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Kommentar der DESERTEC Foundation zur Pressemitteilung von EUROSOLAR/Hermann Scheer vom 17.06.2009

(openPR) International vernetzte und dezentrale erneuerbare Energien sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Als Beitrag zu Klimaschutz und günstigen Strompreisen sollte man in jedem Fall beide Potenziale nutzen (und man wird es auch). Sie ergänzen sich ideal, da solarthermische Kraftwerke mit ihren thermischen Speichern Strom nach Bedarf liefern können; auch nachts oder bei Windstille. Ein weiterer Aspekt ist der enorm steigende Strombedarf außerhalb Europas, z.B. in MENA, Indien und China für Industrie, Klimaanlagen und Meereswasserentsalzung. Durch die Nutzung von Wüstenstrom könnte dieser auf eine umweltschonende Weise befriedigt werden.



Auf teure, ineffiziente Stromspeicher für dezentrale Anlagen ist man somit nicht mehr unbedingt angewiesen, was die dezentrale Stromerzeugung finanziell noch attraktiver macht. Während Wüstenstrom die Stromerzeugungskosten senkt, sorgen die sinkenden Kosten für dezentrale Photovoltaik dafür, dass die großen Stromversorger mit ihrer Preisgestaltung in Schranken gewiesen werden.

Eine Schlüsselrolle bei DESERTEC spielt der zügige Aufbau eines verlustarmen, von den Energieversorgungsunternehmen unabhängigen, Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsnetzes (HGÜ), ein “Supernetz”. Es wird also nicht nur EINE Leitung und EIN großes solarthermisches Kraftwerk geben, sondern wie man auf unserer Karte sieht ein recht dezentrales Netz mit genügend Reservekapazitäten für den Ausfall von Leitungen und Kraftwerken. Da HGÜ-Leitungen ohne wesentliche Mehrkosten unterirdisch verlegt werden können und keine nennenswerte elektromagnetische Strahlung aufweisen, sind hier im Gegensatz zu Wechselstrom keine größeren Widerstände von Anwohnern zu erwarten.

Wenn südeuropäische Länder Einspeisegesetze für Wüstenstrom schaffen und etwa fünf Jahre später der erste Strom über das Mittelmeer importiert wird, kann der Klimaschutz in Deutschland schon vor der Fertigstellung des europäischen Supernetzes davon profitieren: Sobald deutsche Stromexporte nach Südeuropa nicht mehr benötigt werden, können alte Atommeiler und Kohlekraftwerke in Deutschland schneller vom Netz gehen.

Von E.ON gibt es bereits eine aktuelle Pressemeldung in der Investitionen in solarthermische Kraftwerke in Südeuropa und Nordafrika angekündigt werden, während man sich gleichzeitig darauf einstellt die Netze abzugeben.



Was ist die Alternative zu Solarstrom-Importen?

Ob es dem Industriestandort Deutschland nutzt, unter enormen Mehrkosten für Strom energieautark zu sein, ist zu bezweifeln. Und selbst wenn Deutschland dieses Ziel rechtzeitig erreichen sollte, ist die Welt damit nicht gerettet. Andere europäische Länder sehen in Wüstenstrom einen günstigen Beitrag zu ihrem Energiemix, der ihre Anstrengungen für den Klimaschutz beschleunigen kann. Aufgrund der notwendigen Regelkapazität (“Strom nach Bedarf“) wäre die einzig bezahlbare Alternative zu Solarstrom-Importen der verstärkte Einsatz von Erdgas und “sauberer” Kohle, selbst wenn die verfügbaren heimischen Wasserkraft-, Geothermie- und Biomassepotenziale zur Stromerzeugung, wie von uns vorgeschlagen, ebenso weitgehend genutzt würden.

Nach Ansicht von Hans-Josef Fell, einem der geistigen Väter des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), besteht durch die Einspeisung von Wüstenstrom keine Gefahr für dieses vorbildliche Gesetz. Es müsste einfach ein weiteres Gesetz geschaffen werden, das die Vergütung der Einspeisung von Wüstenstrom regelt.


Ein Hinweis zum Verschleiß: Die Annahme, dass die Spiegel der Kraftwerke durch den Wüstensand verschmutzt oder zerstört werden, kann nach zwanzigjähriger Betriebserfahrung mit solarthermischen Kraftwerken in der Mojave Wüste nicht bestätigt werden. Dort sind noch immer die Originalspiegel, die mit einer regelmäßigen Entstaubung auskommen, im Einsatz. Es bieten sich genügend geeignete Standorte in Steinwüsten, wo Sandstürme keine Bedrohung darstellen.

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