(openPR) Enduro WM 2008, 7. und 8. Lauf vom 14. – 15. Juni in Kwidzyn (Polen).
Sandig, trocken, staubig und zermürbend waren Attribute welche den Charakter dieser 4. Enduro Weltmeisterschafts-Veranstaltung beschrieben.
Nach längerer Pause traf sich die Enduro-Elite im Norden Polens unweit von Gedansk zu einem weiteren Kräftemessen. 140 Starter in vier Klassen gingen am Samstag ab neun Uhr auf die fast siebenstündige Geländehatz. Am Vorabend setzte dann doch noch der lang ersehnte Regen ein, jedoch waren diese Schauer nur von kurzer Dauer, so dass sich an den schon beschriebenen Verhältnissen für Fahrer, Veranstalter und Zuschauer leider nichts änderte.
Nach langer Abstinenz ging auch Andre Decker für das Team ZUPIN-Husqvarna mit auf die Jagd nach Weltmeisterschaftspunkten. Seine bisher einzigen WM-Läufe bestritt der Sachse zuletzt im Jahre 2001. In Vorbereitung auf die im September anstehenden SIX DAYS in Griechenland wollte er diese Gelegenheit nutzen und weitere internationale Erfahrungen sammeln. Im Gegensatz zu den Läufen in der Deutschen Enduromeisterschaft wurden hier je Runde drei Prüfungen gefahren. Die längste war mit einer Fahrzeit von 12 Minuten der Motocross Test. Auch der Extrem-Test hatte es in sich, ähnlich wie beim DM-Lauf in Amtzell bestanden hier die Hindernisse auch aus alten Traktorreifen und großen Baumstämmen. Jedoch hatten diese Schikanen andere Dimensionen, welche viele Fahrer am eigenen Leib schmerzlich erfahren mussten.
Für Andre Decker stellte die Lokalität in Polen keine Unbekannte dar, schon 2006 bestritt er hier am gleichen Ort einen Europameisterschaftslauf.
Speziell für diesen Start hatte Teamchef Thomas Mäser einen neuen Schalldämpfer angefertigt, mit welchem man hoffte die strengen Schallpegelmessungen in der WEC zu erfüllen. Im Gegensatz zur nationalen Meisterschaft gelten hier niedrigere Phonwerte welche vielen Teams und Fahrern schon großes Kopfzerbrechen bereitet hatten. Ohne Beanstandungen meisterte Andre mit seiner Husqvarna 510 TE die technische Abnahme.
1. Tag
Am Samstag ging es dann bei schönstem Wetter gleich nach dem Start in den Extrem-Test. Hier lief es für den deutschen Husqvarna Fahrer ganz ordentlich. Trotz des kleinen Patzers bei der Bewältigung eines quer liegenden Baumstammes schaffte er die 15. beste Prüfungszeit in der ENDURO III Klasse. Im Gegensatz zu ihm hatten da einige andere Fahrer schon größere Probleme und verloren sehr viel Zeit. Der dann folgende Cross-Test forderte von den Fahrern volle Konzentration. Sehr schnell und flüssig abgesteckt, barg dieser die Gefahr einen Abflug zu riskieren. Zudem spielte hier die Kondition und Kraft der Starter eine sehr große Rolle.
Trotz der großen Trockenheit fand der Veranstalter die Möglichkeit einige Schlammpassagen mit in die Etappen einzubinden. Bei deren Bewältigung musste man sich jedoch mehr auf seine Erfahrungen und ein gutes Auge verlassen, als auf die Hinweise der polnischen Zuschauer. Bei vergangenen Veranstaltungen an dieser Stelle fuhren sich daraufhin schon erfahrene Fahrer im Morast fest. Andre meisterte auch diese Situation problemlos und kam ohne Strafminuten über die Runden. In den insgesamt 11 Sonderprüfungen mit einer Gesamtfahrzeit von mindestens 80 Minuten zeigte Andre Decker konstante Leistungen, musste aber auch den hohen Anforderungen Tribut zollen. Speziell im langen Cross-Test fehlte es ihm zum Ende hin doch etwas am nötigen Biss. Nach mehr als 7 Stunden Schinderei stand dann auch noch der abendliche Service mit Reifenwechsel an. Da die Husqvarna 510 TE ohne technische Probleme den hohen Beanstandungen standhielt, waren keine zusätzlichen und außerplanmäßigen Reparaturen am Bike notwendig. Der Reifenwechsel stellte für den Dahlener kein Problem dar und Andre Decker fuhr als 18. seine ersten drei Weltmeisterschaftspunkte ein.
