(openPR) Pferde sind im Sport, aber auch als Freizeitpartner, hohen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Sie leiden, ähnlich wie menschliche Athleten, an Problemen des Bewegungsapparats, die durch das intensive Training bedingt sind.
Dadurch können sich latente Probleme des Bewegungsapparats einstellen, die sich zunächst durch Verhaltensauffälligkeiten äußern. So lassen sich diese Pferde zum Beispiel plötzlich nur noch ungern satteln und trensen oder stehen beim Aufsitzen nicht mehr still. Auch Rittigkeitsprobleme wie Verwerfen, falsches Angaloppieren, Anlehnungsprobleme oder Verweigern vor dem Sprung sind möglich.
Diese Veränderungen fallen dem aufmerksamen Pferdebesitzer zwar auf, werden aber oft nicht mit Gesundheitsproblemen in Zusammenhang gebracht. Oft wird dem Pferd einfach Lustlosigkeit und Arbeitsunwilligkeit unterstellt, ohne zu berücksichtigen, dass dieses Verhalten in den meisten Fällen durch Verspannungen und Blockaden verursacht ist. Sie können erste Warnzeichen einer manifesten Erkrankung darstellen.
Derartige Bewegungseinschränkungen stellen noch keine schulmedizinische Behandlungsindikation dar, bereiten dem Pferd aber dennoch Schmerzen und machen sich durch eine Leistungseinschränkung bemerkbar.
Oft kommen dann noch reiterliche Defizite hinzu, da der Reiter die Blockaden und Verspannungen seines Pferdes nicht erkennt und meint sein Pferd nur etwas härter anpacken zu müssen, was diese Schwierigkeiten nur noch verstärkt.
Durch intensiviertes Training nehmen die Probleme noch zu.
Wenn der Reiter das Gefühl hat, dass sein Pferd gerade derartige Probleme zeigt, sollte er das Arbeitspensum des Pferdes etwas senken. Denn oft zeigt das Pferd mit Widersetzlichkeit oder Leistungseinbruch, dass es einfach überfordert ist. Es braucht in solchen Fällen ein Reduzieren des Trainingsprogramms und der gestellten Anforderungen für einige Tage.
Sollte dies nicht helfen, so sollte das Pferd einige Tage Weidepause oder Arbeit an der Longe bekommen, damit sich die überanspruchte Muskulatur erholen kann.
Sollte auch das noch keine Besserung bringen, so ist es für den verantwortungsvollen Pferdehalter an der Zeit etwas zu unternehmen.
Die Pferde von denen wir jetzt gerade gesprochen haben, sind noch nicht klinisch erkrankt, sondern haben bislang „nur“ Verspannungen und Blockaden.
Bei dieser Symptomatik ist es am sinnvollsten wenn man nach folgendem Behandlungskonzept vorgeht:
-Zuerst sollte das Pferd vorgeritten und an der Hand vorgeführt werden. Dabei ist auf Verspannungen, Taktfehler und Rittigkeitsprobleme zu achten.
-Dann werden die Blockaden des Pferdes chiropraktisch oder osteopathisch gelöst.
-Es folgt die physiotherapeutische Behandlung von Verspannungen und druckempfindlichen Triggerpunkten.
-Zusammen mit dem Reiter und dessen Trainer wird ein individueller Trainingsplan erstellt.
-Zum Schluss erhält der Reiter ein physiotherapeutisches Übungsprogramm an die Hand, mit dem er die Beweglichkeit des Pferdes verbessern kann.
-Bei Bedarf sollte der Trainingsplan an die neuen Anforderungen und Gegebenheiten angepasst werden.
Diese Behandlungsmethoden bewirken ein Lösen vorhandener Verspannungen. Bewegungsmöglichkeiten und Koordination werden verbessert. Außerdem wird die Durchblutung der Muskulatur verbessert und die Leistungsbereitschaft erhöht.
Aber auch andere Gründe für Rittigkeitsprobleme sind möglich:
• Zahnhaken
• Ungeeigneter Hufbeschlag
• Unpassender Sattel
• Unpassendes Zaumzeug
Diese Ursachen sind, wenn sie einmal erkannt sind leicht abzustellen.
Auch hier sollte mit dem Lösen des jeweiligen Problems nicht lange gewartet werden. Ein unpassender Sattel zum Beispiel kann ernsthafte gesundheitliche Probleme hervorrufen.
Aber auch der Reiter kann die Ursache für Rittigkeitsprobleme sein. Zum einen können die unzulängliche reiterliche Fähigkeiten, aber auch grobes Reiten Verspannungen beim Pferd verursachen.
Außerdem kann auch ein verspannter Reiter oder eine Schiefhaltung des Reiters auf Dauer zu einem Problem für das Pferd werden. Probleme der Körperhaltung des Reiters können zu einer Schiefhaltung des Pferdes führen.
