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Tierbestattung - ein Dienst an Tier und Mensch

11.09.200917:14 UhrFreizeit, Buntes, Vermischtes
Bild: Tierbestattung - ein Dienst an Tier und Mensch
Individuelles Portrait eines Hundes auf einer Kupferurne in Airbrushtechnik
Individuelles Portrait eines Hundes auf einer Kupferurne in Airbrushtechnik

(openPR) Raitenbuch (Mittelfranken). Was häufig als exotischer und bisweilen eigentümlicher Ritus angesehen wird, bedeutet für viele Tierbesitzer inzwischen eine große Erleichterung und eine echte Hilfe: die Tierbestattung. Stellvertretend für bundesweit über hundert Tierbestatter bestätigt dies Jürgen Schuster von Antares Tierbestattungen. Er erlebt tagtäglich auf’s Neue, dass sein Dienst längst nicht allein dem würdigen Lebensabschluss des geliebten Zwei- und Vierbeiners dient, sondern vor allem auch dem Menschen, der dieses Tier geliebt hat.



Ein Tier ist nicht mehr einfach nur ein Tier.

„Wenn heute ein Haustier stirbt, verliert der Mensch nicht einfach nur ein Tier. In den meisten Fällen war dieses Tier echter Freund und treuer Begleiter, ein richtiges Familienmitglied“, so Jürgen Schuster. „Die Trauer ist groß. Und die Vorstellung, das geliebte Wesen von Rechts wegen in eine Tierkörperverwertungsanlage übergeben zu müssen, ist für viele Tierbesitzer einfach undenkbar."

Tatsächlich war Jürgen Schuster selbst lange Jahre als Fahrer von Transporten zur Tierkörperverwertungsanlage tätig gewesen und kannte das entsprechende Prozedere aus eigner Erfahrung. Als Tierbesitzer und Familienvater hatte er sich im Lauf dieser Zeit verstärkt Gedanken gemacht, wie er eine Alternative zu dieser Form der Tierkörperbeseitigung schaffen könnte: „Es ging ja nicht nur um unsere Katze. Natürlich war und ist es uns wichtig, wie unsere Kinder diesen Verlust erleben werden. Vor allem aber hat mich beschäftigt, was so etwas wohl für andere Menschen bedeuten würde, die es nicht so gut haben wie wir. Ältere, alleinstehende Frauchen und Herrchen, für die ihr Tier ja meist ihr einziger verbliebener Lebensinhalt ist.“

Im Mai 2004 schließlich gründete Jürgen Schuster sein eigenes Tierbestattungs-Unternehmen: „Sicherlich war ich damals nicht der erste, aber doch einer unter sehr wenigen, wenn man bedenkt, wie viele Haustiere es in Deutschland gibt“, meint Schuster rückblickend. „Dabei ist die Bestattung von Tieren nun wirklich nichts Neues.“

Tierbestattung ist keine Modeerscheinung.

Tatsächlich ist die Tierbestattung keine Erfindung unserer Tage und keineswegs eine Modeerscheinung. Genau genommen reicht sie sogar Jahrtausende weit zurück bis in die Zeit der alten Ägypter. Auch große Herrscher unserer Kultur ließen im Laufe der Jahrhunderte Ihre Lieblinge neben Ihrem eigenen Grab oder auf speziellen Friedhöfen bestatten, um ihnen für ihre Treue und Anhänglichkeit – und die Freude, die sie dank ihrer erlebten – einen letzten Dienst zu erweisen.
Wie viele Gärten bundesdeutscher Tierbesitzer aktuell kleine Gräber für Wellensittiche, Goldhamster, Meerschweinchen, Wüstenrennmäuse, Fische, Katzen oder Hunde beheimaten, lässt sich wohl kaum statistisch erfassen. Eine nicht unerhebliche Zahl an Menschen, die Ihre Hausgenossen nach deren Ableben auf diese Weise bei sich behalten, ist anzunehmen.
Doch was tun Menschen, die keinen Garten haben? Menschen in Mehrfamilienhäusern und Wohnblocks? Oder in Großstädten? – Gerade für diese Menschen bedeutet das Tier häufig nicht nur innige Freundschaft, sondern mitunter sogar den einzigen lebendigen Bezug zur Natur.

