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Natasha Atlas im Gespräch

08.10.200819:19 UhrKunst & Kultur
Bild: Natasha Atlas im Gespräch
Natasha Atlas
Natasha Atlas "Ana Hina"

(openPR) Die Königin der Weltmusik Natasha Atlas lässt ihre Fans mit ihrem Album „Mashmaoul“ und „Ana Hina“ in das musikalische Herz der arabischen Welt blicken und bedient sich der mystischen Sprache um über Liebe, Kampf und Gemeinschaft zu singen. Sie ist nicht nur Pionier des modernen Chaabi, sondern meistert mit ihrer Gruppe Transglobal Underground die Verschmelzung der westlichen mit der fernöstlichen Welt. Anlässlich eines ihrer seltenen Konzerte in Deutschland steht die eher zurückhaltende Künstlerin Rede und Antwort zu der aktuellen Lage im Nahen Osten und erklärt das Bild der arabischen Frau.


Du bist eine Exotin wie sie im Buche steht. Man hört von marokkanischen, palästinensischen und ägyptischem Blut, das durch Natasha Atlas Adern fließt.

Natasha: Größtenteils bin ich Ägypterin, aber wie viele Familien in Kairo oder Alexandria (das frühere Konstantinopel) gibt es viele gemischtrassige Familien, wie meine Urgrossmutter - die Palästinenser war, aber wie der Name Atlas schon sagt, kamen die meisten meiner Ahnen vor acht Generationen aus Marokko, sie sind dann viel im mittleren Osten rumgereist. Viele meiner Freunde in Kairo kommen aus Mischfamilien. Sie haben Grosseltern aus dem Libanon, Armenien, aus der Türkei oder sogar aus Griechenland - es ist gar nicht so ungewöhnlich aus Ägypten zu sein und gemischtrassige Vorfahren zu haben.

Fühlst du dich dann mehr marokkanisch ägyptisch oder eher europäisch?

Natasha: Genauso wie mein Percussionist und Cousin Ali, fühle ich mich durch unsere Musik und das, was wir im Alltag gemeinsam durchleben, mehr mit Ägypten verbunden. Wir leben in Europa, also fühlen wir uns als Europäer mit ägyptischer Seele. Meine Grosseltern sind Migranten, sie sind nach Belgien eingewandert. Meine Mutter ist Engländerin und mein Vater Ägypter, somit sehe ich weder wie das eine, noch das andere aus. Ich bin in Belgien geboren und habe dort bis zum meinem achten Lebensjahr gelebt. Ali ist in England geboren und wir sind gemeinsam in London aufgewachsen.

Dein Aussehen verrät deine Wurzeln dennoch stark. Wenn du durch die Straßen von England läufst, fühlst du dich als Ausländerin?

