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Datenschutz in der Krise: Massiver Anstieg bei der Anzahl von Datenpannen

02.11.2009 • 17:22 Uhr • IT, New Media & Software
Bild: Datenschutz in der Krise: Massiver Anstieg bei der Anzahl von Datenpannen
Entwicklung der von projekt-datenschutz.de ermittelten Datenschutzvorfälle in 2008 und 2009, Quelle: PR-COM, November 2009
Entwicklung der von projekt-datenschutz.de ermittelten Datenschutzvorfälle in 2008 und 2009, Quelle: PR-COM, November 2009

(openPR) München, 2. November 2009 - projekt-datenschutz.de verzeichnet einen massiven Anstieg bei Datenpannen und Missbrauchsfällen. Im September und Oktober wurden erheblich mehr gravierende Vorfälle als in den Vormonaten erfasst. Gegenüber 2008 hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt.



Das Projekt Datenschutz (projekt-datenschutz.de), das Datenpannen, Lecks, Missbrauchsfälle oder Eingriffe in die informationelle Selbstbestimmung seit Anfang 2008 protokolliert, verzeichnet seit Sommer eine deutliche Zunahme der bekannt gewordenen Vorfälle. Im September und Oktober wurden mit Abstand die meisten Vorkommnisse erfasst. Mit insgesamt 30 Fällen waren es in diesen beiden Monaten mehr als im Zeitraum Januar bis August 2009. Gravierend ist auch der Anstieg gegenüber dem Vorjahr: Allein für die ersten zehn Monate des laufenden Jahres wurden 150 Prozent mehr Vorfälle festgestellt als für das gesamte Jahr 2008.

Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mindestens ein neuer, schwerwiegender Vorfall bekannt wird. Etliche Unternehmen und Organisationen, so beispielsweise StudiVZ oder Libri, sind sogar mehrfach vertreten. Die Vorfälle schöpfen die ganze Bandbreite des Datenmissbrauchs aus: Mal sind Rechnungsdaten für jedermann zugänglich, mal werden private Daten in Sozialen Netzen ausgeforscht, mal sind persönliche Daten von Arbeitslosen für Dritte zugänglich, mal sind Kreditkartendaten ungenügend geschützt.

Bei einem derart starken Anstieg in kürzestem Zeitraum kann man nicht mehr davon ausgehen, dass lediglich die Sensibilisierung der Öffentlichkeit nach den Aufsehen erregenden Datenpannen des Jahres 2008 zugenommen hat. Auch ist nicht erkennbar, dass Unternehmen nach dem Inkrafttreten der Änderungen des BDSG (Bundesdatenschutzgesetzes) Anfang September 2009 Datenpannen vermehrt freiwillig melden: In keinem der zuletzt beobachteten Fälle stammten die Informationen von den verursachenden Unternehmen und Organisationen selbst. Vielmehr geht projekt-datenschutz.de davon aus, dass die Anzahl von Pannen und Missbrauchsfällen selbst zugenommen hat.

Besorgniserregend ist neben der quantitativen Entwicklung auch, dass die für die Pannen Verantwortlichen kaum Einsicht erkennen lassen. Tatsächlich werden die Vorfälle so lange wie möglich vertuscht oder heruntergespielt; werden sie aufgedeckt, so gibt man sich ahnungslos. Andere verkaufen das Stopfen von Sicherheitslecks als "weitere Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen". Eine Vertreterin der Bundesagentur für Arbeit gab unumwunden zu, man habe die Zugangshürden zu sensiblen, personenbezogenen Daten "bewusst niedrig gehalten". Schließlich schmücken sich offenkundig unsichere Web-Shops ungerührt mit einem TÜV-Siegel für sicheres Einkaufen im Internet.

Dr. Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein, kommentiert diese Zahlen folgendermaßen: "Die letzten zwei Monate offenbaren in erschreckender Weise, wie wenig die Wirtschaft insgesamt von den jüngsten Skandalen gelernt hat: Im Vertrauen auf den heiligen Florian hoffen die Unternehmen darauf, dass der nächste Datenschutzskandal im Konkurrenzunternehmen zündet. Von einem Datenschutzmanagement und Compliance sind die betroffenen Unternehmen noch meilenweit entfernt. Zwangsläufig wird jedes Unternehmen von diesen Unterlassungssünden eingeholt."

"Die aktuelle Entwicklung beim Datenschutz ist alarmierend", meint Alain Blaes, Geschäftsführer von PR-COM und Initiator von projekt-datenschutz.de. "Mit dem neuen Bundesdatenschutzgesetz hat die Politik nicht viel mehr als Kosmetik betrieben. Datenmissbrauch bleibt in Deutschland ein Kavaliersdelikt, weil Strafen milde sind und Aufsichtsbehörden kaum Personal haben. Wir müssen uns also darauf einstellen, dass sich diese besorgniserregende Entwicklung in den nächsten Monaten fortsetzen wird. Über die Dunkelziffer mag man dabei gar nicht erst nachdenken."

Das Projekt Datenschutz sorgt für Übersicht bei Fällen von Datenpannen, Datenmissbrauch, Datenlecks, Identitätsdiebstahl oder Bespitzelung. Es wurde von PR-COM, Agentur für strategische Unternehmenskommunikation und PR in München, ins Leben gerufen und sammelt die entsprechenden Vorfälle, die aus Unternehmen, Behörden und Organisationen bekannt werden. PR-COM will mit diesem Projekt alle Beteiligten sensibilisieren, mit Daten sorgfältig und verantwortungsvoll umzugehen.


Diese Presseinformation und eine Grafik sind unter www.pr-com.de abrufbar.

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