(openPR) Fitch Ratings sieht im Rahmen eines neuen Reports für das Jahr 2009 schwierige Marktbedingungen für die gesamte deutsche Fondsbranche. Mit Blick auf Wachstumsaussichten und Profitabilität erwartet die Agentur eine anhaltende Konsolidierung der Branche. Hinzu kommt die Notwendigkeit der strategischen Neuausrichtung von Asset Management-Gesellschaften.
2008 war das schlechteste Jahr in der mehr als fünfzigjährigen Geschichte der deutschen Investmentbranche. Das obwohl die Branche insgesamt über ein konservatives Risikoprofil verfügt, ablesbar am hohen Anteil von Geldmarkt- und Rentenfonds, Anlagen mit Kapitalerhalt und einem vergleichsweise kleineren Anlageanteil in Aktien. Obgleich die Fonds insgesamt kaum über Hebelwirkung („Leverage“) verfügen, ist die Branche von der globalen Finanzkrise in beispielloser Weise getroffen worden.
„Das derzeitige Marktumfeld, gekennzeichnet durch Anteilsscheinrückgaben in den traditionellen Anlageprodukten wie Aktien- und Rentenfonds, deutet auf diverse strukturelle Herausforderungen für deutsche Investmentgesellschaften hin. Dabei trifft besonders der Trend zu passiven Anlageformen das Kerngeschäft der Gesellschaften hart“, berichtet Aymeric Poizot, Senior Direktor in Fitchs europaweiter Fund und Asset Manager Rating-Gruppe. Investmentgesellschaften müssen ihre Angebotspalette prüfen, wie sie der geänderten Risikobereitschaft der Investoren und der gestiegenen Nachfrage nach diversifizierten Anlagen, Asset-Allokation und Produkten mit Verlustbegrenzung am Besten gerecht werden. Dies bedeutet für einige Gesellschaften eine Erweiterung der bisher vorherrschenden konventionellen Anlageprodukte.
Deutsche Publikumsfonds hatten 2008 insgesamt mehr als 28 Mrd. Euro Nettomittelabflüsse zu verzeichnen. Davon allein Abflüsse über 47 Milliarden Euro im dritten und vierten Quartal vergangenen Jahres. In der ersten Jahreshälfte konnten noch Mittelzuflüsse von 19 Mrd. Euro erreicht werden. Während das institutionelle Portfoliomanagement beim Neugeschäft weniger anfällig war und 2008 Zuflüsse von fast 20 Mrd. Euro erzielen konnte, sanken jedoch auch hier durch die Marktentwicklung bedingt die verwalteten Anlagevolumina. Dabei sind die großen Töchterinvestmentgesellschaften von Banken, die im Publikumsgeschäft überwiegend über konzerneigene Vertriebskanäle operieren und in der Vergangenheit das Gros der neuen Mittel auf sich vereinigten, besonders betroffen gewesen. Daneben aber auch internationale Gesellschaften, die sich stärker auf Aktienanlagen fokussieren.
„Mit Blick auf fallende Vergütungen sind Kostenanpassungen unausweichlich. Die Gesellschaften befinden sich bei Senkung der Kostenbasis und Anpassung der Geschäftsmodelle jedoch auf einer schmalen Gratwanderung, um nicht Intensität und Qualität des Researchs und damit der Investmentprozesse zu gefährden. Dies könnte sich letztlich nicht nur negativ auf die Expertise der Gesellschaft auswirken, sondern auch auf deren Teilhabe am folgenden Marktaufschwung“, sagt Roger Schneider, Direktor in Fitch’s Fund und Asset Manager Rating-Gruppe. Dabei öffnet der Konsolidierungsdruck auch Möglichkeiten verstärkter Kooperation und Zusammenarbeit auf nationaler, wie auch internationaler Ebene. Von diesem Umstand hat die Branche bis dato nur wenig Gebrauch gemacht.
Über diese Herausforderungen hinaus sieht Fitch angesichts sinkender Gewinne und Anlagevermögen, Konkurrenz durch die Banken auf der Einlagenseite und anhaltend volatiler Märkte, kurzfristig wenig Entlastungsspielraum. Dessen ungeachtet erwartet Fitch eine vergleichsweise bessere Geschäftsentwicklung bei jenen Gesellschaften, die hoch kapitalisiert sind und über diversifizierte Einnahmequellen verfügen. Auch Gesellschaften, die sich auf bestimmte Marktsegmente spezialisiert haben, transparente Produkte anbieten und ihre aktive Managementkapazität unter Beweis gestellt haben, dürften überproportional von Neuanlagen der Investoren profitieren. Investmentgesellschaften, die sich über ein exzellentes Risikomanagement vom Wettbewerb abheben, besonders wenn es darum geht, Verluste zu begrenzen, sollten im schwierigen Umfeld ebenfalls besser abschneiden. Im schwankungsärmeren, aber margenschwächeren institutionellen Geschäft, werden jene Gesellschaften besser gestellt sein, die ihre Fähigkeiten in der Asset-Allokation bewiesen haben und Investoren in der Überprüfung ihrer Asset/Liabilitiy-Strukturen beraten können. In diesem Bereich wird die Qualität der Technologieplattform und ein hochwertiger Prozess in der Risiko-Budgetierung ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal für die Gesellschaften sein.






















