(openPR) Gespräch mit Winfried Bentz zu Netzwerkplattformen mit Polymerfasern.
Die IfKom stellen den teilnehmenden Referenten ihres „50. Innovationsforums“ anlässlich der CeBIT 2009 Fragen zur Zukunft der Kommunikation. Der Beitrag von Winfried Bentz von Ratioplast-Optoelectronics GmbH trägt den Titel: „Netzwerkplattform mit Polymerfasern (POF)“ Hinweis: POF (Polymer Optische Faser) ist ein Kunststofflichtwellenleiter und kann somit nicht als Glasfaser bezeichnet werden darf. Glasfasern und POF sind Lichtwellenleiter.
Georg Stanossek von Portel.de stellte für IfKom die Fragen:
IfKom: Angenommen, ein Betreiber legt mir einen Glasfaseranschluss bis ans Haus: Wäre es (wirtschaftlich) sinnvoll das Haus mit einem Kunststofflichtwellenleiter auszustatten, worauf muss man (als Eigentümer) achten und wie teuer wäre das? Was heißt POF und was muss man als Hauseigentümer über Kunststofflichtwellenleiternetze wissen?
W. Bentz: Um die Frage zu beantworten muss ich einige Eigenschaften der POF
kurz erläutern. POF kann überall dort eingesetzt werden, wo es um geringe Netzlängen (~70m) geht. Dies ist in EFH, MFH und Wohnungen der Fall. Mit POF können alle Netzstrukturen erstellt werden, PtP (strukturierte Verkabelung) Bus- und Ringsystem. Für Bus und Ringsystem benötigt man aktive Elemente, zwischen denen der Abstand dann jeweils 70m betragen kann. Die POF wird mit einem einfachen Schneidewerkzeug (preiswertes, einfaches Produkt) geschnitten und dann ohne Stecker in einer Klemmvorrichtung an die Transceiver montiert. Der Formfaktor (2x1, 5mm Durchmesser) empfiehlt die POF für die nachträgliche Installation in Gebäuden. Das Verlegen in unmittelbarer Nähe von Starkstromanlagen ist unkritisch.
Die Erstellung eines Lichtwellenleiternetzes in Gebäuden und Wohnungen erscheint uns sehr sinnvoll. Die Fortführung des LWL-Netzes bis zu den Endgeräten reduziert die Störbeeinflussung wie Nebensprechen, EMI, etc. auf ein Minimum. Ausschließlich elektrische Komponenten können solche Störungen noch verursachen. Dies ist ein wichtiger Fakt hinsichtlich der Störempfindlichkeit von DSL Systemen.
Das POF-Netz kann als Plattform für alle digitalen Dienste genutzt werden. So können IPTV, Internet und Datenverkehr kollisionsfrei über eine Duplexleitung geführt werden. Das Interface zum Endgerät kann elektrisch oder zukünftig auch optisch sein.
Die Kosten eines POF-Netzes sind im Vergleich zu einem Glasfasernetz nicht höher sondern durch den Mehrwert der Erstellung von allen Netzstrukturen, d.h. optimale Nutzung aller vorhandenen Infrastrukturen, auf längere Sicht viel wirtschaftlicher. Zudem kann das POF-Netz auch von Haus- und Wohnungseigentümern installiert werden.
IfKom: Für Glasfaser gibt es aktive und passive Komponenten. Was ist besser / was braucht man?
W. Bentz: Die Nutzung von LWL Netzen hat immer den Einsatz von aktiven Komponenten (Mediakonverter) zur Folge. Zukünftige Gebäudenetze werden aktive Netze sein so wie es im Access Bereich auch der Fall ist. Mit aktiven Komponenten können zukünftig alle Gebäudenetze der verschiedenen Dienste zu einem Netz zusammengefasst werden. Es müssen Möglichkeiten geschaffen werden, diese aktiven Netze einfach zu betreiben. (Monitoring, etc.)
IfKom: Was kann man selber machen, wo empfiehlt es sich eine Spezialfirma zu beauftragen?
W. Bentz: In Wohnungen und EFH kann man ein POF Netz sicher einfach selber aufbauen. Bei Gebäudeverkabelungen und Netzen höherer Komplexität (VLAN Konfigurationen, etc) sollte der Fachmann eingeschaltet werden. Ab Herbst 2009 wird es ein Zertifizierungsprogramm für Handwerker und Techniker geben.
IfKom: Wie laufen die Geschäfte heute (Kunden, Umsätze, Segmente) und was versprechen Sie sich vom Konjunkturpaket?
W. Bentz: Kunden sind heute die "early Adapter". In Hotels wird das POF-Netz seit 2007 eingebaut um dort Koax- und Kat.5-Netze zu ersetzen. Die Umsätze sind noch gering. Durch die Fertigstellung von weitern Produkten in 2009 können Lösungen für fast alle Anforderungen in Gebäuden mit POF angeboten werden. Verschiedene Telekom Unternehmen in Europa prüfen zurzeit den Einsatz von POF gerade in Zusammenhang mit VDSL. Die DTAG hat mit Einführung des IPTV POF als Verbindungsmedium zwischen IAD und Media Center eingeführt, jedoch sehr schlecht vermarktet. Neben Hotels und Gebäude/Wohnungen gibt es Projekte in den Marktsegmenten Krankenhaus und Seniorenheimen.
IfKom: Vielen Dank Herr Bentz, wir freuen uns auf Ihren Beitrag am 06. März 2006 um 13.45 Uhr im Convention Center im Saal 1 a
Weitere Informationen zum 50. Innovationsforum der IfKom finden Sie unter www.ifkom.de










