(openPR) Der Waldsee im Krefelder Norden ist in die Jahre gekommen. Daher wird er vom dort ansässigen Angelsportverein ASV Bayer 1957 Uerdingen und Deutschlands größtem Schwimmsportverein SV Bayer Uerdingen 08 wieder aufgepäppelt. Am vergangenen Wochenende wurde beispielsweise eine große künstliche Insel zu Wasser gelassen, um Jungfischen neuen Lebensraum zu bieten.
Krefeld/NRW - Zum Glück ist es ein kühler, regnerischer Sommertag – aber auch so geraten die Mitglieder des Krefelder Angelsportvereins ASV Bayer 1957 Uerdingen an diesem Samstagvormittag gehörig ins Schwitzen. Nicht etwa bei ihrer Lieblingsbeschäftigung. Vielmehr haben sich die Angelsportfreunde heute am heimatlichen Waldsee getroffen, um eine mehr als drei Tonnen schwere künstliche Insel Stück für Stück zusammenzusetzen und ähnlich wie bei einer Schiffstaufe über Holzplanken zu Wasser zu lassen. All dies ist Teil eines umfangreichen „Verjüngungsprogramms“ für das in die Jahre gekommene ehemalige Baggerloch.
Und so schallen schon seit dem frühen Morgen Gehämmer, gelegentliches Gelächter und laute Kommandos über den „Seniorensee“ im Norden der niederrheinschen Seidenweberstadt. Doch es wird wohl noch bis in die späten Nachmittagsstunden dauern, bis endlich alle großformatigen, mit Styropor-Schwimmkörpern versehenen Bausteine aus Recycling-Kunststoff miteinander verbunden und mit „Bio-Matten“ aus Röhricht- und Schilfgewächsen bestückt sind. Jede Menge Arbeit also für die tatkräftigen und unter der Anstrengung reichlich schnaufenden Waldsee-Retter.
Allerdings eine, die Spaß macht und sich lohnt: So wird die etwa 200 Quadratmeter große schwimmende Insel neu eingesetzten Jungfischen – Rotaugen und Brassen zum Beispiel – in den kommenden Jahren als Laichrevier und Rückzugsterrain vor Raubfischen und Kormoranen dienen. Unterhalb des künstlichen See-Einlegers, versteht sich. Dort nämlich können sich die Neuankömmlinge künftig nach Herzenslust im Gewirr der meterlangen Unterwasserwurzeln tummeln, ernähren und vermehren – vor dem Heißhunger ihrer tierischen Häscher geschützt.
WENN PFUNDSKERLE ZU PLATZHIRSCHEN WERDEN
Und Handlungsbedarf gibt es zur Genüge: Nachdem die Fangquote am Waldsee zuletzt drastisch gesunken war, attestierte eine vor zwei Jahren beim Rheinischen Fischereiverband beauftragte Gewässerstudie der Heimstätte des ASV Bayer 1957 Uerdingen sowie der Schwimmsportvereine SV Bayer Uerdingen 08 und SSF Aegir Uerdingen 07 eine zunehmend bedenkliche Wasserqualität. Kein Einzelfall – vielen stehenden Gewässer ohne Frischwasserzufluss geht allmählich die Puste aus. Der Grund dafür sind vor allem landwirtschaftliche Düngemittel, die für einen überproportionalen Algenwuchs an der Oberfläche sorgen – wodurch der Unterwasserflora gewissermaßen das Licht ausgeknipst wird. Und wo keine Sonne hinscheint, da wächst nun einmal kaum noch etwas. Folge: Der Sauerstoffgehalt sinkt, und „Pfundskerle“ wie Karpfen und Barsche werden erst recht zu wahren „Platzhirschen“, die kleineren Fischen den ohnehin beengten Lebensraum mehr und mehr streitig machen. Vielfalt ist fortan Fehlanzeige.
„Deshalb haben wir uns entschlossen, den Waldsee mit einer Reihe von Öko-Einzelprojekten gezielt wieder aufzupäppeln“, erklärt Joachim Hoffmann, Geschäftsführer des ASV Bayer 1957. Zur langfristig angelegten Wellness-Kur für den Waldsee gehört dabei auch das gezielte Befischen großer Raubfische und das regelmäßige Abschöpfen der ärgerlichen „Sunblocker-Algen“ mit Spezialschöpfkellen. Alles Neuland für die Ufersportler. Jedoch eine Herausforderung, der man sich beherzt stellt. „Insbesondere das Einsetzen schwimmender Inseln ist eine innovative, viel versprechende Vegetationstechnologie, von der wir uns einiges erhoffen“, so Hoffmann weiter. Hierbei zähle man bundesweit zu den Vorreitern.
GEMEINSAM DEN UERDINGER WALDSEE RETTEN
Finanziert wird die aktuelle, rund 10.000 Euro teure Einzelmaßnahme zur Hälfte vom Rheinischen Fischereiverband, auf dessen Empfehlungen auch das Gesamtkonzept zur Waldsee-Verjüngungskur basiert. Den Rest teilen sich der ASV Bayer 1957 Uerdingen und der SV Bayer Uerdingen 08, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert. „Als größter Schwimmsportverein Deutschlands ist uns das Wohlergehen des Waldsees natürlich eine Herzensangelegenheit“, betont Margret Czernia, Geschäftsführerin des Krefelder Erfolgs- und Vorzeigevereins. „Deshalb waren wir sofort Feuer und Flamme, als es darum ging, unsere Freunde vom Uerdinger Bayer-Angelsportverein nicht nur ideell zu unterstützen.“
Und wie aufs Wort lugt die Sonne plötzlich wieder durch eine Lücke im ansonsten wolkenverhangenen Mittagshimmel. Es hat aufgehört zu tröpfeln, und die freiwilligen „Inselmacher“ spucken abermals in die Hände und hieven ein weiteres Planquadrat neuen Fisch-Lebensraums auf die Oberfläche des Uerdinger Waldsees. Erneut fließt Schweiß. Noch wundert sich mancher Seebewohner wohl über das eigentümliche Geschehen am Ufer. Aber sobald die neue Insel an einem sonnigen Platz im See verankert ist, dürften sich dort auch schon die ersten neugierigen Besucher einfinden, um ihren Teil dazu beizutragen, den mehr als 90 Jahre alten See wieder auf Vordermann zu bringen.













