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MEDIENFASSADEN FESTIVAL Berlin 2008 - Ausstellung - Konferenz - Urban Screenings

08.10.200817:54 UhrKunst & Kultur
Bild: MEDIENFASSADEN FESTIVAL Berlin 2008 - Ausstellung - Konferenz - Urban Screenings
Blinkenlights, Berlin Alexanderplatz, 2003, Medienfassade: Chaos Computer Club; Foto: Thomas Fiedler
Blinkenlights, Berlin Alexanderplatz, 2003, Medienfassade: Chaos Computer Club; Foto: Thomas Fiedler

(openPR) Ausstellung im DAZ_Scharoun Saal +++
Di bis Fr 12-19 Uhr, Sa + So 14-19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Eröffnung am 16.10.2008, 20:00 Uhr im DAZ Scharoun Saal

Grußworte:
Doris Gruber, Vizepräsidentin BDA
Gernot Tscherteu, Exhibition Director, Media Architecture Group, Wien


Mirjam Struppek, Artistic Festival Director, Urban Screens Studios

An der Schnittstelle zwischen virtuellem und realem Stadtraum: Im Rahmen des Medienfassaden Festivals Berlin präsentiert das DAZ realisierte Medienfassaden-Projekte mit ihren technischen Hintergründen und zeigt zukunftsweisende Entwicklungen für die mediale Kommunikation im öffentlichen Raum.

