(openPR) 13.02.2004 - Der Luftraum über Europa ist eine knappe Ressource – etwa 8,5 Mio. Flugbewegungen, davon 2,5 Mio. allein in Deutschland, wurden im Jahr 2003 registriert. Man rechnet mit einem jährlichen Wachstum von 5 Prozent.
Die Flugsicherungen in Europa schaffen zwar durch Verbesserungen des Luftraummanagements zusätzliche Kapazität, diese wird aber schnell durch das Verkehrswachstum aufgezehrt.
Zur Steigerung von Kapazität bei gleich bleibend hoher Sicherheit hat die Europäische Kommission deshalb die Initiative Single European Sky (SES) gestartet. Dies soll Verspätungen vermeiden und dient der Pünktlichkeit der Flüge zum Nutzen der Passagiere.
Ziele von SES sind die Schaffung grenzüberschreitender Lufträume, die Trennung der regulativen Aufgaben von der Dienstleistung Flugsicherung, eine europaweit einheitliche Zertifizierung der Flugsicherungsorganisationen, eine engere zivil-militärische Zusammenarbeit und eine bessere Interoperabilität der Flugsicherungssysteme. SES bietet die formale Grundlage für Wettbewerb bei Flugsicherungsdienstleistungen, die Gestaltung liegt aber in den Händen der Nationen.
Aktueller Stand
Am Montag, den 4. Februar 2004, hat der EU-Ministerrat den SES-Verordnungen endgültig zugestimmt. Das Gesetzgebungsverfahren ist damit abgeschlossen. Die Verordnungen treten am 20. Tage nach der Bekanntgabe im EU-Amtsblatt offiziell in Kraft und sind dann in allen EU-Mitgliedstaaten unmittelbar gültig. Mit der Bekanntgabe ist in den nächsten Wochen zu rechnen.
Einzelregelungen zum Regulierungspaket (Durchführungsvorschriften) sollen bis Ende 2004 erarbeitet werden.
Ausgangssituation
Bis auf die britische Flugsicherung stehen alle nationalen Flugsicherungen bislang zu 100% in staatlichem Eigentum. Sie unterstehen damit den Nationalstaaten und haben eine Monopolstellung. Ausgenommen davon sind einzelne Flugdienstleistungen wie z.B. Lotsendienste an deutschen Regionalflughäfen.
Zu den einzelnen Zielen:
Schaffung von funktionalen grenzüberschreitenden Lufträumen
Die Staaten sind aufgefordert, den oberen Luftraum nach operationellen Gesichtspunkten, also entlang der Verkehrsströme, sinnvoll zu gestalten. Die Kommission wird dies Ende 2006 in Form einer Bestandsaufnahme überprüfen. Bis 2006 legt die Kommission ein Konzept zur Ausdehnung auf den unteren Luftraum vor. Über die Einführung sollen Rat und Parlament bis Ende 2009 entscheiden.
Heute orientieren sich die Luftraumgrenzen bis auf geringe Ausnahmen an den Staatsgrenzen. Die DFS operiert innerhalb der Grenzen Deutschlands und ist nur für einen kleinen Teil der Lufträume anderer Nationen (u.a. Österreich) verantwortlich. Umgekehrt kontrollieren andere Nationen (z.B. die Schweiz) auch nur kleine Teile des deutschen Luftraumes. Ziel ist es, grenzüberschreitende Lufträume zu schaffen, die sich an den Verkehrsströmen und nicht an den Ländergrenzen orientieren.
Trennung der regulativen Aufgaben von der Dienstleistung Flugsicherung
Die DFS nimmt heute regulative Aufgaben wahr. Soweit es zukünftig um die Einhaltung gemeinschaftlicher Anforderungen an nationale Flugsicherungsdienstleister geht, soll der Prozess der europaweit einheitlichen Zertifizierung von einer (oder mehreren) unabhängigen Regulierungsinstanz(en) durchgeführt werden. Wie sich dies darstellt (eine europaweite Instanz oder schlicht eine Anbindung an nationale Instanzen) ist noch nicht geklärt.
Die DFS hat ihre Geschäftsbereiche bereits so ausgerichtet, so sie den zu zertifizierenden Einheiten (Center/Tower/Luftfahrtdatenmanagement und Flugberatung, technische Dienste (communications, navigations, and surveillance) entsprechen. Die Ausbildung wird über eine Richtlinie europaweit vereinheitlicht.
Schaffung eines Zertifizierung-Systems für Flugsicherungsorganisationen/-leistungen
Eine einheitliche europäische Zertifizierung von Flugsicherungsdienstleistungen ist ein Kriterium für die Benennung einzelner Flugsicherungsdienstleistungen. Die Zertifizierung der einzelnen Dienstleistungen bestehender oder neuer Anbieter muss ein Jahr nach Verabschiedung der Durchführungsvorschriften (für 2004 erwartet) erfolgt sein.
Zivil-militärische Zusammenarbeit:
Über den Grad der zivil-militärischen Zusammenarbeit entscheiden die Mitgliedstaaten selbst. In der DFS ist die zivil-militärische Integration bereits seit 1994 vollzogen – und hat als gelungenes Modell in Europa Vorbildcharakter.
