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Roy Nathanson Sotto Voce: Subway Moon VÖ 2.10.2009 (Yellowbird/edelkultur)

29.09.200908:30 UhrFreizeit, Buntes, Vermischtes
Bild: Roy Nathanson Sotto Voce: Subway Moon VÖ 2.10.2009 (Yellowbird/edelkultur)
Out Now-Roy Nathanson Sotto Voce: Subway Moon VÖ 2.10.2009 (Yellowbird/edelkultur)
Out Now-Roy Nathanson Sotto Voce: Subway Moon VÖ 2.10.2009 (Yellowbird/edelkultur)

(openPR) Subway Moon ist kein Hörspiel, sondern ein tonales Filmerlebnis. Keine Strophen, keine Refrains, keine Wiederholungen. Statt dessen ein fortwährender Handlungsstrang, der tief in den Dschungel des New Yorker Untergrunds führt und dort den Mond anheult. Dämonisches und Beseeltes bestimmen den Plot, Sex & Crime, Spannung und Entspannung, Showdown und Happy End. Mit come'n'go-Motiven, Kollektiv- und Soloimprovisationen, melodischen und amelodischen Melodieführungen, die sich auf einem harmonischen oder disharmonischen Fundament bewegen, untermauert von fassbaren oder unfassbaren Rhythmen, komponiert Roy Nathanson einen U- Bahn-Thriller, wie ihn Jim Jarmusch nicht besser hätte drehen können.

Er tut damit das, was einen versierten Geschichtenerzähler auszeichnet: Menschen zu berühren. "Worte sind Klänge", schreibt Jeff Friedman über Roy Nathanson. Nicht grundlos, denn der Komponist, Saxophonist und Geschichtenerzähler Nathanson spielt ebenso brillant und souverän mit dem gesprochenen Wort, als er mit Tönen seine Angelegenheiten entfaltet. "Portraits of underground life" nennt er seine prosaischen Reflektionen, die als musikalische und textliche Grundlage dienen. "Die Idee für Subway Moon entwickelte sich wie von selbst (...) auf meinen täglichen U-Bahnfahrten zur Arbeit", erläutert Nathanson die Entstehungsgeschichte. Der 1885 gestorbene französische Schriftsteller Victor Hugo, würde antworten: "Nichts ist so stark, wie eine Idee deren Zeit gekommen ist." Dass die Zeit für Nathansons Ideen reif ist, beweist das große Echo, auf das sein Konzept 122 Jahre nach Hugos Tod stößt.

2007 werden einige Skizzen auf dem Banlieus Bleus Festival in Paris erstmals in zwei Tagen live umgesetzt. Die insgesamt 80 beteiligten Musiker, darunter Schüler aus New York und Paris sowie Mitglieder von Sotto Voce und den Jazz Passengers, schwärmen ebenso wie das Publikum und Roy Nathanson. Vom 2. bis 8. März 2010 stellt sich das Spektakel der Londoner Öffentlichkeit.

"Musik und Lyrik interagieren, gehen Symbiosen ein, trennen sich und kehren zueinander zurück, bilden Geflechte, greifen ineinander, passen sich wechselseitig an, prallen schließlich aufeinander und unter vielfachen Echos wieder voneinander ab, um endlich symbiotisch zuverschmelzen, ihre Gestalt zu verwandeln, wieder aufzutauchen und zu einer neuen Dimension zu gelangen, die sich jeder Kategorisierung und Beschreibung entzieht." So ausufernd schwärmt Jeff Friedman, renommiertes Fakultätsmitglied des Poetry Writing-Colleges im amerikanischen New England, über Nathansons Sammlung lyrischer Gedichte, die im buddy's knife-Verlag erschienen sind. Darin spielt Nathanson mit Versmaßen, die den literarischen Rhythmus und die Melodie bestimmen, ebenso souverän, wie auf dem CD-Pendant mit den Parametern, die sich um seinen musikalischen Ausdruck kümmern. Dass dabei jeder "Ton eine Emotion birgt und eine Geschichte erzählt" (Jeff Friedman), versteht sich von selbst.