Sollte dies der Fall sein, so sollte der Reiter sich physiotherapeutisch behandeln lassen, um die Ursache abzustellen.
Ein weiterer Auslöser für Rittigkeitsprobleme kann ein zu langweiliges Training sein. Je intelligenter ein Pferd ist, desto schneller wird ihm langweilig. Deshalb sollte man endlose Wiederholungen vermeiden. Das Trainingsprogramm sollte abwechslungsreich gestaltet werden, Ausritte und Longieren, Gymnastiksprünge bei Dressurpferden und Dressurlektionen bei Springpferden sollten in das Training eingebaut werden, damit das Pferd den Spaß an der Arbeit behält.
Medizinische Trainingsberatung
Was ist denn nun Medizinische Trainingsberatung? Mit diesem Begriff ist kein herkömmlicher Reitunterricht gemeint, sondern es soll den anatomischen Voraussetzungen und den zu erwartenden Berufserkrankungen des jeweiligen Pferdes Rechnung getragen werden.
Den gesundheitliche Einschränkungen des Pferdes und deren Auswirkung auf das Reiten wird meist keine Bedeutung beigemessen, so dass bei dieser Problemstellung Unterstützung nötig ist.
Es gibt hier kein allgemeingültiges Konzept, sondern dieses sollte für jedes Pferd individuell erstellt werden.
Prinzipiell sollte dem Exterieur und dem Verwendungszweck des Pferdes Rechnung getragen werden. Wie schon oben erwähnt gibt es auch bei Pferden Berufserkrankungen, denen vorgebeugt werden sollte.
Dressurpferde
Bei Dressurpferden stellen sich häufig Verspannungen im Genick und oberen Halswirbelsäule, der Rückenmuskulatur, der Hinterhandmuskulatur sowie der Schulter ein.
Um dies zu vermeiden sollte der Reiter zunächst versuchen das Pferd vor dem Reiten mit Dehnübungen zu lockern und so aufs Reiten vorzubereiten. Außerdem ist das Pferd intensiv vor der Arbeitsphase zu lösen, wobei es mindestens 10 Minuten Schritt am langen Zügel gehen sollte. Anschließend ist zu empfehlen es 10 Minuten im leichttraben und im leichten Sitz zu arbeiten. Diese Zeiten sollten auf keinen Fall unterschritten werden, da die Muskulatur genügend Zeit haben sollte sich zu erwärmen und zu dehnen, um sich auf die nachfolgende Arbeitsphase vorzubereiten. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, ist es aber in vielen Fällen leider nicht. Die nachfolgende Arbeitsphase sollte nicht länger als 20 bis 25 Minuten sein, da ein Pferd sich nicht länger konzentrieren kann. Lektionen sollten nicht endlos wiederholt werden. 4 bis 5 Wiederholung pro Lektion sind zu empfehlen, da dies günstig für den Muskelaufbau ist. Jedes mehr ist aber zuviel, da es zur Ermüdung der Muskulatur führt. Zum Beispiel kann zuviel Reiten in Versammlung bei einem Pferd, das muskulär noch nicht soweit entwickelt ist, Verspannungen in der Muskulatur des Rückens und der Hinterhand erzeugen, die für das Pferd enorm schmerzhaft sind. Dadurch kann es zu Taktfehlern und Rückenproblemen kommen.
Am Ende der Trainingseinheit sollte das Pferd dann noch einmal 5 bis 10 Minuten Schritt gehen, damit die Muskulatur sich wieder entspannen kann.
Springpferde
Im Springsport kommt es zu punktueller Belastung bei Absprung und Landung. Dadurch kann es beim Absprung in der Hinterhand und bei der Landung in der Vorhand zu Muskel- und Bändereinrissen kommen. Dem kann durch Dehnübungen vor dem Reiten und intensives Lösen entgegengewirkt werden, da ein lockerer, gut durchbluteter Muskel diese Belastung besser verkraften kann.
Ein zu häufiges Springen von hohen Hindernissen ist nicht sinnvoll, da es Muskulatur und Gelenke unnötig belastet.
Für die durch das Springen stark belastete Rückenmuskulatur sollte mindestens zweimal wöchentlich eine ausgleichende dressurmäßige Gymnastizierung erfolgen.
Dies sind nur globale Anhaltspunkte. Je nach Verwendungszweck und Exterieur sollte das Trainingsprogramm die individuellen Gegebenheiten des Pferdes berücksichtigen. Auch eventuell vorhandene gesundheitliche Schwachstellen sollten beim Training berücksichtigt werden, um das Pferd möglichst lange gesund und leistungsfähig zu erhalten.











