(openPR) Vom 31.10. bis 8.11.2009 dreht sich beim Kulturfestival "60-40-20" alles um sie, die immer nur Thema ist, wenn sie fehlt: Freiheit. Wie ist es um sie bestellt, 20 Jahre nach der Wende, zum 60. Jubiläum der BRD, nach 40 Jahren DDR?
Der international erfolgreiche Fotograf Peter Frischmuth und neun junge Künstler aus Hamburg, Berlin und Leipzig beziehen Position. Dazu zeigen Kultur-schaffende in Filmen und Lesungen ihre Sicht auf Geschichte und Gegenwart. Zeitzeugenberichte und Vorträge zum heißen Herbst 1989 runden das soziokulturelle Festival ab. Wo? In der Ex-Seefahrtsschule in Hamburg-Altona, dem altehrwürdigen Gebäude, dessen Mauern in naher Zukunft fallen sollen.
Erhebend, lebenswichtig, würdevoll oder normal, schlapp, entbehrlich? Wie fühlt sich Freiheit eigentlich an? Und wie soll man das wissen, wenn man Unfreiheit nie kennen gelernt hat? Die Besucher des Kulturfestivals "60-40-20" in der ehemaligen Seefahrts¬schule in Hambug-Altona können sich ein eigenes Bild machen.
An neun Veranstaltungstagen müssen sie eine ganz und gar unmetaphorische Grenze passieren, um sich den Fragen von fast echten "Grenzern" zu stellen, denen sie ihren Ausweis aushändigen, wenn sie den Ausstellungsbereich betreten wollen.
Hier erwarten sie großformatige Fotoarbeiten aus Peter Frischmuths Kreuzberger Bilder¬zyklus "SO36" sowie Raum- und Klanginstallationen, Plakate und Videoloops der Künstler Marina Lindemann (HH), Jon H (HH), Stefan Riebel (Leipzig), Marike Schreiber (Leipzig), Angelika Wanik (Leipzig), Christina Werner (Leipzig), Michael Hochholzer (Berlin), Cornelius Onitsch (Berlin) und Alexander Lehmann (Hamm).
Die Veranstalter freuen sich besonders, Frischmuths Arbeit zum ersten Mal in seiner Heimatstadt Hamburg zeigen zu können, nachdem sie bereits weltweit zu sehen war.
Die Werkschau wird begleitet von Konzerten, Kino, Lesungen, Vorträgen und Führungen für Schulklassen (vormittags). U.a. gibt es Kinoabende mit den Regisseuren Peter Timm und Christoph Rüter sowie Diskussionen mit der Bürgerrechtlerin Irmtraut Hollitzer.
"60-40-20" – Die Idee
Was klingt wie eine seltsame Konfektionsgröße, steht für 60 Jahre BRD – 40 Jahre DDR – 20 Jahre Mauerfall. Der rote Faden für das Kulturfestival ist das Verhältnis der trockenen Zahlen zueinander und die Fragen: Wie war es um die Freiheit vor dem Mauerfall bestellt, was geschah 1989, und: Wie frei sind wir heute?
Vor 20 Jahren ging die Ära des DDR-Überwachungsstaates zu Ende. Damals wurden die Bürger ungewollt zu gläsernen Menschen – heute ist man per Handy zu orten, hat einen biometrischen Pass und stellt sich in virtuellen Communities gratis der Marktforschung zur Verfügung. Die Veranstalter blicken jedoch nicht nostalgisch zurück, sie wollen zeigen, dass die Vergangen¬heit gar nicht so weit weg ist: Hamburg war nur 60 km von der Grenze zur DDR entfernt, doch die Erinnerung an die Stimmung nach der Grenzöffnung in der Freien und Hansestadt verblasst bereits. Künstler, Literaten, Musiker, Filmemacher und Bürgerrechtler gehen bei "60-40-20" der Freiheit auf den Grund, so dass der abstrakte Begriff für die Besucher fühlbar wird, sei's als Recht, als Pflicht oder als Utopie.
Gefördert von der Alfred Toepfer Stiftung, der Hamburgischen Kulturstiftung sowie dem Ausschuss für Kultur und Bildung Altona. Mit freundlicher Unterstützung von der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, Rotkäppchen Sekt und der Kirche St. Katharinen Hamburg.
Detaillierte Infos und Programm
60-40-20_20 JAHRE MAUERFALL" (31. OKTOBER BIS 8. NOVEMBER 2009)
Ort: Alle Veranstaltungen finden statt in der ehemaligen Seefahrtsschule | Rainvilleterrassen | Hamburg-Altona
Veranstalter: "Freifrau von Schulz" e.V. | Eimsbütteler Straße 60 | 22769 Hamburg, 1. Vorsitzende: Friederike Schulz
Achtung: Besucher müssen ihren Personalausweis o.ä. mitbringen!