Genial, wie Nathanson seine innere Vorstellungswelt in Töne, Rhythmen, Worte und Klänge fasst, denn von "Subway Moon" als einem Geniestreich zu sprechen, ist angebracht wie selten. Dem Wortursprung nach auf "werden, entstehen, erzeugen" zurückgehend, schmückt der Begriff laut Duden Personen mit "überragend schöpferischer Geisteskraft". Beim Eintauchen in Nathansons Klangwelt kommen daran keinerlei Zweifel auf. Grenzüberschreitungen jeglicher Art gehören dabei genauso zu seinem begnadeten Handwerk, wie die Gabe, diese überschäumende kreative Kraft in packende Hör- und Tondokumente zu verwandeln. "Subway Moon" erklimmt die Gipfel kreativer Schaffenskraft und wagt sich dabei in die Tiefen der New Yorker Katakomben. Trotz aller Warnungen, die der Musiker David Murray über Avantgarde in den Raum stellt ("Wenn Avantgarde auf der CD-Hülle steht, schrecken die meisten vom Kauf zurück"), lädt "Subway Moon" die Hörenden ein in Nathansons Welt aus Jazz, Avantgarde, Spoken Word, Soul, Samplekunst, Human Beat Boxing und Pop.

Stellvertretend für die Vielfalt seiner Wort- und Tonkunst steht "Subway
Noah". Zunächst begegnen sich darauf eine Spoken Word-Narration und ein hurtig eilender Walking-Bass. Das Tentett treibt auf diesem Fundament gut gelaunt solistische Scherze, bevor auf dem folgenden Swing Jazzvioline auf Human Beat Box trifft, während die Kapelle ein großes Jazzorchester simuliert. Big Bandesk führt das Ending von "Subway Noah" zur in 9/8 und 10/4 (!) groovenden "Party". Personell übersetzt Nathanson die Vielgesichtigkeit des New Yorker Untergrunds in ein Ensemble aus zehn Musikern. Dabei spielen seine alten Jazz Passengers-Buddys Curtis Fowlkes (Posaune) und Bill Ware (Vibraphon) ihre Rolle ebenso gut wie der Archie Shepp-Kollaborateur und Human Beat Boxer Napoleon Maddox, Nathansons 10-jähriger Sohn Gabriel (Trompete) oder Marcus Rojas an der Tuba. Ergänzt wird das Ensemble durch Brad Jones (Bass), Tim Kiah (Vocals, Bass), Sam Bardfeld (Violine), Sean Sondregger (Flöte, Tenorsaxophon) und den Samplervirtuosen Hugo Dwyer, der den gesamten Geräuschkatalog New Yorks beisteuert. Haupt- und Nebenrollen gibt es in "Subway Moon" nicht. Im Gegenteil. Die Beteiligten teilen ihre Plätze mit Ahnen und imaginären Kollegen, wenn in Nathansons U-Bahn das Tied & Tickled Trio auf Ornette Coleman und Charles Mingus trifft, John Coltrane für eine Station zusteigt, Erik Truffaz und Marc Ribot ein Dauerticket besitzen und Ursula Rucker als Lokführerin agiert. Aber: "Subway Moon" erfordert, einem Spielfilm gleich, Aufmerksamkeit - man geht ja schließlich nicht ins Kino, um sich zu unterhalten.

+++Besetzung+++
Curtis Fowlkes trombone, vocals
Brad Jones bass
Roy Nathanson alto and soprano sax, vocals
Sam Bardfeld violin
Napoleon Maddox human beatbox, vocals
Bill Ware vibes, vocals, Organ
Hugo Dwyer Keyboard simpler
Sean Sonderegger tenor sax and flute
Marcus Rojas tuba
Tim Kiah vocals, bass on Love Train
Gabriel Nathanson trumpet on Love Train

+++Pressestimmen+++
Peter Margasak in Downbeat 9/2009:
The second album by saxophonist Roy Nathanson's Sotto Voce project, which
marries spoken word with jazz, succeeds for a number of reasons, but focus is key among them. The music on the album was commissioned by Chamber Music America's New Works, and the longtime Jazz Passenger weaves together a number of cogent stories and images gleaned from the New York subway system, particularly Brooklyn, his native neighborhood, to create an evocative beyond-the-surface portrait of the city. The fluid, street smart poems that occupy most of the pieces were taken from a book of tbe same name that Nathanson recently published, and he complements his own dry but musical delivery with the beatboxing of Napoleon Maddox and interjections and harmony parts from various other band members. There are other Jazz Passengers involved, including trombonist Curtis Fowlkes, violinist Sam Bardfeld and vibist Bill Ware; they execute the resourceful, shape-shifting arrangements, which, along with urban environmental sound samples, provide a rich canvas for Nathanson's words. He avoids the typical, overly dramatic spoken word approach, and in some ways his voice becomes yet anotber element in the buoyant, multi-linear attack. Although there's nothing remotely retro about tbe music, some of his aching melodies and ebullient counterpoint recalls another jazz great who liked to work with spoken word: Charles Mingus. An impressive piece of work.

