(openPR) Wiederaufnahme: 11. Juli 2008 um 21:00 Uhr
Weitere Termine: 12. und 13. Juli, ebenfalls um 21:00 Uhr
Ort: Academia Jangada, Torstr. 109, Berlin-Mitte, U8 Rosenthaler Platz
Frauen in Cellophan, Haut im Schaufenster, Gewalt in der Begegnung – Szenen, die sich auflösen, Individuen die sich vermengen und wieder vereinzeln.
Die Grupo Oito, unter Leitung des brasilianischen Choreographen Ricardo de Paula, zeigt ihr aktuelles und sich auf den Raum beziehendes Tanzstück Bodies in Pieces in der Academia Jangada, die sich neu als Spielstätte etabliert.
Durch das Spiel mit Rollen, Entfleischlichen der Leiber, der Kreation von spielerischen Scheinidentitäten wird der Körper verborgen, um ihn wieder neu zu entdecken. Die physische Identität und die Beziehung zwischen dem Innen und Außen, Öffentlichem und Privatem wird in Frage gestellt, Grenzen werden weiter gesteckt.
Die Grupo Oito erforscht die Vorstellung des menschlichen Körpers in unserer modernen Gesellschaft. Die Verunsicherung im Hinblick auf den eigenen Körper mündet in der Erschaffung von Prototypen mit festgelegten ästhetischen Vorstellung. Durch diese Uniformierung entfernen wir uns immer mehr von unserem intuitiven Körperempfinden und entwickeln Scheinbilder unserer Selbst.
Das Simulacrum, was so viel bedeutet wie Scheinbild oder Ähnlichkeit, beschreibt die Repräsentation des Anderen, etwa einer Statue, einer Fotografie oder in einem Gemäldes: Ein Bild ohne Substanz oder Qualität des Originals. In dem Stück wird insbesondere das Scheinbilds des Körpers hinterfragt, der übermäßig exponiert überall in unserer modernen Gesellschaft zur Schau gestellt wird.
Im Konzept Baudrillards werden, so wie bei Nietzsche, Scheinbilder negativ bewertet. Der modernen Philosoph Gilles Deleuze vertritt eine andere Ansicht, in dem er Simulacrum als den Weg ansieht, bei dem privilegierte Positionen bzw. akzeptierte Ideale herausgeforderd und umgestürzt werden können.
Bodies in Pieces ist das Resultat der Recherche basierend auf Ricardo de Paulas physischen Kenntnissen, die er in der Academia Jangada unter dem Namen Get Physical weiterentwickelt und vermittelt. Die körperliche Entfremdung wird im Tanz bis zur äußersten Grenze und zum endgültigen Zerfall getrieben. Beeindruckende Tanzsoli, geprägt von der eigenen sehr physischen Tanzstils des Brasilianers, verweben Elemente aus Capoeira mit den hingebungsvollen, intensiven Sequenzen und wechseln ab mit performativen Elementen. Die Darsteller bewegen sich auf der labilen Grenze zwischen dem Inneren, mit seinen Abgründen und dem Äußeren, mit seinen Zwängen.
Einhergehend mit der sehr eigenen Bewegungssprache nutzt die Kompagnie den Körper und dessen Abbild, um physische und mentale Grenzen auszuloten und zu fragen: Kann das Echte in der Körperlichkeit entdeckt werden?
Die Grupo Oito entstand 2007 unter der Leitung des Choreographen Ricardo de Paula. Der brasilianische Tänzer aus Belo Horizonte tanzte mehrere Jahre bei der Grupo Corpo, einer der bekanntesten zeitgenössischen Tanzkompanien Südamerikas.
In Berlin arbeitete er mit namhaften Choreographen wie Sasha Waltz, Christoph Winkler und Constanza Macras, außerdem europaweit u.a. mit der DV8 in London. Im letzten Jahr war er als Choreograph an der Inszenierung Pizzicato von Victor Bodo im Deutschen Theater beteiligt. Sein vorangegangenes Tanzstück für die Grupo Oito, The Washing Line Game, wurde im Dezember 2007 in der Academia Jangada präsentiert.
Mehr Information: www.grupooito.com und www.ricardodepaula.com