Moderne Kommunikationstechnologien führen zu einer Umstrukturierung sozialer Netzwerke. Gesellschaftlicher Austausch und Identifikationsbildung erfolgen zunehmend in virtuellen Räumen. Um die soziale Wirkung und Urbanität realer Stadträume zu erhalten, wird es in Zukunft immer wichtiger, diese mit der neuen virtuellen Öffentlichkeit zu verknüpfen. Der wachsenden Entortung können Medienarchitekturen im öffentlichen Raum entgegenwirken, wenn ihre Inhalte nicht allein von marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten bestimmt werden, sondern auch soziokulturellen Bedürfnissen folgen.
Medienfassaden eröffnen neue Möglichkeiten der Kommunikation im Stadtraum. Gebäude, deren Oberfläche und damit auch ihr Charakter sich permanent verändern, schaffen neue Beziehungen der Stadtbewohner zu ihrem lokalen Umfeld und laden zur interaktiven Mitgestaltung ein. Dieses Verhältnis zwischen Gebäude und Fassade stellt eine neue Herausforderung für Architekten, Kulturschaffende und Fachplaner dar. Die Realisierung von Medienfassaden erfordert sowohl spezialisiertes technisches und wirtschaftliches Know-How als auch die Aufgeschlossenheit für eine neue zukunftsweisende Gestaltungsaufgabe.
Im Mittelpunkt der Ausstellung „Medienfassaden“, die im Rahmen des gleichnamigen Festivals in Berlin stattfindet, steht das Verhältnis von digitalen Bildern und Gebäudehülle. Kurator der Ausstellung ist der Medien- und Interaktionsdesigner Gernot Tscherteu von der Media Architecture Group aus Wien. Als Leiter des Unternehmens- und Forschungsnetzwerks „mediafacade.net“, entwickelt er qualitativ hochwertige, integrative Systemlösungen für Medienfassaden. Der promovierte Politologe war Projektkoordinator für das LED-Projekt „Leuchtathletik“ an der Universität für angewandte Kunst Wien und Co-Direktor der Media Architecture Conference 2007 in London. Zuvor hat er Medienprojekte unter anderem in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, dem ZKM Karlsruhe und Museumsquartier Wien realisiert. In der Ausstellung im DAZ zeigt Tscherteu wie durch die Verschmelzung von architektonischen Strukturen und Displays hybride Formen entstehen, die als Medienarchitekturen bezeichnet werden. Anhand der Analyse und des Vergleiches von realisierten Projekten und innovativen Konzepten werden unterschiedliche architektonische und künstlerische Strategien im Umgang mit Medienfassaden gezeigt. Thematisiert werden technische Mythen rund um die medienbespielte Gebäudehülle, aber auch deren praktische Aspekte wie LED-Technologie, Fassadendetaillösungen, Bespielungs- und Finanzierungskonzepte und ihr Energieverbrauch.
Eine thematische Einführung stellt die technischen Hintergründe von Medienfassaden wie Fassadentypen, Content-Formate und Displayeigenschaften dar und formt die Überleitung zum Hauptteil der Ausstellung: Acht im Raum verteilte, doppelseitig bespielte Leuchtkästen präsentieren 16 realisierte, internationale Medienarchitektur-Projekte. Die Bandbreite der Projekte umfasst beispielsweise die dauerhafte Bespielung von Bürogebäuden wie den Dexia Tower in Brüssel, den KPN Tower in Rotterdam und der Unique Tower in Wien, aber auch Sportstätten wie die Allianz Arena in München von Herzog & de Meuron, Bauten für die Kunst und auch kommerzielle Gebäude wie den Umbau des Galleria Stores in Seoul nach dem Entwurf von UN Studio.
Das niederländische Architekturbüro hat zusammen mit Arup Lighting für das Kaufhaus eine Gebäudehülle entwickelt, die einem Chamäleon gleicht: 4.500 scheibenförmige LED-Lampen bedecken lückenlos die Fassade und funktionieren als Pixel eines Gesamtbilds. Tagsüber reflektieren sie das Licht, nachts werden die Lampen computergesteuert von hinten beleuchtet und ergeben ein sich stets änderndes Farbspiel. In der Ausstellung macht ein 4,40 x 2,50 Meter großes Fassadenmodell, das Arup speziell für das DAZ angefertigt hat, das Projekt für die Besucher real greifbar.
Dem gegenüber stehen Medienfassaden und -projekte, deren Inhalte von Künstlern gesteuert werden und die weitestgehend unabhängig von Form und Funktion des Gebäudes agieren. Ein bedeutendes Schlüsselprojekt in der kulturellen Entwicklung der Medienfassaden ist „Blinkenlights“, mit dem der „Chaos Computer Club“ 2003 temporär das Haus des Lehrers am Berliner Alexanderplatz mit interaktiven Botschaften aus der Bevölkerung bespielte. Jedes Fenster der strengen Rasterfassade wurde durch Hinterleuchtung zu einem Pixel in einem großen Gesamtbild.
Kunst und HighTec hingegen kombiniert die Null-Energie-Medienfassade „GreenPix“ in Peking, die die New Yorker Architekten Simone Giostra & Partners zusammen mit dem Ingenieurbüro Arup entwickelt haben. Die Vorhangfassade des 2008 eröffneten Xicui Entertainment Centers ist mit einer Fläche von 2.200 m² der weltweit größte LED-Farbdisplay. Durch ein integriertes Photovoltaik-System kann die Fassade tagsüber solare Energie speichern, die nach Einbruch der Dunkelheit das Strom für die Illumination der Fassade liefert. Unter der Regie der Kuratorin Luisa Gui soll der wachsenden Digital-Art-Szene in Peking ein permanentes Podium geboten werden.
Neben den großformatigen Leuchtkästen machen Fassadenelemente, Modelle und Materialproben die Projekte eins zu eins erlebbar.
Darüber hinaus zeigen Installationen, Prototypen und Videos künstlerische Ansätze und aktuelle Entwicklungen in Design und Technik von Medienarchitekturen. Dass Medienfassaden nicht nur als 2D-Bildschirme funktionieren, sondern auch zu dreidimensionalen Objekten werden können beweist besonders eindrucksvoll das Projekt „Daisyworld“ von Thomas Nicolai. Auf unterschiedlichsten Gebäuden lässt sich das künstliche Ökosystem installieren. Anhand der Natur nachempfundener Regeln errechnet eine Computersimulation das dynamische Wachstumsverhalten von zwei künstlichen Blumenpopulationen, die sich durch ihre blaue und orange Farbgebung unterscheiden. Aus einer auf die Fassade montierten Struktur „wachsen“ die pneumatische Blütenobjekte, die durch Sensoren gesteuert sind. Abhängig von Tageslicht und Wetter kann das Gebäude so schrittweise aufblühen oder verblühen.
Mehr zur Austellung unter www.daz.de

+++ Konferenz im DAZ_Taut Saal +++

17.- 18. Oktober 2008

Medienfassaden und Urban Screens: Vorboten der Media - City ? Totale Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes oder ein neues Ausstellungsformat ?
Die Konferenz stellt den internationalen State of the Arts in den vielfältigen
architektonischen, künstlerischen, ökonomischen und technischen Ansätzen
dar und zur Diskussion.