Technische Interoperabilität
Die Kommission hat eine Zeitspanne von sieben Jahren zur Angleichung bestehender Systeme an neue Standards festgelegt. Für neue Systeme gilt die Frist von 1,5 Jahren nach Inkrafttreten.
Die DFS setzt heute in allen fünf Kontrollzentralen und den Towern ein hoch professionelles Flugsicherungssystem ein, das eine deutliche Entlastung im Bereich der Koordinierungsvorgänge gebracht hat. Schon heute arbeitet man an dem Nachfolgesystem, das im Jahr 2007 in der ersten Stufe in der Karlsruher Kontrollzentrale eingeführt wird und anschließend in den anderen deutschen Kontrollzentralen ausgerollt wird (bis 2012) – aber auch in der Maastrichter Kontrollzentrale von EUROCONTROL.
Vorteile des neuen Systems liegen unter anderem in einer verbesserten Vorhersage des Flugprofils. Dadurch werden dem Lotsen wesentlich früher als heute mögliche Konfliktsituationen prognostiziert, was die Planung erheblich erleichtert.
Die Entwicklung der DFS
Die DFS bietet heute in punkto Sicherheit und Qualität äußerst hochwertige Dienstleistungen an - auch im internationalen Vergleich. Das Unternehmen arbeitet weiter an der Optimierung der Kostenstruktur, dem wurde und wird u.a. Rechnung getragen durch ein Effizienzprogramm und die Umorganisation der Standorte. Wesentliche Schritte dafür sind:
Zusammenlegung der Center:
Das Düsseldorfer Center wurde bereits mit dem Center Langen ebendort zusammengelegt. Gleiches ist für Berlin, das den ostdeutschen Luftraum kontrolliert, geplant. Das Aufgabengebiet der Berliner Kontrollzentrale wird in die bestehenden Zentralen Bremen und München integriert (2006). Zudem wird der obere Luftraum in einer Kontrollzentrale (Karlsruhe) zusammengelegt (2007/2008). Übrig bleiben zunächst vier Center statt sechs.
Clustering Tower:
Für die 17 internationalen Flughäfen, die von der DFS kontrolliert werden, sind heute nicht mehr 17, sondern zwölf Towerleiter zuständig. Dieser Prozess (Clustering) wird fortgesetzt. Zugleich befindet sich eine Tower GmbH in Gründung, die eine Teilnahme am Wettbewerb in der Platzkontrolle ermöglichen soll – zunächst in Deutschland. In Deutschland sind bislang Einzelbeauftragungen von (nicht-DFS-) Lotsen durch das Bundesverkehrsministerium an Regionalflughäfen die Regel. Zukünftig müssen Platzkontrolldienste von zertifizierten Unternehmen wahrgenommen werden. Die DFS ist heute an 17 internationalen Flughäfen und an einem regionalen Flughafen vertreten. Das Segment Regionalflughafen soll ausgebaut werden.
Zusammenlegung der Flugberatung:
Seit Dezember sind die 17 deutschen Außenstellen der Flugberatung in einer Zentrale in Frankfurt vereint.
Darüber hinausgehend engagiert sich die DFS heute schon in zukunftsweisenden europäischen Projekten:
So im europäischen Satellitensystem EGNOS (European Geostationary Navigation Overlay Service), das im Frühjahr 2003 den Probebetrieb aufnahm. EGNOS verbessert die Genauigkeit der Positionssignale des amerikanischen GPS (Global Positioning System). Das ursprünglich militärische GPS-System verursacht bei der Navigation Abweichungen von rund 20 Metern. Mit Hilfe von EGNOS kann die Präzision dieses Systems wesentlich verbessert werden. EGNOS ist der erste große Schritt für ein hochpräzises europäisches Navigationssystem, dem in den kommenden Jahren GALILEO folgen wird, das eigenständige globale Netz von europäischen Ortsbestimmungssatelliten. Vom europäischen Satellitensystem Galileo verspricht sich die EU-Kommission eine Steigerung von der Kapazität im Luftraum bei gleich bleibender Sicherheit und 50% weniger Lärm in Flughafennähe.
Daneben ist die DFS Mehrheitseigner (55%) an der FCS Flight Calibration Services (FCS), weitere Anteilseigner sind die Flugsicherungsorganisationen Austro Control (Österreich) und Skyguide (Schweiz).
Zusammen mit der spanischen Flugsicherung AENA (36%) und der österreichischen Frequentis Nachrichtentechnik Gesellschaft mbH (28%) hält die DFS Anteile (36%) an der
GroupEAD Europe S.L.. Das Unternehmen betreibt die Europäische Datenbank für Fluginformationen im Auftrag von EUROCONTROL.
Ziel der DFS ist es, in zehn Jahren deutlich mehr als nur den deutschen Luftraum zu überwachen.
Europäische Kommission unter http://europa.eu.int/comm/transport/air/single_sky/financial_en.htm
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH
Am DFS-Campus 10
D - 63225 Langen
Tel.: +49-(0)6103-707-0








