(openPR) Unter Architekten gehen die Ansichten zum Projekt Berliner Schloss so weit auseinander wie in der breiten Öffentlichkeit. Das meldet das Deutsche Architektenblatt in seiner Ausgabe vom Februar 2009. Bei einer vom Blatt angestoßenen Fachdiskussion sprachen sich knapp 57 Prozent der Teilnehmer gegen das Projekt und gegen Rekonstruktionen allgemein aus. 35 Prozent standen dem geplanten Wiederaufbau grundsätzlich positiv gegenüber, äußerten jedoch oft Kritik an Einzelpunkten.
Das Deutsche Architektenblatt folgert daraus zum Schlossprojekt: "Es gibt keinen Riss zwischen Fachwelt hier und Laien dort, sondern eine Auseinandersetzung quer durch beide Gruppen. Auf welcher Seite jemand steht, hängt nicht von Bildung und Kenntnissen ab, sondern von persönlichen Werten. Wohl gerade deshalb ist die Diskussion so leidenschaftlich." An der schriftlichen Leserdiskussion hatten sich mehr als 70 Architekten und Planer beteiligt - dies mit Abstand stärkste Resonanz, die das Blatt bisher auf einen Diskussionsaufruf erhielt. Das Deutsche Architektenblatt schreibt zum repräsentativen Charakter der Äußerungen: "Eine vielstimmige Diskussion ist keine Meinungsumfrage. Aber 74 Stellungnahmen sind genug, um daraus Schlüsse über die Stimmung in der Architektenschaft ziehen." Die Diskussionsbeiträge sind vollständig unter www.dabonline.de einsehbar.
In einem Interview in derselben Ausgabe äußert sich Bundes-Bauminister Wolfgang Tiefensee kritisch zur Rolle der Architekten. Er bezeichnet Forderungen als "eindimensional und anmaßend", Entscheidungen wie die zur Berliner Schlossrekonstruktion unter Experten zu fällen statt in demokratischen Gremien. Tiefensee fragt: "Was hat die Architekturwelt der weit verbreiteten gesellschaftlichen Sehnsucht nach tradierten Bildern argumentativ und mit vorzeigbaren, guten Alternativen kraftvoll entgegenzusetzen?" Der Minister fordert dazu auf, "die Diskussion nicht nur in Fachzirkeln zu führen" und appelliert, "Gegenargumente gründlicher zu bewerten, statt sie als laienhaft grundsätzlich zurückzuweisen".









