(openPR) Psychiatrische Tagesklinik am Ev. Krankenhaus Elisabethenstift startet therapeutisches Pilotprojekt
2009 Auf dem Gelände des Reitervereins an der TU Darm-stadt herrscht geschäftiges Treiben. Am östlichen Rand von Darmstadt, direkt an einem ausgedehnten Wald- und Feldgebiet, befinden sich luftige Stallungen, zwei Reithallen, Reit- und Springplatz, Longierzirkel, Koppeln und Weiden. Hier treffen sich Pferdefreunde aller Couleur: Dressur-, Spring- und Geländereiter, Kutschfahrer, alte und junge, Menschen, die schon viele Jahre mit Pferden zu tun haben und solche, für die der Umgang mit den großen Tieren noch neu ist. Unter Letzteren auch eine kleine Gruppe, die an einem Pilotprojekt der Psychiatrischen Tagesklinik am Evangelischen Krankenhaus Elisabethenstift Darmstadt teilnahmen.
Das Wissen um die Stabilisierung des psychischen Befindens durch eine pferdegestützte Therapie ist schon sehr alt. 1768 schrieb der Arzt Simon André Tissot: „… es wächst der Muth und das Selbstgefühl … und der Geist erhebt sich gleichsam zu neuer Munterkeit durch das Reiten.“ Der Begriff des Therapeutischen Reitens ist dagegen noch relativ jung, hat aber dennoch einen festen Platz im therapeutischen Angebot gefunden.
Dipl.-Psychologin und Psychotherapeutin Patricia Gill-Schultz trägt zusammen mit Manuela Roth die Verantwortung für das neue Projekt am Elisabethenstift. Gill-Schultz arbeitet in ei-ner eigenen Praxis mit Systemisch-Hypnotherapeutischem Schwerpunkt und dem Spezial-gebiet der tiergestützten Therapie. Roth ist Tierheilpraktikerin und Ausbilderin von Pferden und Reitern. Gemeinsam betreuen beide seit vielen Jahren ein Reittherapieprojekt der Darmstädter Herderschule (Sprachheilschule).
Die Erfolge und guten Erfahrungen mit der tiergestützten Therapie, die die beiden gesam-melt haben, haben sie auch zu dem Schritt ermuntert, auf Prof. Martin Hambrecht, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, zuzugehen. Die „Überzeu-gungsarbeit“ fiel ihnen nicht schwer; sie trafen auf offene Ohren.
„Der Einsatz von Pferden im therapeutischen Bereich ist vielfältig“, erklärt Patricia Gill-Schultz. Depressionen, Burnout, Umgang mit Stress, Angststörungen und Angstbewältigung, posttraumatische Belastungsstörungen, Selbstwahrnehmungsstörungen (z. B. Essstörun-gen) oder psychosomatische Beschwerden können symptomunabhängig durch die Arbeit mit dem Pferd erheblich verbessert werden. Verdeckte Emotionen, verdrängte Bedürfnisse, Wi-derstände und erlebte Defizite werden frei gesetzt und können so bewusst in Zusammenar-beit mit dem Therapeuten bearbeitet werden.
Therapeutisches Reiten wirkt auf der körperlichen, sozialen, psychischen- und seelischen Ebene. Im Mittelpunkt des Therapeutischen Reitens steht die Interaktion zwischen Mensch und Tier. Pferde gehen ohne Vorurteile auf den Menschen zu, der wiederum kann in der Re-gel die authentischen und wertungsfreien Rückmeldungen der Pferde leichter annehmen als Kritik von Menschen.
An der Reaktion eines Pferdes kann wie in einem Spiegel abgelesen werden, welche non-verbalen Signale der Mensch aussendet. Die wahre innere Haltung, unaufgedeckte und nicht bewusste Befindlichkeiten können unmittelbar an der Reaktion des Pferdes abgelesen und
gespürt werden. Deshalb stellt die Begegnung mit dem Pferd eine besondere Art der Selbst-erfahrung dar, die den Selbstheilungsprozess aktiv fördert.
„Pferdegestützte Therapie ist die Unterstützung eines Heilungsprozesses durch die Begeg-nung und den Umgang des Menschen mit Pferden. Sie basiert auf einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Therapeut, Klient und Pferd“, so Patricia Gill-Schultz.
Start des Projekts ist am 30. Juli 2009, vier Patienten können je zwei Mal wöchentlich über vier Wochen lang teilnehmen. Die Verantwortlichen hoffen, Sponsoren zu finden, um diese Form der Therapie auch darüber hinaus anbieten zu können. Pferde und Anlage werden dem Projekt vom Reiterverein an der TUD zur Verfügung gestellt.