„In der Trauer sind sich alle einig.“

„Menschen, die eine Tierbestattung wünschen, lassen sich nicht in Schubladen packen“, sagt Jürgen Schuster. „Zu uns kommt der Herr Doktor mit stattlichem Anwesen, der sein Pferd geliebt hat, genauso wie die kleine Familie vom Stadtrand mit ihrem Hund – und auch das Großstadtmädel, das seine Ratte bestatten lassen möchte. Die Liebe zum eigenen Tier kennt keine Grenzen, kein Alter und keine Statusfrage. Auf jeden Fall sind es nicht nur, wie ich anfangs dachte, die älteren Menschen. Ganz im Gegenteil, in der Trauer sind sich alle einig.“

Vom Hamster bis zum Pferd hat Jürgen Schuster im Laufe seiner fünfjährigen professionellen – und sogar EU-zertifizierten – Tierbestattung hinreichende Erfahrungen sammeln können. Als besonderes Beispiel ist hier der unvergleichliche Erpel Herbert zu nennen, den seine Besitzer einst als Küken vor den Nachstellungen einer Katze gerettet hatten. Jedes dieser Tiere, ob groß oder klein, war von seinen Besitzern außerordentlich geliebt und geschätzt worden – und entsprechend ausersehen, ein angemesses würdevolles Ende zu finden.

Wie funktioniert nun so eine Tierbestattung?

Der Tierfriedhof ist das, was einem spontan in den Sinn kommt. Allerdings wird mittlerweile zu 99 % mittels Einäscherung in einem geprüften Tierkrematorium bestattet, und nur noch zu 1 % auf einen Tierfriedhof. Die Einäscherung stellt einfach die wesentlich preiswertere Option dar, unter anderem deshalb, weil die spätere Grabpflege nicht anfällt.
Ob der oder die Tierbesitzer bei der Einäscherung dabei sein möchten, bleibt der eigenen Entscheidung überlassen. Und auch, ob es eine Einzel- oder eine Sammeleinäscherung werden soll. In jedem Fall jedoch erhalten die Hinterbliebenen eine Einäscherungsurkunde, bei der Einzeleinäscherung auch eine Urne ihrer Wahl mit der Asche des Lieblings. Auf Wunsch kann der Name des Tieres darauf stehen und sogar ein Bild dessen angebracht sein. Wer möchte, kann die Asche im Anschluss auf der Lieblingswiese verstreuen oder die Urne zu Hause in Ehren halten. Für die Aufbewahrung einer Tierurne oder die Handhabung der Tierasche gibt es keinerlei rechtliche Einschränkung.

„Was bleiben soll, ist die Freude.“

Wenn ein geliebtes Tier stirbt, kommt es immer plötzlich. Ob durch einen Unfall oder nach längerer Krankheit. Der Schmerz ist immer unmittelbar und schwer in Worte zu fassen. So vieles hat man zusammen erlebt und so vieles hätte man sich noch gewünscht. „Der eine möchte darüber sprechen und ist froh, das bei uns tun zu können, der andere will einfach still Abschied nehmen“, meint Jürgen Schuster. „Und doch ist es wichtig, dass jemand da ist.“
In diesem Sinne sieht der 42-jährige Tierbestatter die persönliche Anteilnahme und Begleitung der Menschen, die ihr Tier verloren haben, im Grunde sogar als seine eigentliche Aufgabe an: „Wenn ich so ein Tier abhole, sehe ich erstmal Angst und Trauer. Wenn ich aber mit ihnen gesprochen habe und sie dann hier sind, ihr Tier noch einmal aufgebahrt sehen, sogar bei der Einäscherung dabei sind und alles genau mitverfolgen können, spüre ich schon den ersten Funken Hoffnung in den Augen der Leute. Meist sprechen wir noch lange über die besondere Beziehung, die sie mit dem Tier hatten, und über die schöne Zeit mit ihm. Die Freude, die sie mit ihm hatten. Und darüber, was sie jetzt bewegt.“
„Und wenn sie dann die Urne in der Hand halten und wieder ein erstes Lächeln in ihrem Gesicht auftaucht, dann weiß ich, dass ich es richtig gemacht habe“, strahlt Jürgen Schuster. „Und sie wissen auch, dass es das wert war. Ein schönes Gefühl.“

Ganz neu: Für das Frühjahr 2010 ist die Eröffnung einer Geschäftsstelle im Nürnberger Stadtgebiet geplant.

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