(openPR) Deutscher Bauernverband stellt Konjunkturbarometer Agrar vor
Während die gewerbliche Wirtschaft zumindest verhalten optimistisch in die Zukunft blickt, sieht die Mehrheit der Landwirte, insbesondere die Milchvieh- und Rinderhalter, für ihre wirtschaftliche Entwicklung schwarz. Dies ist das Ergebnis des aktuellen Konjunktur- und Investitionsbarometers Agrar des Deutschen Bauernverbandes (DBV), der sich auf Befragungsdaten von März/April 2004 gründet. Der Index des Konjunktur- und Investitionsbarometers Agrar gibt Auskunft über die aktuelle wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft und ihre Zukunftserwartungen. Aktuell liegt der Index bei 50 und hat sich damit im Vergleich zum Referenzzeitpunkt Juni 2000 (= 100) drastisch verschlechtert. Im März 2003 lag der Index bei 54.
Insgesamt bewerten die Landwirte ihre aktuelle wirtschaftliche Situation weiterhin kritisch. Auf einer Skala von 1 (=sehr gut) bis 5 (= sehr ungünstig) vergaben sie die Note 3,48 und damit nur eine geringfügig positivere Einschätzung als im Dezember 2003 mit 3,50. Insbesondere Schweine- und Geflügelhalter schätzen ihre Lage negativ ein: 58 Prozent bezeichnen sie als ungünstig, nur 5 Prozent als gut. Demgegenüber zeigen sich Betriebe mit Schwerpunkt Ackerbau vergleichsweise zufrieden. 14 Prozent halten ihre Lage für gut, 45 Prozent für befriedigend und 42 Prozent für ungünstig. Milchvieh- und Rinderhalter bezeichnen zu 10 Prozent ihre Lage als gut, zu 48 Prozent als ungünstig. Auch zwischen den Regionen fällt die Bewertung unterschiedlich aus. So ist in Norddeutschland die Stimmung mit 3,54 deutlich schlechter als in Süddeutschland mit 3,45 und Ostdeutschland mit 3,42.
Wenig ermutigend sind die Zukunftserwartungen der Landwirte. Befragt nach der erwarteten wirtschaftlichen Lage in den nächsten 2 bis 3 Jahren gaben 56 Prozent an, mit einer schlechteren oder sehr viel schlechteren Situation zu rechnen, 35 Prozent erwarten eine gleich bleibende Situation und 9 Prozent eine Besserung. Große Unterschiede sind zwischen den verschiedenen Betriebsformen zu verzeichnen. Unter den Schweine- und Geflügelhaltern erwarten 25 Prozent eine Verbesserung, 42 Prozent eine unveränderte und 33 Prozent eine verschlechterte Situation. Diese relative optimistische Einschätzung muss allerdings vor dem Hintergrund der derzeit extrem schlechten Lage der Veredlungsbetriebe betrachtet werden. Weitaus pessimistischer sehen die Ackerbauern in die Zukunft. 9 Prozent erwarten eine günstigere, 37 Prozent eine gleich bleibende und 54 Prozent eine schlechtere wirtschaftliche Situation im Vergleich zur aktuellen Lage. Verheerend sind die Zukunftserwartungen der Milchvieh- und Rinderhalter. Hier rechnen 72 Prozent mit einer Verschlechterung. Nur 2 Prozent erwarten eine positivere Entwicklung.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden durch die Milchpreisentwicklung, die nationale Steuer- und Finanzpolitik, die EU-Politik und die Wettbewerbsverhältnisse in der EU negativ beeinflusst. Im Vergleich zur letzten Befragung im Dezember 2003 schätzten die Befragten die Milchpreisentwicklung und die Preisentwicklung für zugekaufte Futtermittel belastender ein. Der negative Einfluss der Schweinepreis- und Rindfleischpreisentwicklung hat dagegen abgenommen. Positive Einflussfaktoren sind die Zinsen für Fremdkapital sowie die Ernteerwartungen für Getreide und Raps.
Die kritische Lage- und Zukunftseinschätzung schlägt sich auch im Investitionsverhalten der Landwirte nieder. So planen nur 49 Prozent der befragten Landwirte für die kommenden 6 Monate Investitionen, während es zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres noch 59 Prozent waren. 19 Prozent der Betriebsleiter wollen in Maschinen und Geräte investieren (März 2003: 25 Prozent), 18 Prozent in Wirtschaftsgebäude (März 2003: 25 Prozent), 10 Prozent in Hoftechnik (März 2003: 9 Prozent) und 5 Prozent in Bürotechnik und EDV (März 2003: 10 Prozent). Außerlandwirtschaftliche Investitionen planten 10 Prozent der Landwirte (März 2003: 12 Prozent).
Eine Zusatzfrage der jüngsten Erhebung befasste sich mit der EU-Agrarreform. Die Befragten gaben mehrheitlich an, sich gut (32 Prozent) oder ausreichend (44 Prozent) über die aktuelle Agrarreform informiert zu fühlen. 25 Prozent fühlen sich nicht ausreichend informiert. Beim regionalen Vergleich stellte sich heraus, dass sich Landwirte im Osten besser informiert fühlen (43 Prozent gut, 38 Prozent ausreichend, 18 Prozent nicht ausreichend) als Landwirte im Süden oder Norden Deutschlands (25 Prozent gut, 9 Prozent ausreichend, 26 Prozent nicht ausreichend).
Der Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar wird in vierteljährlichem Rhythmus im Auftrag des DBV, der Landwirtschaftlichen Rentenbank, der Andreas-Hermes-Akademie, des VDMA Fachverband Landtechnik und des Bundesverbandes Lohnunternehmen vom Marktforschungsinstitut Produkt + Markt ermittelt. Im März/April 2004 wurden dazu 693 Landwirte und 139 Lohnunternehmer befragt.









