(openPR) Bei einer Fleischwarenfabrik bietet es sich wohl an, über den Tellerrand zu sehen. Die Ingenieure der Urbana Agimus Contracting (UAC) jedenfalls schauten auf der Suche nach einer optimierten Energieversorgung des Oldenburger Fleischverarbeiters Steinemann ganz wortwörtlich über den Rand der Fabrikanlage. Und entdeckten eine Lösung, die so simpel wie clever ist. Steinemann holt sich nun von einem benachbarten Industriebetrieb überschüssige Energie, die für den Energieverbrauch nicht genutzt werden konnte. Die neue Wärmetrasse zwischen den beiden Fabriken geht dieser Tage in Bau.
Am Tannenkamp in Steinfeld (Oldenburg) wird Wert auf gute Nachbarschaft gelegt. Und so war es tatsächlich die Nähe der Nordfolien GmbH, einem Hersteller von Industrieverpackungen, die den entscheidenden Impuls gab, wie das Energieversorgungskonzept von Steinemann auf neue Füße gestellt wird. Denn das Blockheizkraftwerk des Folienherstellers produziert unter anderem Abwärme, die größtenteils in den Sommermonaten nicht vollständig genutzt werden kann, während nebenan in der Fleischwarenfabrik über Gaskessel Wärme erst produziert werden muss, die für das Kochen und Reinigen benötigt wird. Bislang wurde die überschüssige Nordfolien-Wärme über Luft-Wasser-Wärmetauscher abgeführt, wofür auch elektrische Energie benötigt wurde. Die Lösung der Urbana ist im Wortsinn nahe liegend: Steinmann greift fortan auf die Wärme von Nordfolien zurück. Dazu zweigt Urbana in der Wärmeleitung des Folienherstellers eine Leitung ab, legt eine Nahwärmetrasse zu Steinmann und baut dort einen Speicher mit einem Wärmetauscher ein. Auf diese Weise werden 615.000 Kilowattstunden (kWh) Wärme, die bislang nicht genutzt werden konnten, nun nutzbar gemacht. Es ist dies die Energie, die man ungefähr benötigt, um 35 Einfamilienhäuser zu beheizen. Gleichzeitig werden an einer anderen Stelle durch eine speziell gefertigte Wärmerückgewinnung 510.000 kWh Wärme zurück gewonnen und in den Rücklauf der Heizung für die Warmwasserbereitung eingespeist. Der Fleischwarenhersteller macht sich freilich nicht abhängig von der Wärmelieferung des Nachbarn, die Gaskessel, die bislang die Wärmelieferung leisteten, werden nicht demontiert.
Der Überschuss beliefert den Mangel: Ökologisch geht die Rechnung auf. Dr. Ralf Utermöhlen, einer von zwei Geschäftsführern der UAC, beziffert die jährliche Minderbelastung der Umwelt durch CO2 auf 246 Tonnen. Aber auch finanziell lohnt sich der Synergieeffekt - und zwar für beide Seiten. Statt kostenintensiv Wärme zu produzieren, kauft Steinemann dem Nachbarn die Wärme zu einem Preis ab, der deutlich niedriger ist als der normale Wärmepreis. Der Folienhersteller hat somit zusätzliche Einnahmen und spart gleichzeitig die Energiekosten ein, die der Betrieb der Luft-Wasser-Wärmetauscher verursachte. Zuletzt ist es aber das novellierte Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG), das Nordfolien die Einspeisung seiner Energie noch einmal vergütet. Seit der Novellierung des KWKG zahlt der Staat Zuschläge auf den gesamten erzeugten KWK-Strom. Auch können für den Bau des Wärmenetzes Investitionskosten steuerlich geltend gemacht werden. Steinemann spart durch die Synergie mit Nordfolien jährlich für mehrere 10.000 Euro Energiekosten ein. Diese Einsparungen benutzt UAC, um die Anlage zu finanzieren. Der Contractor investiert ca. 100.000 Euro in den Bau der Anlage, davon entfallen allein 30.000 auf die Kosten für die Verlegung des Wärmerohrs. Wird mehr eingespart als derzeit kalkuliert, kommen die Einsparungen Steinemann zugute.
"Contracting für Industrieanlagen ist ein großes Thema, das enormes Potenzial birgt", berichtet Utermöhlen. Die UAC hat in der Vergangenheit bereits zahlreiche Ideen und Projekte einer Machbarkeitsstudie unterzogen, Tendenz steigend. Ungefähr 80 Prozent der Ideen halten einer Überprüfung nach dem Prinzip 'No cure, no pay' stand, tatsächlich ein Drittel davon werden von UAC realisiert. "Ein weiteres Drittel der Projekte werden von unseren Kunden in Eigenregie durchgeführt, schließlich können Ideen ja nicht patentiert werden", erläutert Utermöhlen. Dass zuletzt ein Drittel der Projekte, die ökologisch und ökonomisch sinnvoll sind, nur Idee bleiben und nicht umgesetzt werden, liegt seiner Erfahrung nach meistens an "produktionsimmanenten Hürden". Die gesetzlichen Neuerungen sowohl im Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung als auch bei den erneuerbaren Energien stimmen ihn jedoch optimistisch, dass sich das Industriecontracting auf Dauer durchsetzen wird.