Öffnungszeiten der Ausstellung:
täglich von 14:00-18:00 Uhr
Schulprogramm Mo-Fr 10:00-13:00 Uhr
Homepage: www.sechzig-vierzig-zwanzig.de
Presselounge mit Download-Bereich: www.sechzig-vierzig-zwanzig.de
"60-40-20" – Die Veranstaltungen im Überblick
Sa, 31.10.2009
ab 20:00 Uhr: Eröffnung der Ausstellung. Die Lichtkünstlerin Katrin Bethge setzt an diesem Abend das Gebäude von außen in Szene. Die Künstlerinnen und Künstler sind anwesend.
Eintritt frei.
So, 1.11.2009
20:00 Uhr: Filmvorführung mit Regisseur
Christoph Rüter zeigt den Film "Ich will nicht wissen, wer ich bin", die Dokumentation seines aktuellen Heiner-Müller-Projekts. Vorfilm: "Camios mit Heiner Müller"
Mo, 2.11.2009
10:00-13:00 Uhr für Schulklassen: "Ich will nicht wissen, wer ich bin" mit Vorfilm & Regisseur
20:00 Uhr: Vortrag mit Diskussion
Irmtraud Hollitzer (Bürgerkomitee Leipzig e.V.) berichtet über die Zeit der Montagsdemonstrationen und die Besetzung der Stasi-Zentrale in Leipzig
Di, 3.11.2009
10:00-13:00 Uhr für Schulklassen: Irmtraud Hollitzer (Bürgerkomitee Leipzig e.V.) berichtet über die Zeit der Montagsdemonstrationen und die Besetzung der Stasi-Zentrale in Leipzig
20:00 Uhr: Lesung
Der Schauspieler Felix Kramer liest die Geschichte einer Flucht. 1952 ist Kurt Schultz mit seiner Familie aus Neubrandenburg in den Westen geflüchtet. Die Familie wurde
an der Grenze erwischt. Die Eltern kamen ins Gefängnis, die Kinder ins Heim. Der Vater beschreibt in seinen Aufzeichnungen die Beweggründe und die damaligen Zustände
sehr bildhaft und intensiv. Die Aufzeichnungen wurden nach seinem Ableben in seiner Hamburger Wohnung von seiner Enkelin gefunden und werden für die Öffentlichkeit
nun einmalig zu hören sein.
Mi, 4.11.2009
20:00 Uhr: Lesung und Zeitzeugenbericht?"Indianerzeit"
Der Hamburger Autor Hartmut Pospiech liest die Geschichte einer Flucht aus seinem unvollendeten Roman "Blindgänger". Die Indianerzeit nennt man den Zeitpunkt kurz vor Morgengrauen, das ist zugleich auch der Momemt, in dem die Grenzposten durch erhöhte Müdigkeit besonders unaufmerksam waren.?Zu Gast ist eine Zeitzeugin, die bei einem Fluchtversuch vom Osten in den Westen festgesetzt und daraufhin für zwei Jahre in
Hoheneck inhaftiert wurde.?1974 kam sie durch einen Freikauf in die BRD.?Der Abend wird moderiert von der Kuratorin des Festivals.
Do, 5.11.2009
10:00-13:00 Uhr für Schulklassen:
Zeitzeugenbericht und Literaturveranstaltung mit Felix Kramer
Der Schauspieler (Ensemble Dt. Schauspielhaus) liest die biographische Geschichte eines Hamburger Bürgers. Dazu spricht eine eine ehemalige DDR-Bürgerin über ihre Haftzeit in Hoheneck und darüber, wie sie von der BRD freigekauft wurde.
20:00 Uhr: Filmvorführung mit Regisseur
Peter Timm zeigt seinen Film "Meier". In der Satire gelangt jemand an einen Passierschein für die Ostzonen-Grenze und nimmt einen lukrativen Schmuggelhandel mit Erfurter Rauhfaser auf.
Fr, 6.11.2009
10:00-13:00 Uhr für Schulklassen: Filmvorführung "Meier" von Peter Timm
20:00 Uhr: Konzert "Oktoberclub" – sozialistischer Liederabend.
Frau Schulz singt, begleitet vom einspännigen Gitarrenkollektiv Jan Drees.
Sa, 7.11.2009 ab 20:00 Uhr
Jugendtanzabend – Balkandisko: In Manier der ehemaligen Kulturhäuser der DDR feiern wir die Deutsch-Sowjetische Freundschaft.?DJ ist Rodion Levin (bekannt durch Film und Fernsehen, die Gruppe Barabass und dem Datscha-Projekt).
So, 8.11.2009 ab 12:00 Uhr
Frühschoppen zur Finissage: Zum Abschied kann bei einem Glas Rotkäppchen Sekt und Fettbemme über das Ende des Freiheitsprojektes sinniert werden.














