(openPR) Innovation beim Autotransporter
Immer schwerere Pkw- und Lieferwagenmodelle bereiten den Autotransporteuren Gewichts- und Platzprobleme. Der Österreicher Hermann Schneebichler schafft mit einem innovativen Fahrzeugkonzept Abhilfe.
Innovation beim Autotransporter
Neben dem Fordhändler Bemo in Warschau steht ein Autotransporter, ein Scania R 420 mit normal hohem Dach und Spoiler. Wertvoller Platz über der Kabine scheint verschenkt. Dennoch stehen hinter dem Lkw mit Tandemanhänger acht Fiestas. Fahrer Józef Grochowalski: "In der Nähe muss ich noch einen neunten Fiesta übernehmen, problemlos." Dabei schien es, schon acht Fiestas passten nur knapp. Grochowalski strahlt: "Ich lade sieben Volvo 80. Das schafft kein anderer Autotransporter, zusätzlich passt noch ein kleiner Pkw drauf, ohne zu überladen. Ich bin in Deutschland und Frankreich kontrolliert worden, ohne Beanstandung."
Kooperation mit TU Graz
Grochowalskis Lastzug ist die Neuentwicklung des Österreichers Herrmann Schneebichler, einem in der Branche seit Jahrzehnten bekannten Fachmann, der viele Jahre bei einem namhaften Hersteller tätig war. Der "Straßengüterverkehr" hat ihn und seinen Sohn Michael in deren erst Anfang Juni bezogenen Fertigungshalle nahe Bialystok besucht. Ein zur Auslieferung nach Belgien bereiter Zug stand vor Ort ein Ausflug nach Warschau gab Gelegenheit, die Beladung eines schon seit eineinhalb Jahren eingesetzten Schneebichler-Fahrzeugs zu verfolgen.
Schneebichler kam vor fünf Jahren mit einem europaweiten Ersatzteilvertrieb für Autotransporter auf den polnischen Markt und hat beste Verbindungen zur Branche aufgebaut. Dank seiner Erfahrung mit Kunden für Autotransporter und Ersatzteile hat Schneebichler die Schwachstellen aller Fabrikate kennen gelernt. Der Gedanke lag nah, ein Fahrzeug unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse zu entwickeln. Statt sofort Pläne für einen Prototypen zu machen, fuhren Vater und Sohn mit Ingenieuren der TU Graz Versuche mit einem herkömmlichen Autotransporter. Sie ermittelten, welche Kräfte auf die verschiedenen Komponenten von Aufbau und Anhänger wirken. Die Wissenschaftler erarbeiteten eine Studie, auf deren Grundlage Schneebichler einen Prototyp entwickelte. Mit diesem fuhren Kunden ein Jahr lang Versuchstouren, um in der Alltagspraxis auftauchende Schwächen zu entdecken. Danach erst folgte der Bau einer Nullserie von vier Lastzügen.
Für den Bau der Fahrzeuge wurden die Verbindungen der in Polen schon bestehenden Handelsfirma Schneebichler SP. genutzt. Muttergesellschaft ist die Schneebichler Fahrzeugbau GmbH in A-4893 Zell am Moos. Inzwischen haben die Schneebichlers bei Bialystok eine Kleinserienfertigung des "Leonard" getauften Fahrzeugs Leonardo war bereits geschützt - aufgenommen.
