(openPR) Die eigenen vier Wände, ein Ort, der Geborgenheit und Sicherheit ausstrahlt – und dabei oft unbemerkt von Nässe bedroht wird. Treffen kann es jeden: Laut einer Studie der Arbeitsgruppe Raumklimatologie in Erfurt weisen rund 20 Prozent der Häuser in Deutschland Feuchtigkeitsschäden auf. Viele sind bereits von der Bausubstanz her gefährdet. „Älteren Häusern fehlt oft eine ausreichende Abdichtung gegen Erdfeuchte oder es gibt schlecht gedämmte Stellen an den Wänden, wo sich Kondenswasser absetzt“, erklärt Andreas Stache vom Berufsverband deutscher Baubiologen. Die möglichen Folgen reichen von Kälte in der Wohnung bis zu Schimmelpilzbefall, der – bleibt er unerkannt – zu ernsten Erkrankungen führen kann. Bei zu starker Mauerfeuchte hilft meist nur noch eine umfassende Trockenlegung.
In beinahe jeder zehnten Wohnung in Deutschland, so die repräsentative Untersuchung von über 5.500 Wohnungen durch die Erfurter Raumklimatologen, haben sich unliebsame Untermieter eingenistet: Schimmelpilze. Den Sporen bietet vor allem unentdeckte Feuchtigkeit in und an den Mauern einen idealen Nährboden. „Die Ursachen dafür können vielfältig sein“, erklärt Baubiologe Stache, „vom falschen Lüften und Heizen, was zu Kondenswasser im Bereich von Wärmebrücken führen kann, über nicht abgeführte Neubaufeuchte bis hin zu Schäden an der Bausubstanz.“ Problematisch sei auch die Umnutzung ehemaliger Lagerräume oder Keller als Wohnräume, weil diese oftmals schlechter gedämmt und nur unzureichend gegen Feuchtigkeit abgedichtet sind.
Altbauten besonders gefährdet
Eine gewisse Feuchtigkeit sei in jeder Wand vorhanden, so Uwe Lange vom internationalen Trockenlegungsunternehmen Aquapol. Wie stark diese ist, hängt zum einen von der Substanz und Zusammensetzung der Mauer ab und zum anderen von der Isolierung des Gebäudes gegen Nässe aus dem Erdreich. Bei Häusern, die vor 1970 gebaut wurden, ist diese Abdichtung meist ein generelles Problem, weil die Bitumenbahnen mit den Jahren durchlässig geworden sind, wie der Experte aus seiner Erfahrung berichtet: „Die Mauern saugen dann über winzige Hohlräume, so genannte Kapillaren, die Bodenfeuchte regelrecht auf.“ Dieser Effekt kann bei jeder Wand auftreten, unabhängig davon, ob es sich beim Baumaterial um Sandstein oder Ziegel handelt. Je poröser allerdings ein Baustoff ist, umso mehr Feuchte kann er aufnehmen und umso mehr können Salze den Putz zerstören. Gerade bei Altbauten kommen so zwei Zerstörungsfaktoren bei schadhafter waagrechter Abdichtung zusammen: aufsteigende Feuchte und deren aggressiven Bodensalze.
So wie im Elternhaus von Holger Schmidt. Rund 80 bis 90 Jahre alt ist das Haus, das in den 50er Jahren von Grund auf saniert und ausgebaut wurde und in dem der Polizist im Ruhestand mit seiner Frau wohnt. Das Erdgeschoss ist nicht unterkellert, weshalb die Bodenfeuchte über Jahre direkt in die Wände der Wohnräume eindringen konnte. Als er das Haus übernahm, roch es bereits muffig. Mineralien und Salze, die vom aufsteigenden Wasser mitgetragen wurden, hatten sich außen an der Mauer abgesetzt und Ausblühungen gebildet, die den Putz oder die Tapete von den Wänden absprengten. „Es war regelrecht nass“, so Schmidt. Durch Lüften im Sommer und Heizen im Winter versuchte er das Erdgeschoss zu trocknen, allerdings ohne Effekt. Einzig die Heizkosten stiegen spürbar an, da durchfeuchtete Wände bis zu 90 Prozent der Heizungsleistung direkt nach außen durchdringen lassen. Schließlich bildete sich auch Schimmel auf der Tapete.
