(openPR) Ganz im Zeichen der Qualität stand der diesjährige Deutsche Kongress für Versorgungsforschung, den die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zusammen mit dem Deutschen Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) vom 1. bis 3. Oktober 2009 in Heidelberg veranstaltet hat. Unter dem Motto „Versorgungsstrukturen und Qualität in Zeichen unsicherer Finanzierung“ trafen sich mehr als 600 Kongressteilnehmer aus allen Bereichen des Gesundheitswesens, um sich zu den verschiedenen Kongressthemen zu informieren.
Der Jahreskongress der DEGAM ist das wichtigste wissenschaftliche Forum der deutschen Allgemeinmedizin. Die zahlreichen wissenschaftlichen Vorträge und Posterpräsentationen zu verschiedensten Themen der Allgemeinmedizin spiegelten die ganze Vielfalt allgemeinärztlichen Denkens und Handelns wieder. Ein Highlight war die Vorstellung neuer evidenzbasierter Leitlinien für Patienten mit Nackenschmerzen bzw. mit Harnwegsbeschwerden.
Das Besondere an den DEGAM-Leitlinien ist die Verknüpfung von wissenschaftlicher Herangehensweise mit den Praxistests unter Routinebedingen der hausärztlichenVersorgung. Neben den Leitlinien für Ärzte sind auch Versionen für Patienten und medizinische Fachangestellte verfügbar. „So lassen sich die Leitlinienmaterialien direkt in der Beratung nutzen und die Patienten können das Besprochene zu Hause noch einmal
in aller Ruhe nachlesen“, sagte Kongresspräsident Prof. Joachim Szecsenyi aus Heidelberg.
Zur Unterstützung des Qualitätsmanagements in den Praxen und um der Forderung nach mehr Transparenz im Gesundheitswesen zu entsprechen, will die DEGAM in Zukunft Qualitätsindikatoren zu den eigenen Leitlinien entwickeln. Damit soll eine Besonderheit der hausärztlichen Versorgung besser dargestellt werden. Viele Patienten kommen mit relativ unspezifischen Beschwerden als Beratungsanlass zum Hausarzt, der dann Schritt für Schritt mit dem Patienten das Gesundheitsproblem eingrenzt und Gefährdungen ausschließt.
Nicht immer führt dieses Vorgehen zu einer definierten Diagnose. „Apparatediagnostik und Überweisung werden nur dann veranlasst, wenn notwendig. Dies dient der Patientensicherheit und entlastet das Gesundheitssystem“, führte der Allgemeinarzt Szecsenyi aus. Direkt nach dem Kongress startet die DEGAM deshalb ein Entwicklungsprogramm für Qualitätsindikatoren zu der neuen Leitlinie „Nackenschmerzen“.
Kritisch sieht die DEGAM die Initiative der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zu neuen Vergütungsstrukturen in der ambulanten Versorgung, in der Teile des Honorars an die Erreichung bestimmter Qualitätsziele (z.B. beim Blutdruck) geknüpft werden sollen.
Dies führe möglicherweise zu mehr Schaden als Nutzen – sowohl für die Patienten als auch für die Versorgungssituation. „Die Idee an sich ist interessant, aber nicht nur zu kurz, sondern auch in die falsche Richtung gedacht“, erläutert DEGAM-Präsident Prof. Michael M. Kochen.
Die DEGAM ist der Meinung, dass es gefährlich sei, für einzelne Erkrankungen nur einige wenige Parameter heranzuziehen, die zum Teil wissenschaftlich umstritten sind und die der Komplexität der hausärztlichen Versorgung nicht gerecht werden. Ein weiterer Schwachpunkt sei die Tatsache, dass oft mehrere Ärztegruppen an der Behandlung eines Patienten beteiligt sind, ohne dass die Verantwortlichkeiten klar geregelt sind.
„Besser wäre es, auf dem Fundament von Hausarztmodellen und mit geeigneten Qualitätsindikatoren die hausärztliche Versorgung des gesamten Patienten in den Mittelpunkt zu stellen, anstatt weiter an den Symptomen eines ungeeigneten Vergütungssystems herumzudoktern, das am Ende oft zu Überdiagnostik und Medikalisierung der Patienten führt“, fordert Kochen.
Die DEGAM führte zu diesem Thema „Pay for Performance – Chancen und Risiken“ in Heidelberg einen Workshop durch, in dem die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus anderen Ländern mit Hausärzten, Versorgungsforschern und Vertretern von Hausärzteverband und KBV diskutiert werden sollen.
Weitere Informationen zum Kongress sind unter www.dkvf2009.de verfügbar.
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4. Oktober 2009










