(openPR) Studie ermittelt mindestens 68 Lebensmittel mit GV-Kennzeichnung in ausgewählten europäischen Ländern. Drei Produkte mit GV-Kennzeichnung sind in Großbritannien im Handel. Gegebene Verbraucheraussagen stehen im Konflikt zum tatsächlichen Verhalten.
14. Oktober 2008 - Die heute veröffentlichte Studie (1) mit dem Titel „Consumer Choice: Kaufen Europäer gentechnisch veränderte Lebensmittel?“ untersuchte inwieweit Verbraucher Produkte mit GV-Kennzeichnung kaufen, wenn sie ihnen in einem normalen Verkaufsumfeld wie z.B. im Supermarkt oder im Lebensmittelladen angeboten werden.
Im September trat die EU-Verordnung 1829/2003 über die Kennzeichnung gentechnisch veränderter (GV) Inhaltsstoffe in Lebensmitteln in Kraft. Derzeit sind mindestens 68 Pro¬dukte, welche gentechnisch veränderte Inhaltsstoffe ausweisen, in Europa erhältlich, drei davon in Großbritannien.
Obschon die Anzahl und Angebote derartiger Produkte begrenzt ist, zeigt die Studie, dass diese Produkte sofern sie zum Verkauf angeboten werden, auch vom Verbraucher gekauft werden. Die Forscher ermittelten weiterhin, dass einige der Käufer dieser GV-gekenn-zeichneten Produkte möglicherweise nicht wussten, was sie kauften, während andere dachten, sie würden GV Lebensmittel kaufen, auch wenn dem nicht so war. Der Bericht zeigt, dass mindestens im Bezug auf GV-Lebensmittel, das was Verbraucher sagen, nicht mit dem übereinstimmen muss, was sie dann tatsächlich tun, wenn sie im Supermarkt ihrem normalen Einkaufsverhalten folgen.
Im Laufe des letzten Jahrzehnts hat es unzählige Meinungsumfragen gegeben, die abfrag¬ten, welches Verhalten der Verbraucher seiner eigenen Meinung nach an den Tag legen würde, wenn er die Gelegenheit hätte, Produkte mit gentechnisch veränderten Zutaten zu kaufen. Im Gegensatz dazu untersuchte diese aktuelle, 2 Jahre andauernde Studie wie Verbraucher in Tschechien, Estland, Griechenland, Deutschland, den Niederlanden, Polen, Slowenien, Schweden und in Großbritannien tatsächlich agieren.
Die meisten der im Verkauf befindlichen Produkte mit GV-Kennzeichnung sind Speiseöle und Margarinen, weitere Produkte sind Popcorn, „fish-fingers“, Chips, Cracker, Mayonnaise und Schokoriegel.
Drei Produkte mit GV-Kennzeichnung waren in Großbritannien in mindestens drei großen Supermarktketten und in einer Anzahl kleinerer Lebensmittelläden und Cash-Carry-Märkten erhältlich. Bei allen handelte es sich um Speiseöle zum Kochen aus gentechnisch verändertem Soja, die im Verkauf häufig in großen Behältern im Segment „Asia Foods“ erhältlich waren.
Gemäß der gesetzlichen Forderung erscheinen GV-Kennzeichnungen auf der Rückseite der Lebensmittelverpackung bei der Auflistung der Zutaten. Typische Angaben sind „enthält gentechnisch veränderte Zutaten“ oder „hergestellt aus gentechnisch modifizierten Sojabohnen“. Gentechnisch verändertes Sojaöl enthält kein detektierbares transgenetisches Material. Es muss aber, da es aus einer gentechnisch veränderten Quelle stammt, als solches gekennzeichnet werden.
Die Verwendung des „ohne Gentechnik“-Labels ist besonders gebräuchlich in Deutschland, Polen und Schweden. In den Niederlanden ist sie verboten. In Großbritannien erscheint dieses Label besonders oft auf Verpackungen von Sojamilch. Weitere mehrdeutige Kenn-zeichnungen existieren, wie z.B. „enthält keine gentechnisch veränderten Rohstoffe“. Die Studie ermittelte quer durch die EU insgesamt 185 Artikel verschiedener Produktgrößen, die auf diese Weise gekennzeichnet sind, davon in erster Linie solche, die aus Sojabohnen hergestellt werden.
Am meisten gentechnisch veränderte Lebensmittel waren laut der Studie in Tschechien (27 Produkte) erhältlich, gefolgt von den Niederlanden (18 Produkte), Estland (13), Spanien (6), Großbritannien (3) und Polen (1). In Deutschland wurden nur vereinzelt Produkte in asiatischen Läden für eine sehr begrenzte asiatische Käuferschaft gefunden. In den großen Supermarktketten sind in Deutschland, Schweden, Griechenland und Slowenien keine Produkte mit gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen im Verkauf, allerdings können Ver-braucher in Schweden Bier aus gentechnisch veränderten Rohstoffen in einem Restaurant bestellen.
