(openPR) Operette erhält neuen Stellenwert in Rumänien (von Dieter Topp)
In Bukarest hat sich das Operettentheater etwas Neues einfallen lassen, um der „alten Mutter“ Operette wieder auf die Beine zu helfen. „Das Leben ist schön“, heißt das Motte des 1. Operettenfestivals, und damit wird deutlich, wohin die Veranstalter den Blick gerichtet haben. Alles zielt auf den Film von Roberto Begnini ab.
Während der 14tägigen Reihe geht es mal heiter mal ernst zu. Die Bühnenrealität in Bezug auf Stellenwert von Operette heute, Publikumsattraktivität, Finanzierung, kurz Überlebenschancen stehen dem bunten Musik-Geschehen unterschiedlicher Produktionen aus Rumänien, Ungarn, Russland, Österreich, Ukraine, Tschechien gegenüber.
Der Zigeunerbaron von Strauss, Offenbachs Orpheus in der Unterwelt, Silvia und die Zirkusprinzessin von Kalman markieren die Höhepunkte, umgeben von verschiedenen Galaveranstaltungen, instrumentale und stimmsolistische Abende, die beweisen, was die Kunst der Operette zu bieten hat. Ballett-Präsentationen mit internationalen Solisten aus Deutschland, Schweiz, Brasilien, Japan, Russland, Italien und Rumänien werden den akustischen Genuss optisch erweitern.
Doch damit nicht genug, Ausstellungen rund um das Operettengeschehen, Symposien zum Thema Musical-Operette und Formen der Darstellung im heutigen europäischen Musical, Buchveröffentlichungen, Round-table Gespräche um Tanz und Darstellende Kunst werden im Operettenhaus und teilweise im attraktiven Palast des Enescu-Museums abgehalten.
Die Veranstaltungsreihe in Bukarest endet mit der Filmpräsentation „Das Leben ist schön“ von Roberto Begnini, die bezeichnenderweise den Titel des 1.Operetten-Festvals hergibt:
„Diese Tragikomödie aus Zweiten Weltkrieg besteht aus zwei Handlungsabschnitten zwischen dem jüdische Guido und seiner geliebten Prinzessin Dora und der Deportation mit dem gemeinsamen Sohnes Giosué in ein NS-Konzentrationslager. Um seinen Sohn zu beschützen, versucht er alles mögliche, um seinem Sohn den Aufenthalt im Lager so angenehm wie möglich zu gestalten und die Fassade aufrecht zu erhalten. Bei Kriegsende wird Guido erschossen und Giosué, immer noch nichtsahnend, im verlassenen Lager von einem amerikanischen Panzerfahrer aufgelesen und findet seine Mutter wieder.“
Hier wird ein ganz anderer, tragischer Standpunkt der Unterhaltung offenbar und beweist, das Operette mehr ist als banales Vergnügen.
Durch die Beteiligung internationaler Gruppen kann sich ein solches Festival zu einem echten kultur-touristischen Renner für Bukarest entwickeln. Hier wird die „alte Dame“ Operette zu neuem Leben erweck, ernst genommen und in Verbindung mit ihren „Enkeln“ aus dem Bereich des Musicals gesehen. Im Westen hat das europäische Musical bereits seinen Zenit überschritten, die Operette wird wiederentdeckt, vielleicht eine gute Chance für einen ost-west Austausch auf hoher professioneller Ebene.













