(openPR) München, 9.12.2008 - Altes Spielzeug in neuem Licht
Schon seit 25 Jahren begeistern sich Groß und Klein auf vier Stockwerken des gotischen Turms auf dem Marienplatz im Herzen Münchens, wo sich die einmalige Sammlung der Familie Steiger mit tausenden alter Spielsachen aus ganz Europa und den USA befindet.
Zum 25. Jubiläum dieser kaum wegzudenkenden Münchner Institution haben Eva und Ivan Steiger dieses Jahr alles umgebaut, die Ausstellung neu konzipiert, nochmals erweitert und um hunderte fantastische Spielzeuge ergänzt.
Ivan Steiger, der studierte Dramaturg, bekannte Zeichner und Maler, behandelt seine Spielzeug wie Attribute der modernen Malerei: Die Schaukästen und Vitrinen des Museums wirken wie Bilder, wie farbige Kollagen oder Aquarelle - Spielsachen, mal in der Luft hängend und in fantasievollen farbigen Beziehungen, mal mit Spannung und auch poetisch, dann wieder surrealistisch oder primitiv expressionistisch.
"Kunst im Leben des Kindes" - nichts weniger als das ist für Ivan Steiger das Spielzeug im Leben des Kindes, wie er schon zur Eröffnung seines Museums schreibt – „denn die Spielsache ist für das Kind nicht nur ein unterhaltsames Lehrmittel zur Herausbildung seiner Persönlichkeit, zur Entwicklung seiner Phantasie und seines Talents, sondern auch ein Kunstwerk; es ist ihm ein farbiges Bild, ist ihm Tempera, Ölfarbe, Aquarell oder eine unbemalte weiße Leinwand. Für das Kind ist es eine realistische wie abstrakte Kleinplastik, mit der es spielerisch und gewiss erzieherisch und unterhaltsam seine erste Träume durchlebt, als ein noch unbeschwertes Wesen die ersten Lebenserfahrungen sammelt.
Ein Christbaum (ca. 1860-1918) mit seltenem, fast unbekanntem, äußerst kostbarem alten Weihnachtsschmuck überrascht die Besucher schon am Anfang der Entdeckungsreise durch die Spielzeuge aus vielen Jahrhunderten. Danach geht es zu den ältesten bekannten Spielsachen, Geschenken der Natur: bunte Steine, Kastanien und Eicheln, leuchtende Beeren, schöne Blätter, Blume und Früchte, eigenartig geformte Zweige, Äste oder Wurzeln. Noch heute wird ein Kind "im Notfall" nach diesen urtümlichsten aller Spielzeuge greifen, zur Freude der Eltern.
Einer von wenigen noch erhaltenen außergewöhnlichen Schätzen des Museums ist ein Nürnberger Putzladen mit Sonneberger Holzköpfchen aus dem Jahre 1805 im Originalzustand. Unter den 110 Ausstattungsteilen finden sich unter anderem ein Dutzend Hütchen, Stoffballen, ein Musterbuch, eine Preisliste und sogar mehrere Bügeleisen für winzige Hüte.
Über die Spielsachen aus Papier geht es zu solchen aus Zinn - meist Zinnsoldaten - da fast alle Länder ihre Soldaten in dieser neuen Art von Spielzeug sehen wollten. Es gab Krieger aus allen Teilen der Welt.
Neben den Soldaten werden auch Motive wie "Kulturgeschichtliche Darstellungen" aus den verschiedensten Epochen gezeigt: Aus dem Leben der urzeitlichen Menschen, der alten Griechen und Römer, biblische Szenen, Dorfbewohner und Städtebau aus dem Mittelalter, Krönungsfeierlichkeiten, ebenso wie Volksfeste und Stadtleben.
Vor nun schon über 100 Jahren begann der Teddybär Freude in die Kinderzimmer zu bringen - ihm und seiner Erfinderin und "Mutter" Margarete Steiff wird natürlich auch Tribut gezollt. Neben der Dokumentation der Entstehungsgeschichte kann man hier einige sehr alte und seltene Bären bestaunen.
Das seltene Holzspielzeug stammt aus mitteleuropäischen Holzzentren: unbemalte Tierfiguren aus Zirbelholz aus dem Grödnertal, Miniatur-Klimperkästen aus dem Erzgebirge, bemalte Holzpuppen um 1830, volkstümliche Spielsachen aus Berchtesgaden und Sonneberg. Aus Oberammergau kommen geschnitzte Kutscher, Tiere, Figuren von Reisenden. Fast geheimnisvoll wirken die mehr als 200 Jahre alten, nur bisweilen aus ihrer noch erhaltenen Originalverpackung entnommenen Dutzende von Hampelmännern und Puppenköpfen. Eine echte Entdeckung beim Holzspielzeug stellen futuristische Figuren aus Frankfurt dar. Die kleinste Puppe der Welt und eine Miniaturkollektion von Tieren aus geknetetem Brot, entstanden vor dem ersten Weltkrieg.