Natasha: Ich fühle mich schon wie eine Fremde, gerade in der heutigen Zeit, wenn der mittlere Osten offensichtlich von einer schlechten westlichen Politik angegriffen wird und aktueller weise von Israel. Obwohl man dazu sagen muss, dass die Mehrheit und auch ich die Meinung vertreten, dass Israel von Amerika gesteuert und ausgenutzt wird. Plötzlich fühlt man sich ausgestoßen, plötzlich kommen Gedanken und Gefühle zum Vorschein, die proletenhafte Leute in Europa haben, gerade von englischen Mitbürgern, die in der Welt nicht weit herumgekommen sind, bekommt man dies zu spüren.
Du fühlst dich anders behandelt, wenn du z.B. zum Flughafen Heathrow kommst und nicht so schnell zum Terminal durchgelassen wirst, weil du arabisch aussiehst.
Man muss die Terroristen nicht immer verstehen und dennoch sind es die Beweggründe die viele schweigend zuschauen lassen. Ich befürworte nicht den Terror, dennoch es ist banal und irgendwie nachvollziehbar. Sie wollen der westlichen Welt einen Geschmack davon geben, was sie in ihren Ländern täglich erleben, einem das selbe Gefühl geben, Angst zu haben vor dem Unbekannten, sie wollen uns zeigen, wie es ist, ohne Grund einfach mal so angegriffen zu werden.. Sie wollen der westlichen Welt einen Geschmack davon geben, was sie in ihren Ländern täglich erleben, einem das selbe Gefühl geben, Angst zu haben vor dem Unbekannten, sie wollen uns zeigen, wie es ist, ohne Grund einfach mal so angegriffen zu werden. Und während du dir diese Frage „Warum?“ stellst, stehst du plötzlich neben einem ungebildeten, nicht Welt offenen Engländer und hörst ihn Dinge sagen wie: „Guck dir diese abgefuckten Araber an! Die haben wieder einmal eine Bombe hochgehen lassen.“. Dann schaut er zu dir rüber mit einem abwerteten Lächeln - da hat man schon das Gefühl, dass man nicht Engländer ist, nicht zum Land gehört, obwohl deine Mutter Engländerin ist und du dort aufgewachsen bist.
Es gibt tatsächlich Momente, in den ich mich ausgegrenzt fühle. Aber es gibt auch andere Momente, in denen ich spüre, es gibt Menschen, die gegen die amerikanische oder die westliche Politik sind, die eine Solidarität mit dem mittleren Osten nicht nur spüren, sondern auch ausleben und wissen um die Missverständnisse dem Ausländer gegenüber. Es gab einen interessanten Bericht in einer israelischen Wirtschafszeitung. In diesem Bericht wurde Georg Bush beschuldigt, Irak ohne Grund angegriffen zu haben und den Iran für einen grundlosen Krieg ausgesucht zu haben. Es wurde sogar erwähnt, dass die amerikanische Politik sich mit der israelischen Regierung verschworen habe, den Libanon in wenigen Tagen zu zerstören und ihn somit um mindesten 40 Jahre zurückzuwerfen. Nach und nach, naiv wie sie ist die amerikanische Politik, wollen sie die westlichen Ideale dem arabischen Volk einbläuen, während sie das palästinensische Volk leiden lassen. Das erscheint mir sehr dumm - und ist auch eine schlechte Außenpolitik. Wenn man doch die Unterstützung der arabischen Welt haben möchte, sollte man als allererstes das palästinensische Problem aus der Welt schaffen und Palästina als Staat anerkennen und somit der arabischen Welt entgegenkommen. Ich meine, wie können sie denn so blöd sein? Ich bin keine Politikerin, aber du und ich, ach die ganze Welt sieht doch, dass das eine schlechte amerikanische Außenpolitik ist; es ist noch nicht einmal Politik es, ist einfach nur dumm!

Hinter vorgehaltener Hand wird nicht nur im arabischen Raum spekuliert, dass die Weltpolitik sich nicht um Palästina kümmert da es dort zu wenige Rohstoffe gibt.

Natasha: Dann erwarte ich aber auch keine demokratische arabische Welt und keine Unterstützung der arabischen Welt. Sie wollen eine arabische demokratische Welt, sie wollen in den Iran. Ich meine, der Libanon war eine demokratische Welt und sie haben sie zerstört. Was wollen sie denn? Sie sagen, wir wollen eine demokratische arabische Welt, wir brauchen die Unterstützung der arabischen Welt, aber wenn sie sie brauchen, diese Unterstützung, dann weißt du was du tun musst "motherfucker"!

Vor dem Irak, Afghanistan und dem Libanon Krieg hatte man das Gefühl, dass die arabische Community getrennt lebte, durch den Krieg ist sie jedoch enger zusammengeschweißt worden. Bekommst du dasselbe Gefühl in England?

Natasha: Ja, es ist genauso. Ganz besonders stark sieht man es bei den asiatischen, pakistanischen und indischen Moslems. Und das meine ich mit dummer amerikanischer Außenpolitik, sie haben mit ihrer Außenpolitik bewirkt, dass sich die arabische islamische Welt immer mehr von den demokratischen amerikanischen Idealen entfernt und diese Ideale für sie unbedeutend geworden sind. Es ist einfach nur b-e-d-e-u-t-u-n-g-s-l-o-s geworden!!!! Das ist glaube ich der Hauptpunkt, wir werden viel eher als ein arabisch islamisches Volk erscheinen, als dass man uns die demokratischen Ideale einbläut und die Araber sich nach dem westlichen amerikanischen Vorbild orientieren oder gar selbst demokratisieren. Und ich bin noch nicht mal sicher, dass das Ergebnis so gut ist. Denn wenn man anfängt, die Menschen aufzuteilen, dann hat man viel mehr Probleme.

