(openPR) Retrospektive des Malerstübchens Willingshausen
Das Jahr 2009 ist das „Jahr der Graphik“ im deutschsprachigen Raum. Und in diesem Jahr begeht einer der besten deutschen Graphiker in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts seinen 125. Geburtstag. Diesen nahm die von Hermann Kätelhön 1931 mitbegründete Vereinigung Malerstübchen Willingshausen zum Anlass, dem Künstler eine umfangreiche Retrospektive auszurichten.
Hermann Kätelhön wurde am 22. September 1884 in Hofgeismar (bei Kassel) geboren. Bald darauf zog die Familie nach Marburg um, wo Hermann seine Kindheit und Jugend verbrachte. Dieser Aufenthaltsort mit seiner historischen Architektur, eingebettet in die ausladende Weite der hessischen Landschaft, hat zweifelsohne die Sicht- und Empfindungsweise des Jungen geprägt. Beides – die Stadtansichten und die weitläufigen Landschaftsbilder – finden sich später in seiner Graphik wieder.
Sein früh erkanntes zeichnerisches Talent wurde von seiner Mutter Barbara gefördert, die ihn zum Zeichenunterricht zu Friedrich Klingelhöfer schickte, der sich nach Carl Bantzers Worten „stets aller zur Kunst neigenden jungen Leute in Marburg annahm“.
Kätelhön erwarb seine graphischen Fähigkeiten und drucktechnischen Fertigkeiten im Jahre 1905 an der Kunstakademie in München. Aber auch das traditionelle keramische Kunsthandwerk in Hessen, dessen Erzeugnisse Kätelhön im häuslichen Alltag begleiteten, speziell die „Marburger aufgelegte Ware“ regte sein Interesse und seine Gestaltungsfreude an.
Er besuchte Töpfermeister in Marburg und entschied sich schließlich für eine Ausbildung in der Keramischen Fachklasse der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe. Souverän beherrschte er den Aufbau seiner Gefäße auf der Töpferscheibe. Für seine Vasen und Schalen, auf die er sich bei seiner Gestaltung beschränkte, orientierte er sich an den traditionell-einfachen Formen seiner Heimat und bearbeitete sie in der alten Gießbüchsentechnik, die in Marburg auch Malhörnchentechnik genannt wurde. Zwei dieser Vasen konnten für die Ausstellung gewonnen werden. Aufgrund seiner körperlichen Behinderung, einer Rückgratverkürzung, musste Kätelhön das kraftaufwendige Handwerk des Keramikers aufgeben, und er wandte sich erneut der Graphik zu.
Im Jahre 1908 ermöglichte ihm ein Stipendium von Louise Gräfin von Bose in Kassel einen Studienaufenthalt in der damals schon weit geachteten Künstlerkolonie Willingshausen in der Schwalm. Dieses Stipendium wurde ihm 1910 nochmals zugedacht. Kätelhön selbst bezeichnete 1937 rückschauend den fast neunjährigen Aufenthalt in der Schwalm als ein Paradies, in dem er sowohl von der Künstler- als auch von der Dorfgemeinschaft getragen worden sei. Lebenslange Freundschaften verbanden ihn mit seinen Malerkollegen Carl Bantzer, Paul Baum, Heinrich Otto und Wilhelm Thielmann.
Die Schwälmer Landschaft und ihre Bevölkerung, die sich nach Meinung der Künstler ihre ursprüngliche Natürlichkeit bewahrt hatte, zählten zu den von den Malern und Zeichnern bevorzugten Sujets. Hier schuf Kätelhön eine Vielzahl von Landschaftsbildern mit unberührter Natur, aber auch mit klassischen Ernteszenen sowie ausdrucksstarke Porträts der Schwälmer.
Bildnisse aus Marburger Universitäts- und Wissenschaftskreisen machten ihn über die Schwalm hinaus bekannt. Im Jahre 1916 führte ihn ein Portraitauftrag nach Essen, wohin er 1917 übersiedelte. Dort bewegte er sich souverän auf dem gesellschaftlichen Parkett der Industriemagnaten, wovon seine Bildnisse der wichtigsten Manager der Montanindustrie in realistischer und repräsentativer Ausprägung zeugen.
Im Jahre 1920 fuhr Kätelhön zum ersten Mal in ein Kohlenbergwerk ein und fand hier sein wichtigstes Motiv: den Bergmann unter Tage. Trotz seiner schmerzhaften Körperbehinderung fuhr er unermüdlich mit den Bergleuten ein, um „vor Ort“ jeden einzelnen Arbeitsgang zu skizzieren.
Seine mehr als 20-jährige Beschäftigung mit der Montanindustrie erbrachte eine reiche Ausbeute an Radierungen, Lithographien und Holzschnitten der sich wandelnden Landschaft, der Industriekulissen mit Bergwerksanlagen, Kokereien und Hochöfen sowie immer wieder der arbeitenden Menschen.
In einem Brief vom 18. Oktober 1930 an Carl Bantzer bekannte Kätelhön: „Die Verhältnisse hier im Revier sind ja alles andere als rosig und das Elend steht ja jeden Tag vor jedermanns Tür … Das Schicksal hat mich nun einmal hierher geführt, hat mir seine Aufgaben aufgegeben und wenn das Herz auch manchmal sehnsuchtsvoll nach Feldern, Blumen und unseren Hessischen Wäldern verlangt, mich hat das Leben hier in seinen Bann genommen und verlangt das Letzte von mir.“
Hermann Kätelhön starb am 24. November 1940 mit 56 Jahren in München während eines Arbeitsaufenthalts in den Bayerischen Alpen. In der von ihm geliebten Natur am Möhnesee, wohin er 1930 übergesiedelt war, fand er seine letzte Ruhe.
Die Retrospektive im Malerstübchen Willingshausen umfasst Kätelhöns künstlerisches Schaffen aus der Schwalm und dem Ruhrgebiet und wird mit seinen musikalischen und dichterischen Schöpfungen abgerundet.
Der Knappenchor Borken sorgt mit seinen Stimmen für den festlichen Rahmen der Eröffnung.
Dr. Eckart Pasche, Willich
Dauer der Ausstellung: 17. Oktober bis 20. Dezember 2009
Öffnungszeiten: Di. – So. 14 – 17 Uhr, Sa./So. auch 10 – 12 Uhr





