Keine Gewichtsprobleme
Schneebichler hat Schwächen üblicher Konstruktionen, die Überladung von Vorderachse und ganzem Gespann, vermieden. Auch die Gesamthöhe hat er im Griff. Und sein "Leonard(o)" fährt je nach Wunsch ohne Lademeterverlust mit großem Fahrerhaus. Statt Serientanks muss er allerdings abgeschrägte Spezialtanks verwenden. Die Innovation des Österreichers: Er kröpft den Rahmen zwischen Fahrerhaus und Hinterachse und gewinnt 30 Zentimeter Ladehöhe. Das haben schon andere versucht, aber mit Problemen wie Rissen zu kämpfen. Beim Leonard(o) ist der Rahmen mit Verstärkungen verschraubt, hinten dienen diese zugleich als Achsträger. Der Lkw hat einen Radstand von 6.550 Millimetern, üblich sind 5.500. Der wenn montierte - Fahrerhausüberhang, wird nur bei zehn Klein-Pkw benutzt. Die geschützte Konstruktion kostet ganze 70 Kilogramm Nutzlast, die an anderer Stelle, beispielsweise mit eigenen Aluminiumlochblechen, ausgeglichen werden. Die Lastverteilung auf dem Zug verhindert die gefürchtete Vorderachsüberladung, die auch eine leichte Vorlaufachse nicht ganz aufhebt, sowie Traktionsprobleme bringt. Der Fahrzeugbauer stieß beim Marktführer auf Vorbehalte, in München dagegen sofort auf Interesse und wurde mit Spezialfahrzeugbauer Toni Maurer zusammen gebracht. Dieser trug unter anderem zwei Dreiecksträger im Lkw-Rahmen zu dessen Stabilisierung bei.
Fahrstabilität ist Trumpf
Schneebichler fordert Fahrstabilität. So hat der Tandemanhänger ein starkes Fahrwerkelement, an dem Säulen und Hubarm verschraubt sind, und einen stabilen Außenrahmen. Das ermöglicht am Heck die einmalige Durchfahrhöhe bis 2,4 Meter. Zusätzlich hat der Leonard(o) eine langen hinteren Ausschub (1.800 mm). Jede Hubsäule hat einen eigenen Hydraulikantrieb für die Fahrzeugbühnen, üblich ist nur einer mit Winkelgetrieben je Säulenpaar. Für den Gleichlauf sorgt eine stabile, überall erhältliche Standardkette. Der Vorteil ist eine geringere Anfälligkeit. Bei einem Ausfall treibt die eine Pumpe die defekte über die Kette an. Eine Funkfernbedienung ermöglicht dem Fahrer von einem Pkw aus oder entfernt vom Lkw die Ladebrücken zu steuern. Schneebichler: "Wir verwenden ausschließlich erstklassige, überall verfügbare Bauteile wie BPW-Achsen oder Wabco- oder Knorr-Bremsanlagen.
Wichtig war ihm, die durchschnittlichen Instandhaltungskosten eines Autotransporters von etwa 9.000,- Euro im Großfuhrpark zu senken, ja halbieren. So nutzt er zum Beispiel an der Spindel zwei Führungsmuttern, eine in der Mitte, die zweite, unbelastete unten. Ist die obere verschlissen, übernimmt die untere. Das vermeidet Standzeiten und im Pannenfall aufwendiges Umladen.
Das Ergebnis überzeugt. Er bietet trotz großer Kabine Laderaum für ein bis zwei Pkw mehr als der Wettbewerb. Der etwa 7.200 Kilogramm schwere Leonerd(o) wiegt samt 3.500 Kilogramm schwerem Aufbau 10.700 Kilogramm. Bei vier Mittelklasse-Pkw von 1.500 Kilogramm bleibt für den 18-Tonner eine Nutzlastreserve von 1.300 Kilogramm. Der Anhänger ist einschließlich einer Tonne Stützlast auf 19 Tonnen ausgelegt. Bei 8.200 Kilogramm Leergewicht und fünf Mittelklasse-Pkw mit insgesamt 7.500 Kilogramm bleiben 3.300 Kilogramm Nutzlastreserve. Dies, der gekröpfte Rahmen und die große Durchfahrhöhe ermöglichen eine problemlose Beladung mit hohen Transportern oder schweren Allrad-Pkw.
Für die Qualität der Innovation spricht, dass Schneebichlers Konzept vom Österreichischen Förderungsfond unterstützt wird. Auf der IAA steht Schneebichlers Leonard(o) im Freigelände Süd E 62).











