(openPR) "Wenn das Ich und seine Welt brüchig sind und zerfallen, gelingt auch das Denken als kohärenzstiftender Rettungsversuch nicht. Stattdessen geraten Denken, Vorstellen, Imaginieren, Phantasieren, Wahrnehmung durcheinander - Panik ist der dominierende Affekt in solchem Chaos. Der Mensch tritt aus dem gewöhnlich-alltäglichen, scheinbar selbstverständlichen Realitätsbezug aus: ist weder tot noch lebendig, außerhalb von Zeit und Ort." Szenario eines Schizophrenen. Sein Tagebuch, 2000 Seiten, hat Dr. Vera Luif analysiert.
Zentral bleibt der Fokus auf das Ich-Selbst-Erleben: Wer schreibt über wen? Was bewirkt das Schreiben für den Schreiber? Wie ist das Verhältnis des berichtenden, reflektierenden Ich zu dem Ich des Erlebenden? Wie ist ein so betroffenes Ich noch fähig, von den eigenen Erfahrungen und der Ichkrankheit zu schreiben? Wieweit hilft das Schreiben von Tagebüchern, sich auf dem Weg zum Tagebuch-Ich zu gestalten, zu formen, zu strukturieren, an Kohärenz zu gewinnen? Tagebuchschreiben als Syntheseleistung, Strukturierungshilfe bei dem autoreparativen Bemühen des schizophrenen Menschen?
Bei der Bearbeitung der Tagebuch-Texte sieht Vera Luif Beleuchtungen der traditionellen Psychopathologie, der Ich-Psychopathologie, der Verrückung des Kranken aus dem Realitätsbezug in zweifacher Hinsicht: ver-rückt aus dem verlässlichen Ich-Bezug und dem Bezug zur umgebenden Alltagsrealität. Nicht einmal eine attraktive Frau kann der Kranke als Mitwelt erfahren. Mit 33 Jahren scheidet er aus dem Leben.
Vera Luif, Wissenschaftlerin im Psychologischen Institut der Universität Zürich, hat mit ihrer Tagebuchstudie ein authentisches Selbstbild und Bild eines Schizophrenen vorgelegt.
Vera Luif:
Die Psychose als Erzählgeschehen
Eine textanalytische Tagebuchstudie
Pabst, 236 Seiten, ISBN 978-3-89967-280-0









