(openPR) Finanzexperten warnen vor zu viel Panik und bleiben optimistisch
Wie schätzen Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Praxis die aktuelle Finanzlage und das Rettungspaket der Bundesregierung ein? Jürgen Tschirner, Vorstand und Gründer der Literatur-Service-Leipzig AG (LSL AG), fordert den ehemaligen Wirtschaftsweisen Prof. Dr. Rüdiger Pohl und Dr. Michael Bräuninger vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) zur Stellungnahme bei Fragen zur Finanzkrise auf.
„Die aktuelle Wirtschaftskrise ist historisch einmalig“, stimmen Prof. Dr. Pohl, Dr. Bräuninger und Unternehmer Tschirner überein. „Noch nie wurden hunderte Milliarden zur Stützung des Finanzsystems aufgewendet“, stellen sie die Einmaligkeit der weltweiten Reaktionen der Staaten heraus. Dr. Michael Bräuninger bewertet das Rettungspaket der Bundesregierung positiv: „Das Krisenmanagement kam genau zur richtigen Zeit und wird hoffentlich das Schlimmste verhindern.“ Prof. Dr. Pohl bezweifelt, dass dadurch neue Krisen abgewehrt werden können: „Die Regulierungen stopfen jetzt die Löcher, durch die gestern das Wasser in die Finanzmärkte gedrungen ist. Geringe oder beherrschbare Risiken an den Finanzmärkten sind eine Utopie – das Wasser wird morgen durch neue Löcher kommen.“
„An den aktuellen Diskussionen, in denen die Rede davon ist, dass die Kosten zu Lasten des Steuerzahlers gehen und die USA an allem schuld sein soll, zeigt sich, wie viel Unwissen zu diesem Thema im Umlauf ist“, bemerkt der LSL AG-Vorstand. „Stimmt – diese Sicht ist einseitig“, kommentiert Prof. Dr. Pohl, „denn was ist die Alternative? Ein weltweiter Zusammenbruch der Finanzmärkte wäre für alle erheblich schwerer zu verdauen. Ebenso falsch ist es, den USA die Büßerrolle zuzuschieben. Denn an dieser Krise wird deutlich, wie vernetzt die Märkte miteinander sind – eine ‚Insel der Glückseelingen‘ gibt es hier nicht“, so Pohl weiter.
Die Experten warnen vor einer unnötigen Panik. Davon zu sprechen, dass eine Finanzkrise wie vor knapp 80 Jahren bevor steht, sei übertrieben: „Alle Aussagen zum Ende der Krise sind spekulativ – aber ich denke, dass wir sie schnell durchschreiten können“, hofft Dr. Michael Bräuninger. „In zwei bis vier Jahren wird wohl wieder Normalität an den Finanzmärkten herrschen. Zurück bleibt der Schreck und die ‚Opfer‘, die so eine Krise leider mit sich bringen“, fasst Prof. Dr. Rüdiger Pohl zusammen. Um genau diese Zahl zukünftig so klein wie möglich zu halten, empfielt Jürgen Tschirner: „Jedes Unternehmen sollte sich durch eine hohe Eigenkapitalquote vor Kreditklemmen schützen. Außerdem sichert eine marktorientierte Angebotspalette, hervorragende Qualität der Produkte und ein guter Service das Überleben in unsicheren Zeiten. Denn allen staatlichen Maßnahmen zum Trotz ist jeder Unternehmer für den Erhalt seiner Firma mitverantwortlich.“
Das komplette Gespräch der Experten erhalten interessierte Journalisten auf Nachfrage.
Interviewpartner
Prof. Dr. Dr. h.c. Rüdiger Pohl
Rüdiger Pohl ist seit 1993 Professor für Volkswirtschaftslehre an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Lehrgebiet: Geld und Währung). Er war von 1986 bis 1994 Mitglied im Sachverständigenrat zur Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (sogenannte „Wirtschaftsweise“). Im Zeitraum von 1994 bis 2004 leitete er als Präsident das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle.
PD Dr. Michael Bräuninger
Sein Studium in Volkswirtschaftlehre absolvierte Michael Bräuninger von 1982 bis 1988 an den Universitäten in Münster, Edinburgh und Hamburg. Seit 1997 ist er Privatdozent an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. Nachdem er über ein Jahr im hamburgischem WeltWirtschafts-Archiv tätig war, leitet er seit 2006 im dort ansässigen WeltWirtschaftsInstitut den Kompetenzbereich „Wirtschaftliche Trends“.
Jürgen Tschirner
Der Unternehmer gründete 1991 die Literatur-Service-Leipzig GmbH, die im Jahr 2000 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Seitdem übernimmt der Gründer der LSL AG auch dessen Vorstand.









