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Jüdische Kulturwochen: Auch 2009 attraktives und vielfältiges Programm

22.10.200908:50 UhrKunst & Kultur
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(openPR) Stuttgart, den 21. Oktober 2009 - Die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW), bietet während der Jüdischen Kulturwochen vom 2. bis 15. November in Stuttgart ein vielfältiges Programm mit insgesamt 29 Veranstaltungen aus den Bereichen Literatur, Theater, Film und Musik. Das Motto: „Deutschland – Deine jüdischen Welten. Jüdische Beiträge zur deutschen Geschichte und Kultur“ weist auf die Schwerpunktsetzung in diesem Jahr hin: „Es soll herausgearbeitet werden, dass sich in keinem anderen europäischen Land Juden und Nichtjuden mehr gegenseitig befruchtet haben als in Deutschland. Dies hat die Kultur und Geistesentwicklung geprägt“, so Vorstandsmitglied Martin Widerker.



Die Eröffnungsveranstaltung (Dienstag, den 3. November um 19:00 Uhr im Großen Sitzungssaal des Rathauses Stuttgart) bildet einen der Höhepunkte der beiden Veranstaltungswochen. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat ihr Kommen angekündigt und wird ein Grußwort sprechen – neben Bürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch für die Stadt und Staatsrätin Prof. Dr. Claudia Hübner für die Landesregierung. In der folgenden Podiumsdiskussion wird das Motto der Veranstaltungsreihe unter verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Die Psychologin Silvie Tyrangiel, Julius H. Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, der Literaturwissenschaftler Daniel Hoffmann, Professor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der frühere Landesrabbiner Joel Berger werden ihre jeweilige Sicht der Dinge auf dem Podium erläutern. Tyrangiel hat die psychischen Traumata im Familienverbund in Folge des Holocaust erforscht, Schoeps kehrte 1948 mit seinen Eltern aus dem schwedischen Exil nach Deutschland zurück und lebt seitdem hier, Hoffmann hat in einem bewegenden Buch die Überlebensgeschichte seines Vaters in Auschwitz rekonstruiert, Berger ist der dienstälteste Rabbiner in Deutschland und Stephan Kramer steht an vorderster Front der jüdischen Interessensvertretung in Deutschland.
Die Eröffnungsveranstaltung bildet zugleich den Auftakt zu einer kleinen Kabinettausstellung des Stadtarchivs, die wichtige Dokumente jüdischen (Über-)Lebens aus dem Archiv der IRGW nach der Neugründung 1945 zeigt. (3. November bis 4. Dezember, Rathaus, 4. Obergeschoss, Seitenflügel).
Dass das Deutschland der Weimarer Republik insbesondere in seinen Anfangsjahren den Osteuropäischen Juden als Vorbild diente und viele Intellektuelle hierher übersiedelten, ist heute, angesichts der nahezu völligen Auslöschung jüdischen Lebens in Deutschlands als Folge der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik, nahezu unbekannt. Mit dem „doppelten Exil“ jüdischer Intellektueller im deutschen Südwesten, den Beweggründen ihres Kommens, ihrem Wirken in Deutschland und den Umständen ihres Wegzugs befasst sich das historische Symposium im Haus der Geschichte (Dienstag, 10. November, 14:30 Uhr). Referieren werden die Professoren Tibor Frank aus Budapest und Matthias Morgenstern aus Tübingen, der junge Musikhistoriker Daniel Jütte aus Stuttgart und Landesrabbiner a.D. Joel Berger.
Ebenfalls jüdischen Kulturschaffenden der Weimarer Republik, dieses Mal Textern und Komponisten auf dem Gebiet des Kabarett, widmet sich am Abend der Kabarettist Robert Kreis im Renitenztheater („Verehrt, verfolgt, vergessen – jüdische Komponisten und Texter der 20er und 30er Jahre, Dienstag, 10. November, 20:00 Uhr).