Du vermittelst ein ganz anders Bild, das man von der islamischen Gesellschaft hat, gerade das Bild der islamischen Frau.

Natasha: So sehe ich das auch. Ich sehe es gerade heute als wichtiger denn je das zu tun, was ich tue. Ich gehe im Herbst sogar nach Amerika auf Tournee, da ich anlässlich der World Music Tour eingeladen wurde. Ich werde klassische libanesische Lieder singen, Abdelhalim Hafez Songs und ich habe auch viel zu sagen, wenn ich dort bin. Es gibt mir die Möglichkeit, Gutes zu tun während ich meine Kunst ausübe gerade als Frau.

Wann hast du mit der Musik angefangen?

Natasha: Ziemlich spät, ich war 19 Jahre alt. Meine Eltern waren überrascht und geteilt in ihrer Begeisterung, was meinen Berufswunsch anging. Meine Mutter fragte mich immer „Wann übst du mal einen ernsthaften Beruf aus?“, aber sonst hat sie es gut aufgenommen. Mein Vater war zurückhaltend, aber das, was er wirklich und grundsätzlich zu mir sagte, war, dass man mit dem, was man in seinem Leben tut, glücklich wird. Wenn du mit 70% mit dem was du tust glücklich bist, dann hast du das erreicht, was Gott für dich will. Weil ich glaube, dass Gott will, dass wir glücklich sind.


Auf dem Cover deines neuesten Albums "Mashmaoul" - (arab. Falsch) trägst du eine Art Burqua - nicht die klassische islamische Ganzkörperverhüllung die wir kennen, sondern eher eine moderne Form. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Natasha: Es ist aus dem ägyptischen Stil der 20er Jahre. Wir haben dieses Foto vor einigen Jahren geschossen und es ist ein beklemmendes komisches Gefühl das ich gerade jetzt auf etwas aufmerksam mache - der Fotograf Jussuf Nabili hat es geschossen, er ist ein ägyptischer Fotograf der seine schwarzweiß Fotografien künstlerisch mit Ölfarben bearbeitet. Dieses Foto ist sehr kontrovers. Er fotografiert für einen arabischen Fotokünstler zu kontrovers, besonders gerne schießt er Bilder vom modernen Mann – er ist ein Künstler, der sich der Aktfotografie festgeschrieben hat und der moderne Mann gehört dazu. Er mag die Form des Torsos und das ist leider in Ägypten sehr umstritten. Dort wird seine Kunst nicht verstanden und deshalb lebt und arbeite er nun in Amerika. Das Burqua Bild zeigt das Spiel der orientalischen Sexualität - es gibt Unterschiede darin, wie sich Männer und Frauen in der arabischen Welt zeigen - es ist ein kleines Spiel das sie entwickelt haben, wie sie sich zeigen können, wie sich sexuelle zeigen können. Unter anderem auch durch diese Symbolik.


Du hast mit vielen Künstlern gearbeitet. An welche erinnerst du dich besonders?

Natasha: Die Tour mit Jimmy Page und Jonathan Plant fällt mir da spontan ein. Page und Plant reisten als sie zwanzig waren durch Marokko und haben sich in die arabische und besonders in die mystische Gnawoua Musik verliebt und haben meine Gruppe Transglobal Underground gefragt, ob wir sie unterstützen. Eine große Ehre war auch die Zusammenarbeit mit Jean Michael Jarre. Es war das erste Mal, dass ich in Ägypten gespielt habe und dass dann gleich vor 60 Tausend Leuten - das war ein einzigartiges Gefühl, es war magisch.

Was unterscheidet dich von anderen orientalischen Künstlerinnen?

Natasha: Wenn du ein Tänzer bist, bist du ein Tänzer. Wenn du ein Sänger bist, bist du ein Sänger. Damals gab es noch nicht solche Auftritte wie sie heute sind. Einer der bekanntesten ägyptischen Chaabi Musiker, Hakim, hat gesagt, dass ich, Natasha Atlas, die erste orientalische Sängerin bin, die diese beiden Elemente in ihren Auftritten vereint hat. Er sagte, ich sei die Pionierin dieser Art - noch vor den neuen arabischen Popstars Hayfa, Nancy Agram und Elissa. Das hat er wirklich über mich gesagt, was wirklich schön war! Wenn ich auftrete, dann tanze ich ein wenig, aber auch nicht zu viel, da die Zuschauer, die die arabische Musik lieben, das noch nicht akzeptieren konnten. Jetzt dehnen sich die Ideen aus - es passiert etwas, was zuvor unvorstellbar gewesen wäre.


