(openPR) Äußerst selten begehen Jugendliche einen Sexualmord - in Deutschland maximal drei pro Jahr. Die meisten Täter sind psychisch schwer gestört und therapiebedürftig, diagnostiziert Dr. Niels Habermann (Hamburg) in einer Studie.
"Jugendliche, die ein sexuelles Tötungsdelikt begehen, scheinen v.a. durch körperliche Misshandlungen und emotionale Vernachlässigung von Seiten der Eltern traumatisiert worden zu sein." Habermann untersuchte 19 Täter und konnte bei der Mehrheit verfolgen, wie die Verletzungen im Elternhaus zu Stigmatisierung, Isolation und dissozialem Verhalten führten.
"Einen speziellen Entwicklungspfad, der zwangsläufig zu einem sexuellen Tötungsdelikt im jugendlichen Alter führt, scheint es jedoch nicht zu geben - ebenso wenig, wie es ´das´ traumatische Schlüsselerlebnis oder einen ´geborenen´ jugendlichen Sexualmörder gibt. Alles zusammengenommen scheint es kein spezifisches Merkmal zu geben, das bei allen jugendlichen Sexualmördern in gleicher Ausprägung vorliegt."
Bei den meisten jugendlichen Sexualmördern beobachtet Habermann schwere Beziehungsstörungen - Kontaktscheu, Gehemmtheit, Verschlossenheit, Schüchternheit, Empathiemangel, starke Selbstbezogenheit bishin zu fast völliger Isolation. Sie wird häufig kompensiert durch eine ausufernde Phantasie, oft mit Elementen einer sadistischen Sexualität.
Im Vergleich mit erwachsenen Sexualmördern scheinen jugendliche Täter zudem nach einer Entlassung aus dem Gewahrsam ein höheres Rückfallrisiko hinsichtlich erneuter Sexual- und Gewaltdelikte zu haben. Habermann empfiehlt daher, die meist langjährige Haft- bzw. Unterbringungsdauer für eine psychotherapeutische und ggfs. auch medikamentöse Behandlung zu nutzen.
Niels Habermann:
Jugendliche Sexualmörder
Pabst, 2008, 168 Seiten,
ISBN 978-3-89967-443-9











