(openPR) Internate betonen den Einfluss des Lernklimas auf das Gelingen von Unterricht
In der Nach-PISA-Zeit hatte sich das Bemühen um bessere Schulen vor allem auf das fachliche Lernen, auf die Messung der Lernergebnisse, auf überregionale Rankings und auf Fragen der Schulstruktur konzentriert. In jüngerer Zeit drängt ein sehr viel bedeutenderer Aspekt wieder in den Vordergrund der Schulqualitätsfrage: die Beziehungen der Lehrenden und Lernenden untereinander und deren Folgen für erfolgreiches Lernen.
Die in der Vereinigung deutscher Landerziehungsheime zusammengeschlossenen 21 LEH-Internate haben im Verlauf ihrer langen Tradition der Rolle des Lehrenden eine Gestalt gegeben, die auch der gegenwärtigen Schuldebatte Impulse vermitteln kann. Die reformpädagogischen Vorstellungen von einer ganzheitlichen Bildung und Erziehung lassen eine Unterscheidung der Erwachsenen nach Funktionen – etwa: morgens die Unterrichtenden, nachmittags die Freizeitgestalter und Beaufsichtiger – nicht zu. Leben und Lernen sind eine Einheit, und die personellen Garanten dieser Einheit sind die Internatspädagoginnen und -pädagogen, die eben auch die Lehrerinnen und Lehrer sind. Sie haben in der Regel ihren vollen Wohnsitz im Internat, d.h. sie teilen ihren Alltag vollständig mit den ihnen anvertrauten Jugendlichen, sie sind Lerncoaches, aber auch Vertraute und Berater. Das Internat bietet den zeitlichen und räumlichen Rahmen dieser Integration.
Gute Beziehungen der am Lernen Beteiligten zeigen sich auch im Unterricht in gegenseitiger Wertschätzung und Anerkennung, in Vertrauen und Verantwortung, in Ermutigung und gemeinsamer Anstregung. Schülerinnen und Schülern in offene Unterrichtsformen zu selbstständigem Lernen zu entlassen, ihnen Verantwortung für ihren Lernprozess zu übertragen, ihnen etwas zuzumuten, sie zu Leistungen und zum Durchhalten zu ermutigen und ihre Bemühungen anzuerkennen, ihre Fähigkeit zur Selbstmotivation zu stärken, das alles sind Glückensbedingungen für erfolgreiches, nachhaltiges Lernen. Neuere Forschungen aus vielen Humanwissenschaften belegen die hohe Bedeutung emotionaler Faktoren beim Lernen.
Lehrkunst beweist sich darin, diesen Zusammenhang bei jedem einzelnen Schüler wirksam werden zu lassen, indem man seine individuellen Lernvoraussetzungen und Lernwege versteht und anerkennt. Erika Risse, die Vorsitzende der Vereinigung deutscher Landerziehungsheime, ist überzeugt: „Gute Beziehungen sind eine Bringschuld der Schule!“
Der Ausbau des Ganztagsschulwesens wäre ein aktueller Anlass, die bei den Landerziehungsheimen gewonnenen Erfahrungen in größerem Zusammenhang nutzbar zu machen. Hier weiß man, wie man Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu einem durchdacht strukturierten und rhythmisierten „Rund-um-die-Uhr“-Programm verdichtet, wie man über das schulische Lernen hinaus kreative, soziale und sportliche Kompetenzen und Interessen entdeckt und entwickelt, wie man Jugendliche in ihrem Freizeitverhalten gegen die Verlockungen und Bedrohungen der Konsum- und Spaßwelt stärkt, wie man Schulen zu einladenden, gemeinschaftlichen Lebensräumen für Lernende und Lehrende umgestaltet.
Fast nebenbei werden auf diese Weise auch die Schwierigkeiten vermieden, die sich vielerorts aus der Verkürzung der gymnasialen Schulzeit auf acht Jahre (G8) ergeben. Das großzügige Zeitbudget erlaubt es den LEH-Internaten – die meisten von ihnen bieten gymnasiale Bildungsgänge an –, auch einem quantitativ erhöhten Lernpensum entspannt gerecht zu werden, ohne dabei die nicht-akademischen Lern- und Erfahrungsfelder der Schüler zu vernachlässigen.