Eine Analyse des tatsächlichen Verhaltens im Vergleich zum selbst genannten Einkaufsver-haltens von insgesamt 41.000 Verbrauchern wurde im Januar 2008 in fünf EU-Märkten ermittelt. Die Analyse zeigte, dass GV-gekennzeichnete Lebensmittel in den lokalen Märkten mit einem Anteil von 13,7% bzw. 11% in der Tschechischen Republik bzw. den Niederlanden und einem Anteil von 2,7% bzw. 2,0% in Polen bzw. Spanien gekauft wurden. Der Markt-Anteil ist der Prozentsatz eines großen, repräsentativen Panels, der ein GV-gekenn¬zeichnetes Produkt mindestens einmal in den letzten zwölf Monaten gekauft hat.
Von den EU Verbrauchern, die in den letzten zwölf Monaten GV-gekennzeichnete Produkte gekauft haben, hat die Hälfte dies nicht gewusst. 20% dachten sie haben GV gekauft und 30% hatten keine Ahnung davon. Dies zeigt, dass einige Verbraucher die Zutatenliste nicht lesen oder tatsächlich sich nicht darum kümmern, ob sie GV-gekennzeichnete Produkte kauften.
Über 75% der Befragten gaben an, dass sie den Einsatz der Gentechnik nicht für wünschenswert erachten. Diese Zahl variiert nicht zwischen Käufern und Nicht-Käufern von GV-gekennzeichneten Produkten. Aus dieser Zahl könnte eine gewisse Wachsamkeit bei den Verbrauchern abgelesen werden. Obwohl dreiviertel der Verbraucher in der Studie angaben, zu wissen, dass Produkte, die GV enthalten, nach dem Gesetz gekennzeichnet werden müssen, gaben weniger als 40% an, dass sie wissen wie ein GV-Produkt von einem konventionellen Produkt unterschieden wird. Nur die Hälfte der Befragten in der Studie gab an, dass sie die Etiketten lesen würden bevor sie das Produkt kaufen würden. Dies lässt vermuten, dass Verbraucher nicht wirklich in der GV-Thematik interessiert oder hiervon beängstigt sind. Dies wird unterstützt von der Tatsache, dass nur einer von fünf Befragten angibt, aktiv den Kauf von GV-Produkten zu vermeiden.
„Was diese Studie zeigt, ist, dass egal was die Verbraucher in Meinungsumfragen sagen, die meisten nicht versuchen, GV-Artikel im Supermarkt aktiv zu vermeiden. Es deutet sich an, dass sie nicht besonders beunruhigt sind über das Gentechnik-Thema,“ sagt Professor Vivian Moses vom Kings College London, welcher das Projekt koordiniert hat. Andere Studien haben bestätigt, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel nicht besonders weit oben in der Liste beunruhigender Lebensmittel stehen.
„Während es nicht möglich gewesen ist, ausführliche Verkaufszahlen für die von uns ermittelten GV-gekennzeichneten Produkte zu erhalten, können wir zumindest sagen, dass diese Produkte weiterhin zum Kauf angeboten werden, trotz des Platzdrucks in den Regalen,“ sagte Professor Moses. „Einzelhändler meinen anscheinend, dass sich die Bevorratung lohnt. Die Verbraucher kaufen anscheinend in genügend großen Mengen kaufen“.
Zuzüglich zum Vergleich des erwarteten und tatsächlichen Verbraucherverhaltens, hat die Studie auch das politische und mediale Umfeld in den neun Ländern betrachtet und Veränderungen festgestellt. In Großbritannien z.B. waren zwischen Mai 2005 und April 2007 Medienberichte, die das Thema GV-Lebensmittel negativ darstellten, solchen die dem Thema geneigt waren, um ca. 2:1 überlegen. Seitdem hat sich der Trend völlig umgekehrt. Diese Entwicklungen in den Medien passte zu einer Trendwende in der politischen Betrachtung durch Regierungsminister und wissenschaftliche Berater, welche ausdrücklich die Gentechnik-Forschung befürworteten.
Diese Schwingungen in Medien und Politik waren in Großbritannien und Tschechien am prominentesten, aber es gab auch Tendenzen hin zu einer neutraleren Betrachtung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln in Estland, den Niederlanden und Polen.
In sieben Ländern trafen sich Fokusgruppen, um das gegenwärtige Verbraucherempfinden hinsichtlich GV-Lebensmittel exakt zu verstehen. Diese Diskussionen lassen darauf schließen, dass das Gentechnik-Thema kein so ganz heißes Thema mehr für die Verbraucher ist. Während das Kennzeichnen von GV-Lebensmittel von den Teilnehmern gefordert wurde, sagten nur wenige, dass sie beim Einkauf tatsächlich auf die Etiketten schauen.
Der komplette Bericht kann unter www.kcl.ac.uk/consumerchoice heruntergeladen werden.










