(openPR) Ausgehend von einem privaten Patenschaftsprojekt startete 2007 die Aktion „Kobbo Summer School“. Dabei geben Ehrenamtliche aus Deutschland Schülern in der nordäthiopischen Ortschaft Kobbo in den Sommerferien Englischkurse, die für die Kinder im Gegensatz zum regulären Schulbesuch kostenlos sind. Dieses Jahr waren es bereits drei Freiwillige – „Projekt-Pionier“ Jürgen Dierkes aus Borgentreich bei Kassel, Erika Rohn aus Düsseldorf und Eva Teichmann aus Frankfurt - die im Juli ihren Urlaub nutzten, um fast 300 Kinder unterschiedlicher Jahrgänge zu unterrichten.
Dieses Angebot stand den Schülern aller Lehranstalten in Kobbo offen und ging auf die Initiative des engagierten Leiters der dortigen St. Joseph Catholic School zurück, der von der immensen Bedeutung des Erlernens der englischen Sprache überzeugt ist. Tatsächlich gilt der Erwerb von Englischkenntnissen im Vielvölkerstaat Äthiopien als wichtiger Bestandteil einer guten Schulbildung und genießt deshalb auch bei Eltern und Schülern einen hohen Stellenwert. Nichtsdestoweniger waren die ehrenamtlichen Lehrkräfte immer wieder aufs Neue erstaunt, mit welchem Elan und Enthusiasmus die Kinder aller Stufen und Altersgruppen tagtäglich - in ihren Ferien! – die Schulbank drückten. Eine Redewendung, die in diesem Zusammenhang wörtlich zu nehmen war: De facto quetschten sich bei einer Klassenstärke von bis zu hundert Schülern drei bis vier Kinder in ein Bänkchen; wer dort keinen Platz mehr fand, ließ sich, möglichst in Sichtweite der Tafel, auf dem nackten Fußboden nieder. Auch zu Dritt und in jeweils drei Schichten pro Lehrkraft und Tag war es unter diesen Umständen kein leichtes Unterfangen, jedes einzelne Kind kontinuierlich in den Unterricht zu integrieren und seinem jeweiligen fremdsprachlichen Niveau entsprechend zu fördern.
Das Projekt soll deshalb im nächsten Jahr ausgebaut werden mit dem Ziel, für jeden Schülerjahrgang eine ehrenamtliche Lehrkraft einsetzen zu können. Außerdem wird eine Verlängerung der Kurse angestrebt; diese sollen nach Möglichkeit die vollen zwei Monate der äthiopischen Sommerferien abdecken – mit turnusmäßig wechselnden Freiwilligen, da Berufstätige aus Deutschland üblicherweise nur drei bis vier Wochen Urlaub am Stück nehmen können. Gesucht werden Menschen mit akzeptablen bis guten Englischkenntnissen, die über eine Portion Idealismus, Humor und ein gewisses Maß an Anpassungsfähigkeit verfügen. Es wird aber auch einiges geboten; außergewöhnliche Erfahrungen mit Menschen aus einem ganz anderen, geschichtsträchtigen Kulturkreis, die Bekanntschaft mit bewegenden Einzelschicksalen, anrührende Erlebnisse mit Kindern und nicht zuletzt das befriedigende Gefühl, die eigene Zeit sinnvoll gespendet zu haben. A propos: Auch Sach- und Geldspenden zur Förderung begabter, aber mittelloser Schüler und zur Ausstattung der Schule mit Lehrmaterial sind willkommen.
Hintergrundinformation:
Äthiopien ist mit seiner Vielzahl an Ethnien und Sprachen und einer jahrtausendealten Hochkultur ein besonders interessantes Land, gehört aber nach wie vor zu den ärmsten Staaten der Welt. In lebenswichtigen Bereichen wie Gesundheit, Infrastruktur inklusive Wasser- und Stromversorgung sowie dem Schulwesen sind weite Teile der Bevölkerung nach wie vor unterversorgt. Dennoch wird die Tätigkeit internationaler Nichtregierungsorganisationen von Regierungsseite kritisch gesehen.
Selbst für uns Außenstehende war während unseres kurzzeitigen Einblicks in das äthiopische Schulwesen ersichtlich, dass durchaus ein Zusammenhang zwischen Bildungsstand und Armut besteht: Auch in Äthiopien haben vergleichsweise Wohlhabendere eher Zugang zu Informationen, haben ggf. die Möglichkeit, sich über die zu empfangenden englischsprachigen Fernsehsender an die englische Sprache heranzutasten, können sich die obligatorische Schuluniform eher leisten als die Ärmsten der Armen. Ganz generell lernen alle Schüler jedoch unter erschwerten Bedingungen: So gibt es aufgrund der Wasserknappheit seit Mai 2009 nur jeden zweiten Tag Strom, mit entsprechenden Einschränkungen im Tagesablauf (ab 18.30 h nur noch Kerzenlicht) und starken Behinderungen für die Wirtschaft, insbesondere für kleine Gewerbetreibende, die nicht über einen Generator verfügen und somit nur jeden zweiten Tag voll operativ sein können. Unzureichende bzw. ausbleibende Regenfälle führen auch dieses Jahr wieder in einigen Regionen zu Missernten und damit zur Gefahr partieller Hungersnöte.