In den neuen Videos der arabischen Sender wird unheimlich viel Sexappeal und viel Haut gezeigt. Wie passt das zum Bild der arabischen Künstlerin und der islamischen Frau?

Natasha: Es ist ein komisches Phänomen. Du schaltest den Fernseher ein und denkst dir o.k. ich kenne Nancy und Haifa, aber wer ist das alles? Lauter Copy Cats, lauter Britney Spears der arabischen Welt und das komische an der Sache ist, dass es die Mainstream Gesellschaft der Araber gar nicht reflektiert. Es gibt nur eine kleine Prozentzahl von Frauen, die sich so zeigen können, denen es erlaubt ist in Clubs zu gehen. Sie kommen meistens von reichen Familien, die meistens einen Elternteil arabischer und einen Teil europäischer Herkunft haben. Sie gehen auf europäische Schulen, sie haben die Freiheit sich so freizügig zu zeigen. Aber die meisten Frauen und Männer in den arabischen Ländern dürfen es nicht. Das hat sich im mittleren Osten stark verändert - das bringt die Frauen dazu zu sagen, jetzt ziehe ich das zugeschnürte Oberteil aus, ich will sehen, was dann passiert. Ich denke, dass außer der religiösen Pflicht, diese Frauen sich entschließen sich zu verhüllen, den Hijab zu tragen, weil sie sich vor diesem Extrem distanzieren wollen. Sie bekommen mit, wie es um den Ruf solcher freizügigen Frauen in der Gesellschaft, vor allem in der männliche, steht. Die einen finden es nicht gut als Sexobjekt dazustehen, andere wiederum wollen genau das sein.

Ist es in Europa nicht genauso?

Natasha: Der neue öffentliche Umgang mit der Sexualität ist dem der westlichen Welt ähnlich, obwohl er in der arabischen Welt stattfindet. Es existiert eine ganz dünne Linie zwischen der erotischen arabischen Frauenidentität und der ersichtlichen Zurückhaltung. Nehmen wir beispielsweise den Bauchtanz. Die Meisten verbinden ihn mit leicht bekleideten, Hüfte wackelnden, erotischen Frauen. Aber die Erotik im Bauchtanz liegt versteckter in der Bewegung und in kleinen Dingen, wie dem Augenaufschlag, der niemals ganz offensichtlich ist. Auf den Musiksendern werden dagegen Frauen schlecht präsentiert, siehe Beyonce Knowles oder Christina Aguilera. Es verkauft sich nur Sex, Sex, Sex und Madonna hat damit angefangen. Dies alles ist auf die arabische Welt übergeschwappt, auf Nancy und Co. Ich meine, ich mag Nancy. Ich mag ihre süße Naivität, aber ich mag nicht diesen harten Sexkern - es reflektiert noch nicht einmal 60 % der arabischen Frauenwelt. Nur 20% der arabischen Frauen haben diese Freiheit und wie gesagt, hat das damit zu tun, das sie einer elitären Familie angehören.

Auf deinem Album „Diaspora“ trägst du das islamische Glaubensbekenntis vor und bekundest deine Liebe zu Allah. Dies ist eine reine Männerdomäne in der islamisch arabischen Welt, bist du auf Kontroversen gestoßen?

