(openPR) Seit einem Jahr wird mit Hilfe der NOTES-Chirurgie (Natural Orifice Translumenal Endoscopic Surgery) ein neues Kapitel der minimal-invasiven Chirurgie aufgeschlagen. Bei dem Verfahren werden chirurgische Eingriffe erstmals durch natürliche Körperöffnungen wie Mund oder Enddarm vorgenommen. Im Rahmen eines Symposiums diskutierten in München Ärzte und Ingenieure gemeinsam über die Möglichkeiten der neuen Technik. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (DGBMT), dem Dachverband Medizinische Technik Naturwissenschaft und Informatik (DVMT) und der Fraunhofer Gesellschaft.
Das Konzept der Chirurgie über natürliche Körperöffnungen (Natural Orifice Translumenal Endoscopic Surgery) oder mittels Zugang durch den Bachnabel basiert auf den erfolgreichen Techniken der flexiblen gastroenterologischen Endoskopie als auch der minimalinvasiven Chirurgie auf. NOTES versucht die Vorteile beider Verfahren synergistisch zu kumulieren und auf die Schaffung von äußerlichen Narben zu verzichten. Für die Entwicklung von geeigneten Technologien dieser neuen Verfahren kommt der Zusammenarbeit von Ärzten und Ingenieuren zur Weiterentwicklung der Verfahren und Instrumente eine überragende Bedeutung zu. NOTES kommt vor allem für übergewichtige Menschen in Frage, bei denen aufgrund der Fettmasse bei konventionellen Operationen oft zur Wundheilungsstörungen kommt.
Über den so genannten transumbilicalen Zugang berichtete Professor Sir Alfred Cuschieri von der britischen Universität Dundee. Hierbei handelt es sich um einen Zugang über den Bauchnabel – einer natürlichen Körperöffnung, die sich nach der Geburt verschließt. Dieser Zugang kann für Operationen genutzt werden. Hier wird neben einem guten kosmetischen Ergebnis eine mögliche Veringerung postoperativer Schmerzen erwartet. Diese Operationen stehen speziell für Männer zur Verfügung.
Über einen kleinen Schnitt im Nabel wird zunächst eine Bauchspiegelung durchgeführt. Hierdurch wird beurteilt, ob die Operation möglich ist. Anschließend werden weitere Instrumente im Nabel eingebracht. Die sich anschließende Operation folgt den Standards der endoskopischen Chirurgie. Die Entfernung des zu entfernenden Organs wie beispielsweise der Gallenblase oder des Blinddarms kann dann komplikationsarm über die Erweiterung einer der Schnitte im Nabel erfolgen. Diese Vorgehensweise ist für den Patienten mit weniger Schmerzen verbunden und liefert ein sehr gutes kosmetisches Ergebnis, da der Schnitt im Nabel häufig nicht sichtbar ist.
In den Kinderschuhen steckt dagegen noch die Chirurgie über den transoesophagealen Zugang. Dieses Verfahren wird über Mund und Speiseröhre durchgeführt. Professor Karl-Ernst Grund vom Tübinger Universitätsklinikum Schnarrenberg verwies anlässlich des Symposiums auf die derzeit noch bestehende Problematik. Dagegen sind die ersten transvaginalen Operationen bereits erfolgreich durchgeführt worden. Über entsprechende Trainingsmöglichkeiten berichtete Prof. Jürgen Hochberger vom Hildesheimer St. Bernward-Krankenhaus.
Bereits 2007 hatten Französische Gastroenterologen haben einer jungen Patientin mit symptomatischer Cholezystitis die Gallenblase transvaginal entfernt. Die Frau konnte bereits am zweiten postoperativen Tag die Klinik verlassen. Ohne Komplikationen verlief auch eine Operation in Rostock, wo einer jungen Frau transvaginal der entzündete Wurmfortsatz des Blinddarms entfernt wurde.
Über die Möglichkeiten transanaler Zugänge referierte Prof. Gerhard Bueß von der Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie in Tübingen. Bisher ließen sich auf diese Weise einige tief liegende Tumore via Zugang durch den After entfernen. Den Patienten wurde auf diese Weise der Bauchschnitt erspart.