Zentrales Thema der Medienfassaden Konferenz 2008 am 17. und 18. Oktober 2008 im DAZ Taut Saal sind die Medieninhalte im urbanen Maßstab. Ihre Einbindung in einen örtlichen, zeitlichen, gebauten sowie strukturellen Kontext untersuchen Experten aus den Bereichen Medien, Kunst, Architektur, Werbung, Immobilien, Stadtplanung und Politik.
Kurator der Konferenz ist der Architekturtheoretiker Oliver Schürer von der Media Architecture Group und TU Wien. Medienfassaden als ein neu entstehendes urbanes Massenmedium thematisierte er bereits 2005 beim Festival ARS Electronica, 2006 im Architektur Zentrum Wien und 2007 bei der Media Architecture Conference London. Getragen wird seine Auseinandersetzung mit Medienarchitektur durch seine Forschungen über digitale Technologie und Techniktheorie an der TU Wien und an der ETH Zürich.
Die Konferenz in Berlin soll erreichen, dass alle relevanten Disziplinen gemeinsam die Entwicklung des neuen Massenmediums mitgestalten. Noch gibt es keine fest definierten Gestaltungs-Codes und vereinheitlichte Begriffe und auch das Rezeptionsverhalten der Betrachter bedarf eingehender Untersuchungen. Da die technisch-medialen Entwicklungen bisher wenig Einfluß auf die Inhalte nehmen, sieht Schürer hier einen entscheidenden Gestaltungsspielraum für Kunst und Kultur. Ziel der Konferenz ist es daher, Diskussionen anzuregen und eine von allen Beteiligten akzeptierte Praxis herausbilden. Sie geht der Frage nach, ob Medienfassaden und Urban Screens zur totalen Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes führen und welche Chancen sich aufgrund der neu entstehenden ‚Social Media’ bieten, durch die Beobachter zu Benutzern und Koproduzenten werden.
Den Auftakt der Konferenz formen dabei die Keynote-Reden des auf Medien-Architekturen spezialisierten Architekten Tim Edler von „realities united“ sowie von Stephen Kovats, Medienaktivist und künstlerischer Leiter der Transmediale, die von Oliver Schürer moderiert werden. Die Konferenz stellt die aktuellen internationalen Entwicklungen für Medienfassaden und Urban Screens mit den folgenden Diskussionspanels aus architektonischen, künstlerischen, ökonomischen, sozio-kulturellen und technischen Blickwinkeln dar:

„Social Media Architecture”
Das Internet wird durch das Web 2.0 zunehmend von großen Netzwerken dominiert. Nachdem sich Onlineaktivitäten nun vom Desktop auf Mobilgeräte verlagern, scheint es nur eine Frage der Zeit, dass große Screens und Medienfassaden in hybride Formate integriert werden, die digitalen und öffentlichen Raum verbinden. Die Fassade wird eine Art Persönlichkeit darstellen, wenn sie beginnt mit Menschen zu kommunizieren - in zielorientierter und unterhaltsamer Art. (Moderator: Gernot Tscherteu/Media Architecture Group; Gäste: Ruairi Glynn/ interactivearchitecture.org, Jury Hahn/MegaPhone, Christoph Kronhagel/ag4)

„Culture, Economy, Public Space - an Interface”
Der Stadtraum war immer schon vielfältiges Mittel der Repräsentation. In der Entwicklung der Medienfassaden wird die Ökonomie der Bilder sichtbar. Sie werden zu einem neuen Kommunikationsformat und machen Akteure an den vielfältigen gesellschaftlichen und ökonomischen Schnittstellen notwendig. Exemplarisch dafür sind die entstandenen Screenings auf Berliner Medienfassaden, die Zusammenhänge zwischen Content-Erzeugern, Betreibern und Kuratoren. (Moderatorin: Susa Pop/ Public Art Lab; Gäste: Eva Emenlauer-Blömers/Projekt Zukunft Berlin, Ela Kagel/ ID-Media, HVB Immobilien)

„Perception and behavior - facing Urban Media“
Urbane Szenarien sind Ergebnis eines interaktiven aber auch kompetitiven Prozesses. Medial angereicherte Stadträume multiplizieren diese Dynamik. Erreicht diese mediale Intensität die Grenzen der Kapazität der menschlichen Wahrnehmung, gibt es darauf eine ästhetische Antwort? Welchen Platz nimmt die Kunst ein, wie kann sie sich durchsetzen gegen das Überangebot an Informationen im öffentlichen Raum, ohne lediglich als Spektakel wahrgenommen zu werden? (Moderatorin: Mirjam Struppek/International Urban Screen Association; Gäste: Erwin Bouwense/Philips Lighting (angefragt), Daniel Michelis/Universität der Künste, Berlin; Ursula Stalder/IKM Institut für Kommunikation und Marketing-Hochschule Luzern)

