(openPR) In ihrer letzten Ausstellung des Jahres 2009 präsentiert die Galerie Kontrapost vom 03. November 2009 bis zum 08. Januar 2010 Skulpturen und Reliefs der Bildhauerin Gisela Eichardt. Die 1964 in Jena geborene Künstlerin war Meisterschülerin bei Prof. Christa Biederbick an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Seit ihrem Studium gilt ihr Interesse ausschließlich der realistischen Darstellung des Menschen. Ihre Figuren: authentisch eingefangen in einer unaufgeregten Pose, mit geschlossenem Kontur, der den Blick des Betrachters auf die innere Bewegtheit der in Holz gearbeiteten und farbig gefassten Gestalten lenkt.
„Große Eva“ – Titel der Ausstellung und Titel der großen Figur, deren Format es in mehrfacher Hinsicht zu bewältigen gilt. Nun steht sie hier, nachdem sie für das große Publikum festgehalten wurde als Kulisse im neuen Film von Tom Tykwer mit dem Titel „Drei“, der gerade in Berlin und Brandenburg gedreht wird und voraussichtlich im Spätsommer 2010 in die Kinos gelangt. Angekündigt als tragikomischer Film über Liebe und Moral. Auslöser der dramatischen Dreierbeziehung: der „ebenso fremde wie faszinierende Adam“. Wenn das nicht passt …
Natürlich wurde die „Große Eva“ nicht als Kulisse geschaffen. Ausgangspunkt war das Foto einer türkischen Frau mit beeindruckender Haarpracht in einer Zeitung, aufgenommen von der Künstlerin Herlinde Koelbl, das jedoch nicht die gesamte Haarlänge jener Frau preisgab und somit Gisela Eichardts Fantasie bezüglich der endenden Haarspitzen beflügelte. Die Frau und ihr Haar – immer ein Problem und als Thema immer aktuell.
Das Haar: als Träger von Lebenskraft, bei den Alten Griechen sogar Sitz des Lebens. Um im Besitz ihrer körperlichen und geistigen Kräfte zu bleiben, ließen sich Krieger und Priester die Haare nicht schneiden. Und so mancher Held wurde durch Abschneiden einer Locke entmachtet. Das Abschneiden der Haare im Mittelalter als entehrende Strafe.
Wir denken auch an Rapunzel.
Und was wird nicht alles für Haarwuchs und Haarpracht getan: mit Haarfarbe, Haarspray, Haarwasser, Haarnadel, Haarband, Haarschnitt und Haartrockner – gegen Haarausfall und Haarspaltung!
Und dann die Farbe Rot. Reizfarbe. Das ambivalente Rot: Farbe des Lebens, der Leidenschaft und der Liebe. Auch Farbe der Macht. Zugleich Farbe der Sünde und des Todes. Rot bedeutet Gefahr. Ampelrot. Und das rote Haar der Hexen …
Die „Große Eva“ mit rotem Haar.
Eva: das heißt „Leben“ oder „Mutter alles Lebendigen“. Natürlich kennen wir die Geschichte dieser Urmutter, aus der Rippe Adams geschaffen als seine Gehilfin, die sich von der listigen Schlange zum Übertreten eines strikten Verbots überreden lässt, dafür aus dem Paradies verbannt und mit ewigem Geburtsschmerz bestraft wird.
Eva als Metapher für die Sinne, die durch die Lust – die Schlange – verführt werden und die Vernunft – dafür steht Adam, der „Mensch“ – gefährden. Darüber lässt sich streiten …
Das Haar der „Großen Eva“: rot und fast unendlich lang, dann aber schlangenartig entwickelt zu blutigen Nabelschnüren, die in alle Himmelsrichtungen ein Baby umsorgen. Die schöne Eva, sinnlich und nackt, einsam und mit ihrem Nachwuchs nur noch äußerlich verbunden, verhüllt und gefesselt durch ihre Haarpracht, mit der sie verführt und sich zugleich – wie hinter einem Vorhang – vor begehrenden Blicken schützt.
Susanne Ulbrich









