(openPR) „Es war ein Experiment und zwar ein gelungenes“, urteilte Pfarrer i. R. Hartmut Dreier von der Christlich-Islamischen Arbeitsgemeinschaft in Marl am Ende des Tages. Die Evangelische Initiative „Mehr Dialog: jetzt!“ hatte am vergangenen Samstag (21. März) zu einer Exkursion zu Kirchen und Moscheen des Ruhrgebietes und zu einem anschließenden Symposium nach Marl eingeladen.
Mit einem voll besetzten Bus fuhren interessierte Christen und Muslime am Samstagmorgen als erstes die neue Moschee in Duisburg-Marxloh an. Beeindruckend war nicht nur die Architektur dieser im traditionellen osmanischen Stil gebauten Moschee, sondern auch das breit gefächerte Programm des angegliederten Begegnungszentrums. 1000 Besucher wurden allein an diesem Wochenende durch die Moschee geführt. Für Gruppen bestehen inzwischen Wartezeiten von etwa einem Jahr.
Wie unterschiedlich die muslimischen Sakralbauten im Ruhrgebiet sind, hat viele Teilnehmende überrascht, als sie die zweite Moschee in Herten erreichten. „Dieser Bau ist das glatte Gegenstück zu einer osmanischen Moschee: Ein klares, lichtes, modernes Bauwerk“, urteilte Dietrich Schwarze, Teilnehmer aus Witten.
Über „Sakralbauten zwischen Tradition und Moderne“ diskutierten mehr als 60 Teilnehmende beim anschließenden Symposium im Gemeindehaus an der Pauluskirche in Marl. „Es ist das erste Mal, dass wir mit muslimischen und christlichen Architekten und Gläubigen intensiv und fachkundig über unsere Sakralbauten sprechen“, sagte Antje Rösener, Theologische Studienleiterin des Evangelischen Erwachsenenbildungswerks Westfalen und Lippe e. V. (EBW), die das neue Projekt federführend organisiert hatte.
Uta Heinrich, Bürgermeisterin von Marl, betonte in ihrem Grußwort Offenheit: „Marl ist eine junge heterogene Stadt, die offen ist für alle Kulturen und Religionen und ihre Sakralbauten.“ Der Architekt Ercan Agirbas aus Gelsenkirchen brachte die planerische Herausforderung auf den Punkt: „Wenn man eine Moschee baut, dann muss man eine Symbiose schaffen aus traditionellen Bauelementen aus den Herkunftsländern der Muslime und dem, was sich im Einwanderungsland darbietet.“ Dass dies nicht immer so einfach ist, konnte niemand besser darstellen als Paul Böhm, der Architekt der neuen Kölner Moschee, die in den vergangenen Monaten kontrovers diskutiert worden war. „Die Wogen sind zwar hochgegangen, aber es wurde auch viel dabei geklärt“, freute sich Böhm über erhellende Dialoge.
Ihm war es wichtig, in Köln eine Moschee zu bauen, die den Muslimen hier in Deutschland eine Zukunft eröffnet. „Man baut ein solches Gebäude mit dem Blick nach vorne. Es muss mögliche Veränderungen in der muslimischen Gemeinde zum Beispiel zwischen Männern und Frauen im Blick haben.“ Böhm, der auch schon Kirchen gebaut hat, sieht viele Parallelen: „Immer geht es bei einem Sakralbau darum, Konzentration und Geborgenheit nach innen zu vermitteln und gleichzeitig einladend nach außen zu wirken.“
Die Teilnehmenden des Symposiums zeigten sich beeindruckt von den Entwürfen für die Kölner Moschee, deren Baubeginn im Frühsommer erwartet wird. „Wenn die Moschee in Köln steht, werden wir die ersten sein, die sie besuchen“, sagte Ursula August, Pfarrerin an der Pauluskirche in Marl, die die Teilnehmenden durch den Tag geleitet hatte.
Zum Hintergrund:
Die Evangelische Initiative „Mehr Dialog: jetzt!“ – gestartet aus dem Raum der Evangelischen Kirche von Westfalen - wird von mehr als 100 Personen aus dem kirchlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Raum unterstützt. Sie will den Dialog der Religionen ermöglichen und die gute Nachbarschaft zwischen Christen und Muslimen sichtbar machen und bietet dazu mehr als 50 örtliche und regionale Veranstaltungen an. Das Symposium war die zweite Großveranstaltung im Rahmen dieses Dialogs.
Das Symposium in Marl hat das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe e. V. in Kooperation mit der Christlich-Islamischen Arbeitsgemeinschaft Marl organisiert.



