Schimmel gedeiht meist im Verborgenen
Nasse Wände oder Tapeten bilden zusammen mit der Wärme des Wohnraums in dunklen Ecken oder hinter Möbeln ein wahres Biotop für Schimmel. Tritt der Schimmel als schwärzlicher bis gelblicher Fleck sichtbar zutage, reagieren die Mieter oder Hausbesitzer meist sehr schnell. Oft breitet sich der Pilz aber ungesehen aus und schädigt die Gesundheit der Bewohner, die lange nicht wissen, was ihre Beschwerden auslöst. „Wenn man sich im Wohn- oder Arbeitsumfeld ständig müde oder schlapp fühlt und die eigene Leistungsfähigkeit sinkt, dann stimmt etwas nicht“, sagt Dr. Christel Bluhm vom Institut für Umwelt und Baubiologie.
Aus ihren Erfahrungen weiß die Biologin, dass vor allem bei verdecktem Schimmel der Verdacht oft erst spät entsteht. Diagnostiziert der Hausarzt dann ohne diese Informationen einen Infekt und gibt Antibiotika, wird das Immunsystem dadurch noch mehr geschwächt. Dabei weist auch der Ärzteverband deutscher Allergologen schon seit Jahren auf die Gesundheitsgefahren durch Feuchtigkeit hin. Wer häufig über Schnupfen, Husten, Bindehautentzündung, Kopfschmerz und Müdigkeit klagt, sollte eine Schimmelsporenallergie in Betracht ziehen, so der Verband. Daneben geben die Pilze Hausstaubmilben Nahrung und können mit ihren Sporen die Schleimhäute reizen und Asthma erzeugen.
Erste Maßnahme: Trockenlegung
Wird Schimmel im Haus entdeckt, muss zuerst die Ursache ermittelt werden. Schäden durch falsches Lüften lassen sich dabei noch relativ leicht beheben. Ist allerdings nicht nur einer Stelle feucht, sondern die Nässe zieht aus dem Boden herauf, kommt man um eine professionelle Trockenlegung mit anschließender Sanierung nicht herum. „Der Putz muss entfernt und anschließend die Mauern ausreichend getrocknet werden“, so Lange. Bis zur Trockenübergabe kann es je nach Schwere des Falls und nach verwendeter Methode gut zwei Jahre dauern. Die verbreitete chemische Methode, bei denen Löcher in die Mauern gebohrt und künstliche Füllstoffe zum Abdichten der Kapillaren eingespritzt werden, kam für Holger Schmidt aber nicht in Frage. Zu hoch lagen die Kostenvoranschläge und zuviel Bauschutt und Aufwand wäre damit verbunden gewesen.
Über eine Messe in Kassel stieß der Pensionist auf die Firma Aquapol, die eine Trocknung des Gebäudes auch ohne Chemie und Baumaßnahmen für 20 Jahre garantierte. „Zuerst kam mir das utopisch vor“, so Schmidt. Die Referenzen des Unternehmens, die Garantie und nicht zuletzt der günstige Preis bewogen ihn aber, sich die Sache näher anzusehen. „Meine Frau hat dann andere Kunden nach ihren Erfahrungen gefragt“, erzählt er. „Das war letztlich ausschlaggebend.“ Im Januar 2006 wurde mit einigen Messungen an der Mauer begonnen und das Aquapol-Gerät installiert. Erste spürbare Unterschiede zeigten sich nach etwa einem Jahr, wie der frühere Polizist berichtet: „Man konnte mit bloßem Augen sehen, wie die Nässe an der Wand immer weiter nach unten ging.“ Ein Jahr später konnte das marode Erdgeschoss saniert werden. Der alte Putz wurde abgeschlagen und stattdessen ein an das Mauerwerk angepasster Putz aufgebracht.
Sanierung je nach Schwere des Befalls
Bei der Sanierung schimmelbefallener Wohnungen ist Vorsicht geboten, damit man die Sporen nicht einatmet. Mundschutz und Handschuhe sind Pflicht, so das Bundesumweltministerium in seinem Schimmelpilz-Leitfaden. Kleinere Flächen von unter einem halben Quadratmeter können unter Beachtung der notwendigen Maßnahmen selbst gereinigt und die entfernten Stellen mit dem Schimmel im Hausmüll entsorgt werden. Bei größeren Flächen rät das Ministerium zu professioneller Hilfe, da nur mit Erfahrung und dem richtigen Gerät dafür gesorgt ist, dass sich die Sporen bei der Sanierung nicht in andere Räume ausbreiten. Nach der Reinigung kann zusätzlich mit Kalk- oder Silikatfarben und dem Verzicht auf Tapeten einer neuen Schimmelausbreitung vorgebeugt werden. Wirklich sicher allerdings ist eine Wohnung nur, wenn der Grund für den Schimmel – sei es falsches Lüften und Tauwasser oder aufsteigende Bodenfeuchte – gefunden und behoben wurde.









