(openPR) Seit fast 30 Jahren organisieren sich die Mieter in den drei Häuserblöcken 77, 97 und 100 südlich des Mariannenplatzes in Kreuzberg im Mieterrat Block 100. Fast 1.200 Wohnungen umfassen die drei Blöcke, die sich jeweils um einen gemeinsamen Innenhof gruppieren. Erst im Dezember übernahm die DEGEWO die Wohnungen von der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM). Damals schmückten sich die Bezirkspolitiker noch mit ihrer Unterstützung. Jetzt droht dem Mieterrat das Aus und nur ein Schweigen im Walde ist zu vernehmen. Doch gerade nach dem Eigentümerwechsel ist die Arbeit vor Ort unverzichtbar.
Für das Haushaltsjahr 2008 stehen dem Quartiersmanagement Mariannenplatz keine weiteren Gelder zur Verfügung. „Dabei geht es nicht um wirklich große Summen“, so Gisela Hellwig vom Mieterrat Block 100. „Wir arbeiten weitgehend auf ehrenamtlicher Basis, können aber natürlich nicht zusätzlich noch die Materialkosten selber bezahlen. Wir sind auch mit der DEGEWO im Gespräch, dass sie die Miete für das Büro mit großer Wahrscheinlichkeit übernimmt. Schließlich sind wir ja auch immer vor Ort und haben ein offenes Ohr. “ Grund könnte auch sein, dass die Beratung von Mietern nicht zu den originären Aufgaben des Programms „Soziale Stadt“ gehört.
Doch für diese Einschätzung hat der Mieterrat kein Verständnis. Unsere Arbeit (Mieter-, Sozial- und Schuldnerberatung) trägt zur Stärkung des nachbarschaftlichen Miteinanders vor Ort bei. Wir veranstalten Flohmärkte, Informationsveranstaltungen und natürlich sprechen wir bei unserer Beratung auch über Angebote der Hausaufgabenhilfe oder andere soziale Dienste. Das gehört einfach dazu. Doch für bewohner-nahe soziale Unterstützung scheint, nach Meinung der Politik, kein Bedarf zu sein. Sowohl der grüne Bezirksbürgermeister Schulz, als auch der Sozialstadtrat Mildner-Spindler (die Linke) als auch der Senat mit seinem so genannten Programm soziale Stadt mauern: Kein Geld vorhanden - 1.200 Mieter sind die Leidtragenden.
In dem sozialen Wohnungsbau potenzieren sich die sozialen Probleme: Fast 80 Prozent der Mieter leben von Transferleistungen, die Familien - darunter viele migrantische - drängen sich auf engstem Raum in den kleinen Wohnungen. Gerade für Mieter mit Hartz IV Bezug ist der nachbarschaftliche Anknüpfungspunkt unverzichtbar und die Beratung oftmals die einzige Möglichkeit überhaupt noch in Kreuzberg wohnen zu bleiben.
Die Betriebskosten sind so hoch, dass die Mieter aus allen Blöcken gemeinsam gegen die Betriebskosten-abrechnung von 2007 vor Gericht gezogen sind. Allein in den 3 Blöcken haben 160 Mieter Einspruch erhoben, ca. 40.000 Euro insgesamt wollen sie zurückhaben. In den vergangenen 5 Wochen haben allein 150 Familien wegen einer Beratung zur Betriebskostenabrechnungen 2008 den Mieterrat aufgesucht. Insbesondere für Familien mit migrantischem Hintergrund ist eine Hilfe bei der Formulierung von Widersprüchen unverzichtbar. Daher haben wir auch zahlreiche Unterschriften für unsere Weiterarbeit gesammelt.
Die Unsicherheit für viele Familien ist groß, denn am 1. April wurde eine Mieterhöhung durch den Förderungs-abbau der Anschlussförderung für den sozialen Wohnungsbau fällig. Für 530 Mieter droht im nächsten Jahr eine exorbitante weitere Mieterhöhung, weil sich die öffentliche Hand komplett aus der Verantwortung ziehen möchte. Massenhafte Zwangsumzüge drohen.
Wir haben kein Verständnis dafür, dass wir die dringend benötigte soziale Arbeit vor Ort ehrenamtlich und mit Engagement erledigen und die Politik hier schamlos wegschaut. "Wir setzen uns dafür ein, dass die Leute, die hier wohnen, auch hier bleiben können. Die Mieten müssen bezahlbar bleiben." so äußerte sich Bezirksbürger-meister Franz Schulz in der Grünen Zeitschrift „stachel“ im Februar 2008. Gemerkt davon haben wir noch nichts.
Mit freundlichen Grüßen
Mieterrat Block 100 e.V.