Karl Lippegaus in Süddeutsche Zeitung 23.9.2009:
"Wie die Arterien im Körper verläuft die U-Bahn durch Manhattan. "Take The A Train" wurde Ellingtons Erkennungsmelodie, den heimatlosen Charlie Parker fuhr sie von Nirgendwo nach Nirgendwo, und Coltrane intonierte majestätisch den "Song of the Underground Railroad". Jetzt widmet Roy Nathanson, der Saxofonist der Jazz Passengers, dem Thema ein ganzes Konzeptalbum. "Subway Moon" (Yellowbird) ist eine raffiniert komponierte, autobiographische Großstadtsymphonie in direkter Nachfolge der Beat-Poeten, ein Trip durch den modernen Hades. Nathanson, der immer auch Texte schrieb, erweist sich hier zusätzlich als brillanter Rezitator der eigenen Freistil-Lyrik, die gleichzeitig mit der CD im Kölner Kleinverlag Buddy's Knife als Buch erscheint. Schwarze und jüdische Wurzeln, Rhythm & Blues, angejazzter HipHop und Swing-Reminiszensen, schräges Gefiedel, ein wuchtiger Kontrabass, dazu Aquarelltöne vom Vibrafon und die Human Beatbox von Napoleon Maddox, dessen Mundwerk ein komplettes Schlagzeug ersetzt: "Subway Moon" erzählt von der endlosen Fahrt des herumirrenden Juden durch den urbanen Dschungel, jeder der kryptischen Verse swingt wie ein Bop-Chorus. Eine Flut flüchtiger Impressionen vom Überleben in der Stadt und der Angst vor der Bombe, dazwischen kurze Moment von Glück - und jüdischem Witz."

Katharina Lohmann aus der Amazon.de-Redaktion:
"Underground-Milieu, alternative-Sound, urban-groove: Roy Nathanson schreibt thematisch, über das Leben im U-Bahnschacht, seine Subway Moon-performance ist quasi Programmusik. Mit 80 Leuten auf der Bühne wurde das Werk in Paris aufgeführt, ein Spektakel aus Wort, Musik und Videoprojektion. Auf der gleichnamigen CD Subway Moon lässt sich (in kleinerer Besetzung) etwas von dem Ambiente erahnen, das Nathanson angetrieben hat. Man hört subtile, moderne Jazzarrangements, gesampelte Sounds der New Yorker und der Pariser U-Bahn, Gedichte, Geschichten, Beobachtungen aus dem Untergrund, Stimmungen einer vielleicht gleichermaßen bedrohlichen wie faszinierenden Parallelwelt, durch die sich täglich Massen schieben, die eine Weile still verharren, um bald und hastig zurück ins Freie zu entfliehen. Roy Nathansons Musik ist ein Spiegel dieses unterirdischen Getümmels. Mit großer Spielfreude bastelt er an Surrealem, theatralischem, die Atmosphäre ist aufgeregt, nervös, nicht ohne Humor, schon gar nicht ohne große Zuneigung. Jazz, Avantgarde, gesprochenes Wort, Scat, Samples, Soul, menschliche beatbox, skurrile Gesangseinlagen, Blechbläser-Kollektivimprovisationen - Nathanson liebt alles, was schräg ist. Klingt anstrengend? Mitnichten: Subway Moon ist nicht schwierig sondern unterhaltsam und spannend - macht Spaß! Man fühlt sich an Uri Caines absurde Themenalben erinnert, oder auch an Nathansons intellektuellen Avant-Jazz-Kletzmer-Kollegen Don Byron, und das wohl nicht von ungefähr: Roy Nathanson kommt (ebenso wie Caine und Byron) aus der Knitting Factory-Szene, war dort ein wichtiger Mann - er ist ein Kind der Postmoderne. Grenzüberschreitungen jeglicher Art sind demnach Nathansons täglich Brot. Der Saxofonist und Komponist, der ehemals bei John Luries "Lounge Lizards" solierte, der 1987 zusammen mit Posaunist Curtis Fowlkes die erfolgreiche Gruppe Jazz Passengers gründete, studierte übrigens auch Lyrik: "Subway Moon" ist sein erster Gedichtband."

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