(openPR) Studien zu Leben und Werk des Braunschweiger Stadtschreibers und Literaten.
Über Braunschweiger Autoren wie Wilhelm Raabe, Ricarda Huch, Friedrich Gerstäcker usw. gibt es schon seit langem informative Bücher – nun endlich auch eines über Hermann Bote, dass der Braunschweiger Germanist Dr. Herbert Blume verfasst hat. Dass dieses Buch zustande kam, ist auch der freundlichen Unterstützung durch die Braunschweigische Landessparkasse und die Hauswaldtsche Familienstiftung zu verdanken.
Ein Buch über Bote, in dem man sich „auf einen Sitz“ über den Braunschweiger Autor und sein Werk – im Überblick wie aber auch in einer Vielzahl von Details – informieren kann, hat es bisher nicht gegeben. Somit schließt dieses Buch eine Lücke. Einige der 15 Kapitel sind eigens für diese Buchpublikation verfasst, den übrigen Kapiteln liegen früher veröffentlichte Texte zugrunde, die hier aber alle in inhaltlich aktualisierter, z.T. erweiterter und tiefgreifend revidierter Form vorgelegt werden. Insgesamt ist so ein ganz neues Buch entstanden, das mit dem neuesten Stand der germanistischen Bote-Forschung bekannt macht. Einen besonderen Schwerpunkt des Bandes bildet das Eulenspiegelbuch, wobei auch die Frage erörtert wird, ob denn Bote nun wirklich als dessen Autor gelten darf. (Antwort: Ja, er darf!) Mehrere Kapitel sind dem Schichtbuch gewidmet, je eines dem Zollbuch und den Liedern. In einem weiteren Kapitel wird erläutert, weshalb es klug ist, Hermann Bote zu schreiben, und warum Hermen zu schreiben von Unkenntnis und Naivität zeugt. Vorangestellt ist ein gründlicher Überblick über Botes Leben und seine Werke. Außerdem enthält das Buch (gleichsam als Kostproben) eine Anzahl sonst nur schwer zugänglicher Texte Botes in der Originalsprache mit vom Verfasser hinzugefügten Übersetzungen.
Zu Botes Werken: Neben seiner beruflichen Tätigkeit hat Bote eine literarische Produktion von beachtlicher thematischer Breite entfaltet. Von ihm stammen: zwei umfangreiche Weltchroniken; eine Handvoll satirisch-polemischer Lieder zu aktuellen politischen Tagesproblemen; eine umfangreiche, gereimte Sammlung von Sprichwörtern und sarkastischen Lebensweisheiten (der sog. Köker); ein gleichfalls langes Reimgedicht (das sog. Radbuch), das die hierarchische Ordnung der mittelalterlichen Ständegesellschaft darstellt und die Leser dazu ermahnt, an ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Ort ihre Pflicht zu erfüllen; das Zollbuch der Stadt Braunschweig, in dem der praktische Ablauf von Zolleinnahme und Abgabeninkasso minutiös dargestellt ist; das Schichtbuch, eine Darstellung der Bürgeraufstände in Braunschweig zwischen 1292 und 1514, die an die Machthabenden in der Stadt appelliert, weise zu regieren, damit keine Unruhen entstehen können; schließlich die niederdeutsche (nicht erhaltene) Vorlage des Anfang des 16. Jahrhunderts in Straßburg ins Hochdeutsche übersetzten Eulenspiegelbuchs.
Zum Autor: Dr. Dr. h.c. Herbert Blume, rund drei Jahrzehnte lang Dozent am Institut für Germanistik der Technischen Universität Braunschweig, jetzt im Ruhestand. Zu seinen Forschungsgebieten zählen seit den frühen 1980er Jahren die Biographie (genauer: ihre Rekonstruktion) und das Werk Hermann Botes. Seitdem zahlreiche Veröffentlichungen über Bote. Weitere Aktivitäten in diesem Zusammenhang (gemeinsam mit Dr. Eberhard Rohse, TU BS): Veranstaltung einer Ausstellung zu Bote in der Braunschweiger Brüdernkirche (1988), eines internationalen Symposions über Bote in Braunschweig (ebenfalls 1988), Publikation eines Aufsatz-Sammelbandes über Bote (1991) u.a.m.
Zu Bote: Hermann Bote (ca. 1450 – ca. 1520) war einer der sechs Ratsschreiber (d.h.: der leitenden Verwaltungsbeamten) der Stadt Braunschweig, genauer gesagt: ihr oberster Zolleinnehmer („Zollschreiber“). Durch seine Hand floss der größte Teil der Gelder, die die Stadt einnahm. Der Ausdruck „Zoll“-Schreiber ist missverständlich: Bei Bote bezahlten nicht nur die durchreisenden Kaufleute ihren Warenzoll, sondern bei ihm entrichteten auch die Braunschweiger Bürger all die Gebühren, die die Stadt von ihnen erhob, z.B. die für das Mehlmahlen in den städtischen Mühlen. (Weil Mehl im Mittelalter kaum lagerfähig war, ließ man sein Korn in kleinen Mengen, scheffelweise, in den Mühlen mahlen. Mahlen lassen musste jeder, und das oft. Das Mahlgeld war damals also ein politischer Preis wie heute der Benzinpreis.) Da die Stadt faktisch das Mühlenmonopol innehatte und an der Preisschraube drehen konnte, nahm sie damit erhebliche Summen ein.
Herbert Blume: Hermann Bote.
Braunschweiger Stadtschreiber und Literat.
Studien zu seinem Leben und Werk.
Bielefeld, Verlag für Regionalgeschichte 2009
(368 S., Abb., z.T. farbig), 24 Euro



