(openPR) „Die verborgene Spur“ im Felix-Nussbaum-Haus:
„Für diese Kunstwerke kann man auch einmal um die Welt fliegen.“
Das von Daniel Libeskind entworfene Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück begeht 2008 sein zehnjähriges Jubiläum und präsentiert zu diesem besonderen Anlass eine außergewöhnliche Ausstellung mit Leihgaben aus bedeutenden Museen Europas und der USA.
Welche Spur haben jüdische Künstler in der Kunstgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts hinterlassen? Und wie lässt sie sich zeigen? Die Jubiläumsschau „Die verborgene Spur– Jüdische Wege durch die Mo-derne” widmet sich der Wirkung jüdischer Kultur und jüdischen Lebens innerhalb der letzten zwei Jahrhun-derte. Erstmals wird der Einfluss der jüdischen Erfahrung der Zerstreuung – der Diaspora – auf die Kunst der Moderne in den Mittelpunkt gestellt.
Ausgewählte Bilder Felix Nussbaums werden mit etwa 100 Exponaten nationaler und internationaler Künst-ler konfrontiert und machen neue Zusammenhänge deutlich. Werke von namhaften Malern wie Marc Cha-gall, R.B. Kitaj, Mark Rothko, Max Liebermann, Rebecca Horn und vielen anderen lassen sich mit der jüdi-schen Tradition, der Kunst der Moderne und der Architektur des Felix-Nussbaum-Hauses auf einzigartige Weise verbinden und decken diese bislang „verborgene Spur” auf.
Im labyrinthischen Libeskind-Museum werden somit Orte des Schicksals zu Orten der Kunstgeschichte.
„Für diese Ausstellung haben wir wundervolle Kunstwerke zusammengetragen, für die Menschen andernorts Schlange stehen würden, um sie sich anschauen zu können. Diejenigen, die die Aus-stellung gesehen haben, wissen, was diejenigen verpassen, die dieser verborgenen Spur nicht folgen“, ist Inge Jaehner, Direktorin des Felix-Nussbaum-Hauses, sicher
Eine Quelle für diese Einschätzung ist das Besucherbuch, in dem zahlreiche Gäste ihre Eindrücke zusammengefasst haben. “Ich war letzte Woche in Ihrer großartigen Ausstellung. 3 Stunden lang!“ „Diese Ausstellung ist ein Wiederholungsbesuch wert!“ „Beeindruckende Zusammen- und Gegen-überstellung wichtiger Werke!. Außerdem war die Stimmung im Nussbaum-Haus für mich unver-gesslich.“ „Eine sehr beeindruckende Ausstellung und Architektur! Das Herz wird berührt!“ „Wir kommen extra aus Wilhelmshaven, um uns diese unglaublich schöne Ausstellung anzusehen!“ „Eindrucksvoll und eine Reise aus den Niederlanden mehr als wert!“ „In der Ausstellung werden Nussbaums Bilder wunderbar getragen von vielen betroffenen zeitgenössischen Künstlern, so dass trotz der Härte des Themenstoffes der Ausstellung, Wärme und Liebe die Räume durchflu-ten.“
Inge Jaehner überraschen diese Eindrücke nicht, „denn wir haben hier Kunstwerke versammelt,, für die ein Liebhaber durchaus auch um die Welt fliegen würde – versprochen! Gleich zu Beginn begrüßt die Ausstellung mit einer Installation von Rebecca Horn. Sie irritiert, weil sie den Betrach-ter selbst in Frage stellt.“ In einem schwarzen Wasserbecken spiegelt sich der Betrachter, wäh-rend eine mehrere Meter lange Metallnadel verschwindende Zeichen in die Schwärze zeichnet. Hier kann der Betrachter dem Vergessen zuschauen. In der Nähe des Ortes, wo man früher Gott vermutet hat, lenkt ein kleiner Motor diesen Stab, während eine Violine an der Wand klagende Töne von sich gibt, die noch in den Nebenräumen zu hören ist.
So angerührt begegnet der Besucher dem „Hurenviertel in Berlin“ von Jankel Adler. Die Malweise ist so ‚fleischlich’ wie das Thema des Bildes. Käufliche Liebe: die mit ihr verbundene Gefahr, Ver-suchung und Enttäuschung zeigt diese dunkle Szene, in der die verschwommen gemalten Da-men, blutrot gekleidet, ihre Dienstleistung anbieten.
Und daneben, völlig überraschend: ein ausgelassener „Vormittagsspuk“ – ein Film von Hans Richter aus dem Jahre 1928: Hüte fliegen durch die Luft, Tassen zerspringen und setzen sich auf wunderbare Weise wieder zusammen. Allerlei Merkwürdigkeiten passieren in diesem kurzen Film, die eigentlich nicht passieren können, und folglich ungebrochen Heiterkeit ausstrahlen.
Und dann wieder ein Modigliani, ein Chagall, Rothko, Kitaj und hineingewoben in diese jüdischen Wege durch die Moderne immer wieder Werke von Felix Nussbaum.
Die Ausstellung ist noch bis zum 19. April geöffnet. Noch wird die Zeit nicht knapp, aber Interes-sierte sollten doch daran denken, den Ausstellungsbesuch zu planen.
Bis zum Ende der Ausstellung ist das Felix-Nussbaum-Haus donnerstagabends bis 22 Uhr geöff-net.
An den Ostertagen kann die Ausstellung jeweils von 10 bis 18 Uhr besucht werden.









