(openPR) Alle Jahre wieder: Unterm Weihnachtsbaum erleben viele Paare und Familien wenig Besinnlichkeit, stattdessen Hektik, miese Stimmung, Streit bis hin zur Beziehungskrise. Nach dem Fest herrscht dann Hochbetrieb bei Scheidungsanwälten und Familienberatern. Der Berliner Paar- und Familientherapeut Christoph Uhl erklärt, wie Konflikte rund ums Weihnachtsfest entstehen und gibt Tipps, wie sie umgangen werden können.
Alptraum Weihnachtsfest
Zu Weihnachten schaukeln sich häufig Probleme hoch, die im Alltag kaum eine Rolle zu spielen scheinen. An den Festtagen, wenn viel Zeit in der Familie oder mit dem Partner verbracht wird und die Erwartungen an harmonische Stunden besonders groß sind, eskalieren rasch schlummernde Konflikte.
Realistische Erwartungen
Zu Weihnachten, dem Fest der Liebe, sind die Erwartungen an Nähe, Zweisamkeit, Harmonie besonders groß. Dann prallen die Realität des Alltags und die ehrgeizigen Wünsche an ein romantisches Weihnachtsfest aufeinander. Der Stress ist vorprogrammiert. Denn Familien und Paare sind durch die alltägliche Routine häufig gar nicht mehr daran gewöhnt, besondere gemeinsame Stunden und Tage zu gestalten. Was das ganze Jahr lang nicht gelebt wird, soll dann plötzlich zu Weihnachten gelingen. Dieser Kontrast führt zu großen Schwierigkeiten.
Weihnachten gemeinsam planen
Viele Familien und Paare unterliegen dem Missverständnis, dass rund um die Uhr alles gemeinsam unternommen werden muss. Der im Alltag häufig erlebte Mangel gemeinsamer Zeit soll so ausgeglichen werden. Das ist eine Sackgasse. Denn tatsächlich hat jeder auch unterschiedliche Interessen und es ist wichtig, dafür Freiräume zu lassen. Am besten ist, der Familienrat setzt sich rechtzeitig zusammen, und bespricht die unterschiedlichen Vorstellungen. Gemeinsam wird dann das Fest geplant.
Wenn Gesprächsstoff fehlt
Studien belegen, dass Paare, die schon einige Jahre zusammen sind, nur noch etwa zehn Minuten am Tag miteinander sprechen. Sie streiten also gar nicht, sondern haben sich einfach nichts zu sagen. Wie kommt man darüber hinweg? Paare und Familien sollten im normalen Alltag Zeitinseln schaffen, die sie nur für sich haben. Wenn wir frisch verliebt sind, dann denken wir gar nicht darüber nach, dann können wir gar nicht genug Zeit miteinander verbringen, weil der Reiz noch groß ist. Je länger wir zusammen sind, umso weniger achten wir darauf, diese Zeit uns auch immer wieder zu nehmen, vor allem, wenn Kinder da sind. Viele Eltern nehmen sich zu wenig Zeit und Muße für sich als Paar. Die Umstellung klappt natürlich nicht von heute auf morgen, da ist es umso wichtiger, realistische Erwartungen an das Weihnachtsfest zu haben.
Umgang mit schwelenden Konflikten
In etlichen Familien bestehen lang andauernde Konflikte und Spannungen, zum Beispiel wenn das Verhältnis zu den Schwiegereltern schwierig ist. Das Wichtigste ist dann, anzuerkennen, dass diese Schwierigkeiten nicht an Weihnachten gelöst werden können. Wer sich das vor Augen führt, kann über Sticheleien leichter hinwegsehen und legt nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Außerdem gibt es im Familienkreis immer jemanden, für den man sich am liebsten mit an die Festtafel oder unter den Weihnachtsbaum setzt, also zum Beispiel für die Kinder oder die Partnerin. Allein dafür lohnt es sich, alten Zwist mit anderen Familienmitgliedern ruhen zu lassen.
Weniger ist mehr
Viele haben das Gefühl, die Zeit reicht gar nicht, um alles zu erledigen und allen Wünschen gerecht zu werden. Weniger ist mehr, heißt dann die Devise. Nicht zu viel vornehmen, vom Festessen, über die Weihnachtsdekoration bis hin zur Geschenkverpackung, überall lieber ein bisschen weniger planen und Aufgaben gleichmäßig untereinander verteilen. Wer kümmert sich um das Festessen? Wer um den Weihnachtsbaum? Wer um den Einkauf? Dann bleibt Luft für Unvorhergesehenes, alle sind entspannter, und es gibt Raum für das Wichtigste: Gemeinsame Zeit.
Zündstoff Kinder
In vielen Familien entzündet sich an den Kindern ein Streit. Kinder sind besonders aufgeregt, für sie ist Weihnachten ein ganz herausragendes Ereignis. Eltern sollten also gelassen mit Ihren Erwartungen an ein bestimmtes Verhalten der Kleinen sein. Damit machen sie sich selbst und ihren Sprösslingen vielleicht das größte Weihnachtsgeschenk. Dafür können sich die Eltern dann zu einem späteren Zeitpunkt etwas Schönes gönnen, zum Beispiel ein Wochenende nur für sich als Paar.
Weihnachten und Patchworkfamilie
Für Patchworkfamilien, mit ihren vielen Müttern, Vätern und noch mehr Großmüttern und Großvätern ist die Zeit von Heiligabend bis zum zweiten Weihnachtstag viel zu kurz, um allen gerecht werden zu können. In den wenigsten Fällen können ja alle Familienmitglieder unter einem Weihnachtsbaum versammelt werden. Lösung: Auch den dritten und vierten Weihnachtstag nutzen, also die Tage nach den offiziellen Feiertagen. Diese Tage liegen dieses Jahr besonders günstig, bieten sich als arbeitsfreie Tage an.