Natasha: Es war für mich meine Liebeserklärung an meinen Gott - an Allah. Es ist eine Art Sufi Style (Sufismus ist die islamische Mystik), auf eine eigene, persönliche Art zu sagen, ich liebe Gott. Ich habe Momente, in denen der Glaube an Gott wirklich stark ist. Manchmal, wenn ich keinen Mann in meinem Leben habe, geht meine Liebe viel stärker an diese universelle, natürliche Quelle – an Allah. Für mich ist Leben Liebe und Liebe ist Leben und das ist ein Teil Gottes. Also kann ich ein Liebeslied über Gott singen. Ich weiß, dass es nur wenige Frauen gibt, die so etwas besingen, außer einigen Berberstämmen im Atlasgebirge von Marokko. Als ich in Amerika mit Transglobal Underground in einem Club aufgetreten bin, gab es eine Gruppe von palästinensischen Männern - es waren ungefähr 5 - sie sagten "Wir lieben es wenn du das singst, dass du Allah liebst, weil du uns das Gefühl gibst, dass du es wirklich so meinst.“ Als ich erwiderte, dass es aber haram (arab. Wort für Verbot/unverletzliches Heiligtum) ist für eine Frau das zu singen, erwiderten sie nur: „Es ist uns egal, wir wollen, dass du es singst." Ich war wirklich stolz, dass ich solch eine Reaktion bekommen habe.



Gibt es Künstler, mit denen du in der Zukunft gerne zusammenarbeiten würdest?

Natasha: Es gibt den Künstler Mohammed Fouad – er sucht sich unterschiedliche moderne Produzenten aus, benutzt moderne Beats und einen modernen Weg seine Musik auszudrücken und bleibt seiner arabischen Seele treu, was wirklich interessant ist, da er stark arabisch aussieht. Seine Musik ist 100% westlich, aber er sieht 100 % ägyptisch aus - er verändert sich nicht, um wie z.B. ein Hip Höper auszusehen, sondern bleibt seiner Identität treu. Dann gibt es da diesen neuen Kerl von dem ich gehört habe. Woualid Saad - ich habe nur ein Lied gehört, aber das hat mich so berührt. Es ist modern mit arabischen Wurzeln, so wie meine Songs "ouli ya sahbi“ (sag mir mein Freund) oder „moushmaol“ (Falsch). Ich mag was er gemacht hat.


Wie sieht die private Seite von Frau Atlas aus? Bist du verheiratet, hast du Kinder?

Natasha: Ich war mit dem syrischen Musiker Abdellah Chahani verheiratet, aber da wir beide ständig auf unterschiedlichen Touren waren, wollte er auch aus diesem Grund keine Kinder; Er ist immer noch dabei seine Karriere zu etablieren. Es war wohl das Beste, dass wir uns trennten. Aus dieser Konsequenz habe ich keine Kinder, aber wir sind noch gute Freunde!


Siehst du Unterschiede im Zusammenleben mit einem arabischen und einem europäischen Partner?

Natasha: So viele Beziehungen hatte ich nicht, dass ich das beurteilen könnte, was es für tief greifende Unterschiede es mit einem Araber oder Europäer gäbe. Bis ich das erreicht habe, was ich erreichen will, stelle ich diese Frage auch erstmal in den Hintergrund. Das klingt jetzt vielleicht deprimiert, aber ich denke, dass es als Künstler nicht einfach ist, jemanden zu finden, der sich auf so eine Art Leben wie ich es führe, einlässt. Wenn man ein normales Leben gewöhnt ist, ist es schwer sich darauf einzustellen, dass seine Frau ständig auf Tour ist und es ist von seinem Partner zu viel verlangt das zu akzeptieren. Wenn es nicht sein soll, soll es nicht sein, aber wer wei? inshallah (so Gott will).


Bevorzugst du die einsamen Momente oder fühlst du dich eher in einer Gemeinschaft wohl?

Natasha: Manchmal brauch ich einfach die Einsamkeit, so kann ich reflektieren, meditieren und über viele Dinge nachdenken. Ich mag diese -Zeit wirklich und dann gibt es natürlich die Zeit, in der ich nach Ägypten reise und mit meiner großen Familie zusammen bin, für die ich sonst sehr wenig Zeit habe. Ich denke trotzdem oft an sie und sie bedeuten mir sehr viel. Ich brauche Beides, die Einsamkeit und den großen Trubel!

Wenn du über arabische Frauen nachdenkst, welche Dinge fallen dir ein, die wirklich typisch für sie sind?

