(openPR) Das griechische Präfix "Pseudo" zeigt an, dass etwas als eine Sache erscheint, diese jedoch nicht ist. Vielmehr geht es um Fälschung, um Mimikry, um das Aufgreifen einer Geste, die nicht den eigentlichen Inhalt transportiert. Ist Gavin Turks Kunst eine Pseudo-Kunst? Ja und Nein.
Der Brite zitiert die großen Gesten der "Stars" der Kunstgeschichte, eignet sich ikonische Werke an, wiederholt und potenziert sie. Er schaltet dabei Definitionskriterien aus, die in der Kunst noch immer Bestand haben und häufig den Wert des Kunstwerks definieren: Inventio und Originalität, Autorschaft und Authentizität. Gavin Turk mixt sich aus Versatzstücken der Kunstgeschichte eine eigene Kunst und inszeniert sich als Künstler immer wieder neu. Er greift die äußere Erscheinungsform bekannter Kunstwerke auf und verkehrt deren Sinn. "Schein" und "Sein" werden kritisch hinterfragt.
Das kann die Fetischisierung der Kunst - und Warenwelt in der Popart ebenso betreffen, wie die dadaistische Entmystifizierung des Meisterwerks. So baut sich Gavin Turk mit „Turkey Foil“ seinen eigenen Markenkult aus bedrucktem Holz und beraubt die Ready - mades von Duchamp ihrer Grundlage. Scheinbar gefundene oder vorfabrizierten Alltagsobjekte, wie ein weggeworfener Apfelrest, der auf einem Sockel platziert wird, ein liegengebliebener Schlafsack oder ein abgebranntes Lagerfeuer auf dem Galeriefußboden entpuppen sich in Turks Version als aufwendig produzierte, bemalte Bronzeskulpturen. Damit zeigt der Brite auch, wie sehr der Dadaismus durch ständige Reproduktion seinen anarchistischen Ursprungsinhalt schon eingebüßt hat und als akzeptierter Code funktioniert.
Was in den 70er Jahren in der (Anti-)Medientheorie von Jean Baudrillard noch wie ein Horrorszenario klang, wird heute von Gavin Turk zelebriert: das Entstehen einer Hyperrealität durch Massenmedien, die nur noch in Simulationen und Simulakren aufgeht.
Gavin Turk entmystifiziert dieses Szenario indem er den Betrachter mittendrin verortet. Komprimiert und unverhohlen treten einem Fetischisierung, Starkult, Recycling und Wiederholung entgegen und verweisen damit letztlich auf ihre eigene Substanzlosigkeit.
Turks offensiv und ironisch betriebener Ideen-Inzest, wird all jene, die zeitgenössische Ausstellungsräume betreten und ihren gesättigten Blick schweifen lassen, um sich dann mit einem "kenn ich schon" gelangweilt abzuwenden, dazu bringen einen zweiten Blick zu riskieren.
Gavin Turks Werke waren unter anderem in der skandalträchtige Ausstellung „Sensation. Young British Artists from the Saatchi Collection“, sowie deren Folgeausstellungen zu sehen. International bekannte Sammlungen beinhalten Arbeiten des Briten, unter anderem The Tate Collection, London; Arts Council, London; The British Museum, London; The Denver Art Museum; American Federation of Arts, New York und das San Francisco Museum of Modern Art.
NOCH BIS 18.12.09











