(openPR) Augenblicklich, als wir die Räume mit den Weinpressen betreten, fängt uns ein Geruch ein, der so intensiv ist, dass man glauben könnte, es handele sich bereits um einen Geschmack; er scheint das Riechvermögen überlisten und sich direkt auf dem Gaumen niederlassen zu wollen. Es handelt sich um das Bouquet der reifenden Weine der Stellekaya Winzerei.
Nichts könnte jemanden mehr an die Alte Welt erinnern, nichts mehr an das Vermächtnis, das Jahrhunderte von Kolonialherrschaft am Kap hinterließen, als dieser betörende Duft alter Tradition. Die Person jedoch, die uns voller Enthusiasmus durch dieses Geheimnis alter Handwerkskunst führt, ist Ntsiki Biyela, und sie steht für Moderne und Emanzipation: sie ist nicht nur hauptverantwortlich in der Stellekaya Winzerei, sondern auch Frau und von dunkler Hautfarbe.
Biyela, im ländlichen KwaZulu-Natal geboren,,an einem Ort, der nur Bananen und Zuckerrohr kenne, wie sie selbst sagt, kam früh, direkt nach dem Abschluss der weiterführenden Schule, zum Winzerbetrieb; hinein in eine Welt des Weines, der Tradition und Geheimnisse, für die ihr nach eigener Aussage das richtige Gefühl alles andere als angeboren war. Sie erwies sich dennoch als eine begabte Schülerin. Nach ihrem Abschluss in Weinanbau an der Universität Stellenbosch erhielt die Stipendiatin eine Lehrstelle in der Winzerei Stellekaya, der „Heimat der Sterne“ (eine Wortschöpfung aus dem lateinischen „Stella“ und dem Xhosa-Wort „Kaya“). Später übernahm sie die Stelle des Chefwinzers von ihrem Mentor, Peet Le Roux, und der Betrieb wuchs stetig.
Als wir den mit einer Michelangelo-Goldmedaille ausgezeichneten Rotwein „Cape Cross“ probieren, gibt Chefwinzerin Biyela unumwunden zu, dass ihre erste „Weinprobe“, d.h. ihre erste Begegnung mit dem „Trunk der Götter“, sie ziemlich kalt ließ. „Und meine Familie mag Wein eigentlich bis heute noch nicht besonders“, sagt sie, „aber um meinetwillen tun sie so als ob!“
Jawohl, sogar im Western Cape, in der Hochburg der westlichen Patriarchen setzt sich ein fuer allemal die Regenbogennation durch, das Symbol des multiethischen und emanzipierten Südafrikas.
Für unsere erfrischende Führung zuständig ist ist Monique Le Roux, die Gründerin von Andulela Experience, ein innovatives Reiseunternehmen in Kapstadt. Andulelas Kapstädter Weintouren sind ein Beleg für die ungewöhnliche Philosophie des Unternehmens. „Es geht uns darum, interessante Menschen zu zeigen“, sagt Le Roux. „Menschen die neue Wege gehen und die aktiv an der Gestaltung dieses Land mitwirken.“
Und obwohl die Weinegenüsse nachhaltig am Gaumen haften bleiben, sind es doch die Menschen, die eine bleibende Erinnerung an diese Tour bewirken.
In Backsberg, wo uns eine breite Auswahl an jungen Rot- und Weißweinen des Hauses offeriert wird, treffen wir auf den selbst ernannten, zukünftig berühmten Weinkenner Danvin James. Mein Urteil nach der ersten Probe: vollmundig und prahlerisch, spritzig, aber leicht verkorkt. James sieht sich bereits als neuen Sommelier des Westlichen Kaps – mit Hilfe der großzügigen Unterstützung seines Arbeitgebers, wie er bescheinigt.
„Michael (Back) ist in seinem Leben und seiner Karriere an einem Punkt angelangt, wo er den Menschen und dem Land etwas zurückgeben möchte“, sagt James. „Er hat viele Leben verändert.“
Unser Zwischenstop in Backsberg zeigt exemplarisch, worum es bei Andulelas aufgeklärtem Tourprogramm geht: um ökologisches und soziales Bewusstsein und dessen unausweichliche Folge: verantwortungsvoller Tourismus!
Backsberg steht für umweltfreundlichen Weinanbau. Zusätzlich zu rigorosen Recycling- und Energiesparmaßnahmen und der Bereitstellung zweier Weinfelder für ausschließlich organischen Weinanbau hat Michael Back, der Weingutsherr in dritter Generation, 30 Hektar seines Ackerlandes für den Anbau einheimischer Bäume bereit gestellt. Dies hat nicht nur den Nutzen, die einheimische Pflanzenwelt zu erhalten, sondern dient daneben noch als Katalysator für die gefährlichen Kohlenstoffemissionen des Weinguts. Der Erfolg in dieser Hinsicht macht aus Backsberg eines von nur drei Weingütern weltweit, die einen Kohlenstoff-Status von „neutral“ vorweisen können.
Wir erreichen die Hauptgeschäftsstelle des ehrwürdigen Branchenriesen Nederburg, wo wir einen weiteren Vertreter des “Neuen Südafrikaischen Weinanbaus” vorfinden: Südafrikas ersten schwarzen Weißweinfabrikanten, Tariro Masayiti. Sein entwaffnendes 100-Watt-Lächeln im Anschlag erzählt uns Masayiti, dass unter seiner Führung in diesem Jahr 6000 Tonnen Qualtitätstrauben gepresst wurden. Ähnlich wie bei Biyela kam auch Masayiti erst mit Wein in Kontakt, als er begann, diesen zu produzieren. Der gelernte Chemiker fand sich eines Tages in einem von Deutschen geführten Weinkeller seines Heimatlandes Zimbabwe beschäftigt. Hier begann er, sich profundes Wissen und eine Liebe für jeden einzelnen Aspekt dieser genussvollen Handwerkskunst anzueignen – nicht zuletzt, weil er nicht wusste, wohin mit seiner Freizeit, wie er uns verrät. „Für Chemiker gibt es nicht allzu viel zu tun auf einem Weingut“, fährt er fort, „ich habe also angefangen, im Keller zu arbeiten, und bevor ich mich versah, bot ich Touren an.“
Masayiti studierte ebenfalls an der Stellenbosch Universität - die einzige auf dem afrikanischen Kontinent, die einen Abschluss in Weinanbau anbietet. Er trainierte seinen Gaumen als Assistent auf dem Weingut „Fleur de Cap“, bevor er von Nederburg unter Vertrag genommen wurde.
Auf die Frage, wie die Menschen auf den immer noch etwas ungewöhnlichen Umstand reagierten, einen schwarzen Winzer anzutreffen, antwortet Masayiti, die häufigste Reaktion sei Verblüffung. „Weil Wein so sehr mit Kultur verbunden ist, gibt es aber auch Anflüge von Skepsis“, fügt er an. „Ich lasse die Weine dann für sich selbst sprechen.“
Als es angeheitert und in gemächlichem Tempo heimwärts geht, merke ich, dass genau dies die Weine dieser allzeit großartigen Region getan haben.
Text: Julia Louw
Ubersetzung: Florian Wolf