Natasha: Einmal habe ich für ein Jahr in Ägypten gewohnt. Ich habe dort alleine gelebt und ein Album aufgenommen. Jeder dort hatte seine eigene Geschichte über mich, ich war erstaunt und amüsiert darüber, als ich diese gehört habe. Sie haben immer gedacht ich wäre vom Mars. Es kann auch sehr ermüdend sein, sich diesen Frauen zu stellen, denn sie können wirklich sehr provokant und sehr vorlaut sein.
Vor allem die Frauen der Arbeiterklasse haben einen sehr ausgeprägten Humor und geben ihren Männern Paroli. Das mag ich, das ist für mich typisch ägyptisch – sie sind unheimlich neugierig, aufgeweckt, selbstbewusst und lachen viel.


Was würdest gerne den arabischen Frauen sagen die in Europa leben und gespalten in ihrer Identität sind?

Natasha: Wenn du hier aufgewachsen bist und dort runter fährst oder dort geboren wirst und hier her kommst, hast du eine art Zweiseitigkeit. Du musst diese Zweiseitigkeit entfalten. Wenn ich drei Kulturen in mir habe, muss ich die Kultur entfalten die ich mag und die Seiten der Kultur die ich nicht mag abstoßen. Ich habe marokkanische Cousinen die als minderjährige nach Brüssel kamen. Meine älteste Cousine Fatima ist mit 18 Jahren nach langer Zeit nach Marokko gegangen. Sie sagte mir, nach ihrer Rückkehr, dass sie nie mehr nach Marokko zurücksiedeln könnte. Sie kann es sich nicht vorstellen im Haus ihrer Eltern zu leben, bis sie heiratet, um dann direkt ins Haus ihres Mannes zu ziehen. Sie will selbstständig bleiben. Sie akzeptiert ihre Doppelseitigkeit - ihre arabische und ihre europäische Seite. Fatima ist eine selbstständig selbstbewusste Frau und hat sich für einen friedlichen Weg entschlossen. Sie gab ihren Kindern europäische Namen, um sie vor Rassismus und Vorurteilen zu schützen. Sie hat es geschafft, wie meine anderen Cousinen auch, die Doppelseitigkeit zu entfalten.

Du bist da nicht so zurückhaltend wie denken deine Cousinen darüber?

Natasha: Ich sollte einmal in London eine Debatte über die Libanonkrise führen. Meine Cousine riet mir davon ab, ich sollte mich nicht darin verwickeln lassen, auch wenn ich gegen Bushs Plan bin - und ich bin der Meinung, dass er uns schlimmstenfalls in einen erneuten Weltkrieg führen könnte. Ich muss und wollte mich dagegen stellen. Sie war besorgt und wollte nicht, dass ich meine
Karriere wegen so etwas riskiere. Diese fundamentalistischen Fanatiker tun uns nichts Gutes sagte sie. Erstens, unterdrücken sie die Frauen, zweitens, machen sie überall Ärger. Viele Frauen entwickeln sich gerade in diesem Moment und werden selbstständig, sie kümmern sich um ihre Sachen während die Männer, wenn sie nach Europa kommen, depressiv und zu Alkoholikern werden. Die Frauen werden stärker und die Männer werden schwächer.

Wenn du nach vorne schaust, gibt es Träume die du dir erfüllen möchtest?

Natasha: Es wäre schön an dem Punkt zu kommen, an dem ich genug verdiene, so dass ich nicht die ganze Zeit arbeiten muss, so dass ich ein oder zweit Monate frei habe, ohne dass es sich auf meine Arbeit auswirkt. Für uns Musiker ist es sehr wichtig, gerade im Sommer zu arbeiten, da du sonst finanzielle Einbußen hast. Ich wünschte, ich könnte dieses Level erreichen und etwas ganz anderes machen, einfach ich selbst sein, entspannen, lesen, im Garten arbeiten oder kochen. Ich koche gerne Mlouchia (arab. Okragericht) Mahchie (gefüllte Weinblätter) und Couscous natürlich. Ich habe einen algerischen Freund der mir gezeigt hat, wie man das Gericht kocht. Ich habe gerade ein kleines Häuschen in Südfrankreich gekauft, nicht diese noble Schicki- Micki Ecke, sondern in einer ruhigen ländlichen Gegend. Ich würde die Zeit nutzen, es zu meinem Zuhause zu machen.


was nimmst du auf eine einsame Insel mit?

Natasha: Viel zu Essen und jemanden der für mich Musik spielt. – Essen und musizieren mehr nicht. –


Das Interview führte Nadia Doukali

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