„Dynamic Ornament- Towards a new Iconography?”
Welche kulturellen Bedeutungen gründen neue Formen von digitalen urbanen Contents? Als neues Massenmedium haben Medienfassaden das Potential einflussreicher zu werden als Radio, TV oder das Internet. Weder wurden bislang Möglichkeiten für eine spezifische Ikonografie, noch von User-Interaktion diskutiert. Welche Möglichkeiten bieten Licht emittierenden oder kinetische Elemente? Warum werden traditionelle Medien-Formate auf Medienfassaden reproduziert? (Moderator Oliver Schürer/TU Wien; Gäste: Christopher Bauder/WHITEvoid interactive art & design, Andrea Gleiniger/Züricher Hochschule der Künste, Christa Sommerer/Interfacedesign- Universität für Gestaltung Linz, Adam Somlai-Fischer/Aether Architecture)

Abgerundet wird die Konferenz durch einen Medienfassaden Experten Workshop, dessen Gastgeber das weltweit agierenden Ingenieurbüro Arup ist. Innerhalb von Arup sind gleichermaßen Lichtdesigner, Fassadeningenieure und Produktdesigner beteiligt, wenn es darum geht eine Medienfassade zu entwickeln und gemeinsam mit dem Architekten eine besondere Lösung zu finden. Ein interdisziplinäres Team präsentiert seine Sichtweise auf das Design von Medienfassaden. Die vier Experten Andrew Hall (Design & Technology sector Europe), Rogier van der Heide (Lighting practice worldwide), Rudi Scheuermann (Consulting sector Germany) und Astrid Piber (UN Studio, Projektleitung Galleria Seoul), zeigen wie Medienfassaden als integraler Bestandteil eines Gesamtentwurfs betrachtet werden können und nicht als etwas, das auf der Gebäudeoberfläche angebracht ist.
Darüber hinaus stellen Marc Largent (Magic Monkey), Hank Häusler (TU Stuttgart), Stefan Hofmann (LichtKunstLicht) und Sakchin Bessette (Moment Factory) ihre aktuellen und herausragenden Medienfassadenprojekte und -konzepte vor.

Die Konferenzsprache ist Englisch. Die Anmeldung zur Teilnahme an der Konferenz ist online auf www.mediaarchitecture.org/mediafacades2008/conference möglich. Die Teilnahmegebühr beträgt für einen Tag 70 EUR (Studenten 40 EUR) und für beide Tage 120 EUR (Studenten 75 EUR).
Meh zur Konferenz unter http://www.mediaarchitecture.org/mediafacades2008/conference/


+++ Urban Screenings +++

Urban Screenings auf Fassaden der Berliner Innenstadt, ab Einbruch der Dunkelheit.

17.Oktober - 03.November 2008

Empfänge bei allen Medienfassaden, 17.10.2008, ab 19 Uhr

Eröffnungsparty 18.10.2008, 20 Uhr, Collegium Hungaricum Berlin CHB

Das Medienfassaden Festival Berlin baut auf die internationale Mediaarchitecture Conference 2007 in London auf und beschäftigt sich mit der Integration digitaler Bewegtbilder in die Architektur und den Stadtraum. Neben der Ausstellung und Konferenz im DAZ werden als Hauptteil des Festivals vom 17. Oktober bis 03. November 2008 vier Medienfassaden und ein City Terminal in Berlin (SAP, Collegium Hungaricum, O2 World, „Nightscreen“ von Ströer Megaposter, Wall Terminal) mit künstlerischen Beiträgen und Interaktionen aus der Bevölkerung bespielt. Das Festival reflektiert einen weltweiten Trend zu großformatigen digitalen Bildelementen im öffentlichen Raum und erforscht deren Funktion als urbanes, kommunikatives Element. Ziel ist es, einen nachhaltigen Impuls für die zukünftige mediale Entwicklung im Stadtraum zu erzeugen und diese neue Infrastruktur für eine junge Kulturszene zu öffnen.

Mehr zu den Urban Screenings unter http://www.mediaarchitecture.org/mediafacades2008/screenings/

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