Ganz neue jüdische Musik aus Deutschland mit zwei Uraufführungen steht am Mittwoch, den 11. November auf dem Programm. Werke der Komponisten Gabriel Iranyi, Ori Talmon sowie der Stuttgarter David Kosviner und Georg Wötzer werden zu hören sein (19:30 Uhr, Orchesterprobenraum der Musikhochschule).
Im Mendelssohn-Jahr erinnert das Konzert des Geigers Kolja Lessing an die Künstlerfreundschaft des Komponisten mit dem jüdischen Geiger Ferdinand David, dem er mehrere Kompositionen widmete. Am Klavier wird Lessing von Andreas Kersten begleitet (Donnerstag, 12. November 20:00, Musikhochschule, Orchesterprobenraum).
Das traditionelle Synagogenkonzert bildet einen Höhepunkt und zugleich den Abschluss der jüdischen Kulturwochen. In diesem Jahr wird erstmalig ein Synagogenchor zu hören sein: der Basler Synagogenchor konnte gewonnen werden, nach Stuttgart zu kommen und die deutsch-aschkenasischer Chasanut-Kantoralkunst-Tradition präsentieren. Zusammen mit dem Kantor Issachar Helman und dem Pianisten Christian Gutfleisch bringt der Chor Melodien und Klänge des Schabbattages zu Gehör.
Bezüge zum Judentum in der Kunst stellen drei Veranstaltungen her: Dem ersten deutsch-jüdischen Maler der Neuzeit, Moritz Daniel Oppenheim, widmet sich ein Vortrag des aus Noworossijsk (Russland) stammenden Gemeindemitglieds Valery Kaufmann. „Alte Bilder der Judenfeindschaft“ ist Thema des Vortrags, den der Jurist Fritz Endemann von der Friedensinitiative Feuerbach am Donnerstag, den 5. November hält (19:30 Uhr, Stadtteilbücherei Feuerbach). Das Gegenstück dazu ist der Vortrag von Landesrabbiner a.D. Joel Berger zu Motiven jüdischen Lebens in den Bildern von Marc Chagall (Mittwoch, 11. November, 18:00 Uhr, Treffpunkt Rotebühlplatz).
Beim Literaturfrühstück spricht Landesrabbiner Joel Berger zu einer ähnlichen Thematik im Gebiet der Literatur unter dem Titel „Thomas Manns Josephsromane – jüdische Quellen und Vorlagen“ (Sonntag, 8. November 11:00 Uhr, Treffpunkt Rotebühlplatz).
Der Stuttgarter Schauspieler Ernst Konarek legt seinem Programm „Im Wartezimmer der Polizei oder die Filiale der Hölle auf Erden“ die journalistischen Texte von Joseph Roth zugrunde (mit Ernst Kies, Samstag, 7. November, 20:30 Uhr, Theaterhaus). Dem 100. Geburtstag der jüdischen Autorin Hilde Domin ist das Programm „Auf dem Wasser der Zeit“ gewidmet, das Dein Theater am Samstag, 14. November aufführt (20:00 Uhr im Wortkino).
Auch in diesem Jahr werden im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen namhafte jüdische Autoren nach Stuttgart kommen und neue Werke vorstellen: Die Literaturfreunde sollten sich bereits jetzt den 10. und den 11. November im Kalender anstreichen: Am 10. November wird Maxim Biller seinen neuen Roman „Der gebrauchte Jude“ vorstellen, der am 23. November erscheint (Dienstag, 10. November, 20:00 Uhr, Hospitalhof). Auch der Roman des israelischen Autors David Grossmann „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“, ein epochales Werk über das krisengeschüttelte Leben in Israel, ist erst vor wenigen Tagen auf deutsch erschienen (Mittwoch, 11. November, 20:00 Uhr, Literaturhaus).
Während der jüdischen Kulturwochen werden zwei herausragende Dokumentarfilme in Stuttgart gezeigt werden: „Zwischen allen Stühlen“ zeichnet den Lebensweg des jüdischen österreichischen Journalisten Karl Pfeifer nach, der sich auch nach seiner Rückkehr nach Österreich Anfang der 50er Jahre antisemitischen Ressentiments ausgesetzt sah. (Mittwoch, 4. November, 20:00 Uhr, Haus des Dokumentarfilms).
Der Film der Amerikanerin Gaylen Ross erinnert an den Fall von Israel (Rezsö) Kasztner, der durch seine Verhandlungen mit Adolf Eichmann fast 1700 ungarischen Juden das Leben rettete. Doch statt als Held verehrt zu werden, verurteilte ihn später ein israelisches Gericht wegen Kollaboration mit den Nazis. (Donnerstag, 12. November, 19:30 Uhr, Kino Atelier am Bollwerk).
Der Montag, 9. November ist dem Gedenken gewidmet: Der Stuttgarter HNO-Arzt Leo Martin Reich hat in einem Buch das Leben des jüdischen Arztes Cäsar Hirsch nachgezeichnet, der 1923 die HNO-Abteilung am Marienhospital aufgebaut hatte, bevor er nach 1933 Deutschland verlassen musste. Er stellt das neue Buch um 11:00 Uhr im Treffpunkt Senior vor. Am Abend, während der „Stunde der Besinnung“ der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, berichten zwei Schüler über ihren Aufenthalt in Israel mit „Aktion Sühnezeichen“ (19:00 Uhr, Rathaus, Großer Sitzungssaal).
Mit den jüdischen Kulturwochen will die IRGW auch das Verständnis für die jüdische Religion und Kultur vertiefen. Dem dienen Veranstaltungen, die die jüdischen Lebensbräuche zum Inhalt haben, wie die Synagogenführung (Montag, 2. November, 18:00 Uhr, Synagoge) und ein Kochkurs (Donnerstag, 5. November, 18:00 Uhr, Treffpunkt Rotebühlplatz).
Ein Klezmer-Konzert wird auch in diesem Jahr bei den Kulturwochen nicht fehlen. Mark Aizakovitch und Band musizieren am Mittwoch, 4. November um 19:30 Uhr im Gemeindesaal der IRGW, und Barbara Stoll und Maslband treten am Donnerstag, 5. November um 19:30 Uhr in der Stadtteilbücherei Zuffenhausen auf.
Zwei Stadtspaziergänge widmen sich verschiedenen Epochen jüdischen Lebens in Stuttgart: Thomas Schild führt am Sonntag, 15. November um 15:00 Uhr zu Stätten jüdischen Lebens in Stuttgart (Treffpunkt Hans-im-Glück-Brunnen), und an Joseph Süß Oppenheimer erinnert der Literarische Spaziergang zur gleichen Zeit (Treffpunkt Schillerplatz).