Einem Spielzeugaltar für künftige Priester folgen die ältesten Spielsachen aus Weißblech. Spielzeugen zum Ziehen und Aufziehen aus Amerika, Deutschland und Frankreich sind sind handbemalte "Wunderwerke" und gehören zu den wenigen Dutzend Seltenheiten, die weltweit in Sammlungen erhalten blieben.
Einen echten Schatz bildet ein Teil des Archivs der Firma HAUSER-Elastolin, einem der bedeutenden deutschen Spielzeughersteller: Holzhäuser, Bauernhäuser mit verschiedenen Stallungen, Burgen, ein Zoo, eine Arche Noah, sowie exotische und heimische Feldtiere, Figuren von Dorfbewohnern und Städtern, Förstern, Soldaten, Indianern und Trappern, Marsbewohnern - alle aus Elastolin, einer Masse, die aus Sägemehl, Kaolin und Kasein hergestellt und innen drahtverstärkt wurde.
Anschließend rattern Dampfmaschinen, arbeiten und amüsieren sich blecherne Männer und Frauen, drehen sich Karusselle, tummeln sich Rodler - in der Phantasie des jungen Besuchers auf der Rodelbahn.
Als die erste industrielle Revolution im 19. Jahrhundert die Spielzeugindustrie eroberte, waren es insbesondere die mittels Handkurbel oder durch Ziehen betriebenen Spielwerke.
Das Spielzeugmuseum zeigt die einfachen, deutschen und französischen, mechanischen Spielsachen zum Aufziehen, sogenannte Halbautomaten, bei denen es sich zumeist um bewegliche Puppen oder kleine Musikantengruppen handelte.
Äußerst populäre amerikanische Spielsachen wurden aus gedrechseltem Holz, später auch aus Blech hergestellt. Es sind Nachahmungen der Charaktere ihrer bekannten Vorlagen aus Comics und Zeichentrickfilmen wie Kater Felix, die kleine Waise Annie mit ihrem Hund Sandy, Happy Hooligan, Charlie Chaplin, der kleine König und Popeye. Deutschland ist vertreten durch Originalzeichnungen der beliebten Vorkriegsserie "Vater und Sohn" von e.o.plauen und einer Gruppe von Aufziehfiguren der Firma Schuco.
Die "neuen" technischen Verkehrsspielzeuge aus der Zeit vor dem l. und 2. Weltkrieg bis zur Nachkriegszeit werden repräsentiert durch die umfangreiche Kollektion von Eisenbahnen: Spielzeug- und Modelleisenbahnen verschiedenster Spurweiten und Marken wie Märklin und Bing, mit allerlei Zubehörteilen aller Epochen: Bahnhöfe mit von Reisenden belebten Bahnsteigen, Brücken, Signalen, Stellwerken, Läutwerken und den verschiedensten, den Kindern von heute bereits unbekannten Zubehörteilen für den Personen- und Güterverkehr.
Der Verkehr zu Land, zu Wasser und in der Luft wird ebenfalls dokumentiert von aufziehbaren Autos, von der Autokutsche über die Märklin-Baukastenautos zu den Schuco-Modellen, Passagier- und Kriegsschiffe, Fischkutter und Flußdampfer, Fischer mit Propellern und Tauchern, der Lehmann'schen Serie lithographierter Autos, Schuco-Modelle und aufziehbarer Zeppelinen und Flugzeugen.
Eine der ältesten deutschen Puppenküchen – vor 1830 - die mit den verschiedensten Geräten und Geschirr aus Holz, Gusseisen und gepunztem Zinn eingerichtet ist.
BARBIE ist 50 und sie wird vorgestellt durch legendäre „Serie 1“- und „Serie 2“-Modelle und die erste komplette klassische Serie von 21 Outfits aus dem Jahr 1959 auf den "Buttermilch"-farbenen Körpern der blonden oder schwarzhaarigen Barbiepuppen „PONYTAIL Nr. 3“.
Roboter von 1945 bis 1980: Das ist das nächste große Thema des Spielzeugmuseums.
Diese und viele andere Kostbarkeiten aus Kinderzeiten können täglich von 10 bis 17:30 (außer am Hl. Abend und Faschingsdienstag) besichtigt werden.
Kinder (bis 15) zahlen € 1 Eintritt, Erwachsene € 3 und die Familienkarte (Eltern mit Kindern bis 15 Jahren) € 6. Gruppenkarten (ab 10 Personen) kosten pro Person € 2.
Im Kassenraum gibt es auch einen gut sortierten Museumsshop mit Spielzeugreplikas, Nachdrucken alter Kinderbücher, Fachliteratur und Postkarten sowie Plakaten, die nur hier zu erhalten sind.













