenen Bäumen meist nur wenige Sekunden Zeit, um zu reagieren. Besonders die Nadeln von Tannen und Fichten enthalten relativ viel Harz, sind leicht entflammbar und brennen sehr gut. Dabei entsteht viel Rauch, der sich schnell im ganzen Raum ausbreitet. "Schon wenige Atemzüge können zu Vergiftungen führen", sagt Kulcke-Czalbowski. Dann gibt es nur eines: Raum und Gebäude verlassen und die Feuerwehr rufen. Und natürlich alle anderen Mitbewohner warnen und ihnen helfen. Und auch wenn es reizt: Niemals sollte man ins Haus zurückrennen, um noch irgendwelche Sachen zu retten. Das ist lebensgefährlich.
Dass viele die Gefahr nach wie vor nicht richtig einschätzen, zeigen jährlich hunderte von Feuerwehreinsätzen pro Bundesland. Zum Glück oft nur mit Sachschäden, die aber insgesamt Millionen kosten. Aber auch für Leib und Leben besteht allerhöchste Gefahr. Unverzichtbar sind Rauchmelder, die in jedes Haus gehören. Die kleinen Lebensretter bieten einen guten Schutz vor unbemerkten Bränden - und dies nicht nur in der Weihnachtszeit. Gerade Schwelbrände, die die Brandopfer nachts im Schlaf überraschen, gehen mit der Entwicklung von hochgiftigem Rauch einher, der häufig zum Tode führt. Im Schlaf ist der Geruchssinn der Menschen stark eingeschränkt, so dass ein Brand oft nicht rechtzeitig bemerkt wird. Die Wirkungsweise der Rauchmelder ist simpel: Rauch wird optisch registriert, worauf ein durchdringender Warnton erschallt und auch Tiefschlafende weckt.
Der Rat von den Schadenverhütungsexperten
So verhalten Sie sich richtig in der Küche:
• Behalten Sie die Küche und den Herd im Auge, insbesondere wenn Sie Fett erhitzen.
• Nicht mit Wasser löschen. Durch die große Hitze entstehen aus einem Liter Wasser innerhalb von Sekunden 1.700 Liter Wasserdampf.
• Entwickelt sich Rauch in der Pfanne, nehmen Sie sie sofort von der Platte. Dies zeigt an, dass das Fett kurz vor dem Entzünden ist.
• Ersticken Sie die Flamme mit einem Topfdeckel oder einem nicht bzw. schwer entflammbaren Gegenstand.
• Feuerlöscher mit der Brandklasse "F" sind geeignet, alle anderen nicht benutzen. Durch wasserhaltiges Löschmittel gibt es auch hier Explosionsgefahr.
• Auch Löschdecken können durch die starke Hitzeentwicklung durchbrennen und sind daher zum Löschen nur bedingt geeignet.
So verhalten Sie sich richtig, bei Tannenbaum oder Gestecken:
• Brennende Kerzen nie unbeaufsichtigt lassen. Auch nicht „mal eben schnell“ in das benachbarte Zimmer gehen.
• Niedergebrannte Kerzen rechtzeitig auswechseln.
• Immer ausreichenden Abstand zu leicht brennbaren Materia-lien wie zum Beispiel Gardinen halten.
• Die Kerzen müssen gut befestigt werden, so dass sie nicht umkippen können. Unter Gestecke sollte immer eine feuerfeste Unterlage gelegt werden.
• Im Raum sollte Luftzug vermieden werden, denn hierbei können leicht entflammbare Materialien schnell Feuer fangen.
• Neben dem Tannenbaum sollte ein Feuerlöscher, eine Löschdecke oder zumindest ein voller Wassereimer aufgestellt werden, so dass im Brandfall sofort gehandelt werden kann.
• Brennt es und hat das Feuer noch nicht auf weitere Gegenstände übergegriffen, kann versucht werden, den Brand mit einer übergeworfenen Decke zu ersticken. Ist dies nicht möglich, sofort die Feuerwehr rufen. Wenn noch möglich, Fenster und Türen schließen um die Sauerstoffzufuhr zu stoppen. In jedem Fall sofort das Gebäude verlassen. Achtung: andere Mitbewohner informieren und Kindern, Älteren und Kranken beim Verlassen des Hauses helfen.

