Die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) ist in den letzten fünfzehn Jahren durch die Zuwanderung von Menschen jüdischen Glaubens aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion stark angewachsen. Derzeit sind mehr als zwei Drittel der zirka 3.500 Gemeindemitglieder russischer Herkunft. Die überwiegende Zahl von ihnen hat einen akademischen Abschluss. Für sie ist es häufig schwer, auch beruflich in der Bundesrepublik wieder Fuß zu fassen. Ihre Kinder fördern sie besonders auf musikalischem, künstlerischem und literarischem Gebiet.
In dem Nachwuchs der jüdischen Gemeinden in Deutschland schlummern vielseitige Talente. Beim Forum für Nachwuchskünstler und Immigranten aus der Gemeinde, das von der Landesstiftung Baden-Württemberg gefördert wird, erhalten einige von ihnen die Möglichkeit, sich öffentlich zur präsentieren. Die jungen Gemeinde-Mitglieder, die beim dritten Karl-Adler-Nachwuchs-Musikwettbewerb der Gemeinde erfolgreich waren, werden ein Konzert geben (Sonntag, 15. November, 15:00 Uhr, Gemeindesaal der IRGW) und außerdem an zwei Vormittagen an Stuttgarter Schulen konzertieren und über ihre musikalische Arbeit sprechen (Mittwoch, 4. November an der Freien Waldorfschule im Kräherwald, und Mittwoch, 11. November am Eberhard-Ludwigs-Gymansium, jeweils 11:00 Uhr).
Die Theatergruppe der IRGW, die sich ausschließlich aus Immigranten zusammensetzt, wird das Stück „Teibele und ihr Dämon“ nach Motiven von Isaac Bashevis Singer in deutscher Sprache einstudieren und am Sonntag, den 8. November um 18:00 Uhr im Gemeindesaal der IRGW aufführen. Regie führt Felix Charam.

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