O-Ton Andre Decker: „Ich freue mich ohne Probleme ins Ziel gekommen zu sein und gleich meine ersten WM Punkte gesammelt zu haben. Die Strecke und die Prüfungen waren sehr anspruchsvoll. Aber dies ist es ja weshalb ich hier bin. Nur bei solchen harten internationalen Veranstaltungen kann man sich als Deutscher noch weiterentwickeln. In der DM bekommt man kaum die Möglichkeit so an seine Grenzen zu gehen. Natürlich merke ich wo es bei mir noch fehlt, so werde ich im Cross-Test von Runde zu Runde langsamer, da die Kraft nachlässt.“
O-Ton Thomas Mäser: „Andre hat sich hier sehr wacker geschlagen. Selbst die Leute vom CH Racing Husqvarna Team, also dem Husqvarna Werksteam haben sich positiv über Andre geäußert. Wir sind hier zum Lernen um diese Erfahrungen dann in der DM weiter umzusetzen.“
2. Tag
Den zweiten Fahrtag ging Andre sehr motiviert an. Vor dem Start in den Enduro-Test bekam er von seinem Betreuer noch den Wink, dass eine Passage im Wald im Gegensatz zum Vortage anders abgesteckt worden ist. Solche Tipps können im Endeffekt wertvolle Zeit einsparen. So gelang es Andre Decker in diesem Test wieder eine ansprechende Zeit herauszufahren. Gleich nach dem Durchfahren der Lichtschranke ging es zum nahe gelegenen Extrem-Test. Unmittelbar nach dem Start folgte eine Rechtskurve und dann mehrere nebeneinander eingegrabene Traktorreifen. Diese hatten sich durch die Wärme und die dauerhafte Beanspruchung vom Vortage verformt und gelockert. Bei der Bezwingung dieses Hindernisses rutschte Andres Vorderrad von einem dieser Reifen seitlich ab und verklemmte sich zwischen Zweien. Das Resultat dieses Desasters war, es brauchte vier Streckenposten um die Maschine wieder aus dieser Umklammerung zu befreien. Dabei gingen diese Herrschaften so rabiat mit dem Bike um, dass die vordere Bremsscheibe brach und sich aus der Nabe riss. Für zehn Minuten musste wegen dieser Aktion der Extrem-Test gesperrt werden und die nachfolgenden Fahrer warten. Für Andre war das Rennen am zweiten Tag damit schon vor dem Erreichen der ersten Zeitkontrolle gelaufen. Teamchef Thomas Mäser setzte sich daraufhin sofort mit dem Husqvarna-Werksteam in Verbindung, damit deren Fahrer an dieser Stelle eine andere Spur wählen konnten.
O-Ton Andre Decker: „Natürlich bin ich sehr enttäuscht über dieses Missgeschick, aber so ist halt der Endurosport. Schade auch für das ganze Team, denn ohne die Unterstützung von Thomas Mäser und seinen Leuten wäre dieser Einsatz so nicht möglich gewesen. Wir waren eine dufte Truppe und es hat viel Spaß gemacht. Ich habe auf jeden Fall viel gelernt und werde dies beim anstehenden DM Lauf in Burg versuchen auch umzusetzen.“
O-Ton Thomas Mäser: „Dieser Einsatz hat sich für Andre auf jeden Fall gelohnt. Auch haben wir noch einige Erkenntnisse sammeln können, wie wir die Abstimmung der Husqvarna noch optimaler gestalten können. Dieser Start hier in Polen war jedenfalls nicht umsonst.“
Für das Husqvarna Werksteam war es ein durchwachsenes Wochenende. Nach seinem Umstieg von einer Viertakter zurück auf eine Zweitakt Husqvarna konnte der Franzose Sebastien GUILLAUME gleich einen Sieg in der ENDURO III Klasse einfahren. Auch bei den Junioren stand mit Marc Bourgeos ein Husqvarna-Vertreter auf dem obersten Podium. Dagegen mussten Bartosz Oblucki und Antoine Meo vorzeitig die Segel streichen. Am Sonntag ging der Pole Bartosz Oblucki erst gar nicht an den Start. Die weiteren Fahrer konnten aber nicht an die guten Ergebnisse des Vortages anknüpfen und mussten sich jeweils mit dem 4. Rang begnügen.
Ergebnisse:
ENDURO I:
1. Tag:
1. Ivan Cervantes, SPA; 2. Mika Ahola, FIN; 3. Marc Germain, FRA; 11. Daryl Bolter, GBR, Husqvarna;
2. Tag:
1. Ivan Cervantes, SPA; 2. Mika Ahola, FIN; 3. Simone Albergoni, ITA;
9. Daryl Bolter, GBR, Husqvarna;
Tabellenstand: 1. Mika Ahola, FIN, 186 Punkte; 2. Ivan Cervantes, SPA, 176; 3. Simone Albergoni, ITA, 165; 12. Daryl Bolter, GBR, Husqvarna, 58; 17. Bartosz Oblucki, POL, Husqvarna, 29;
ENDURO II:
1. Tag:
1. Juha Salminen, FIN; 2. Jonny Aubert, FRA; 3. Alessandro Belometti, ITA;
6. Aaron Bernardez, SPA, Husqvarna;
2. Tag:
1. Juha Salminen, FIN; 2. Jonny Aubert, FRA; 3. Simmo Kirssi, FIN, BMW;
4. Antoine Meo, FRA, Husqvarna;
Tabellenstand: 1. Jonny Aubert, FRA, 183 Punkte; 2. Juha Salminen, FIN, 164; 3. Alessandro Belometti, ITA, 135; 8. Antoine Meo, FRA, Husqvarna, 91; 16. Aaron Bernardez, SPA, Husqvarna, 35;
ENDURO III:
1. Tag:
1. Sebastian Guillaume, FRA, Husqvarna; 2. Samuli Aro, FIN; 3. Stefan Merriman, AUS; 18. Andre Decker, GER, Husqvarna;
2. Tag:
1. Marko Tarkkala, FIN; 2. Christophe Nambotin, FRA; 3. Samuli Aro, FIN;
4. Sebastien Guillaume, FRA, Husqvarna;
Tabellenstand: 1. Samuli Aro, FIN, 189 Punkte; 2. Marko Tarkkala, FIN, 163;
3. Christophe Nambotin, FRA, 155; 4. Sebastien Guillaume, FRA, Husqvarna, 138; 26. Andre Decker, GER, Husqvarna, 3;













