(openPR) Vom 17.04.08 bis zum 15.05.08 sind die Werke des Stuttgarter Malers Stefan Sebastian Noss in der Galerie Clauss & Palacios in Sindelfingen zu sehen. Mehr als vierzig Werke des Meisterschülers von Professor A. R. Penck werden unter dem Ausstellungstitel „Null Acht“ präsentiert.
Im Betrachten der Arbeiten von Stefan Noss wird insbesondere deutlich, wie sehr wir immer wieder bestrebt sind, Kunstwerke mit praktischen Etiketten zu versehen und in Kategorien einzusortieren. Bei Stefan Noss sind wir dabei auf vielschichtige Art und Weise besonders gefordert. Der Künstler versteht es virtuos, uns auf allen Ebenen herauszufordern, sei es in der Mischtechnik der verwendeten Materialien, in den Motiven sowie in den vielfältigen Spannungsfeldern, die damit erzeugt werden. Viele Verwandtschaftslinien lassen sich freilegen, vom Künstler bewusst gewählt und verfolgt oder unbewusst, sich notwendig ergebend aus der Thematik. Grundbedingung ist aber, dass man bereit ist zur Spurensuche und Detektivarbeit. Und man muss die emotionale Wucht aushalten, mit der man in der Auseinandersetzung mehr oder weniger direkt konfrontiert wird.
Diese geht im besonderen hervor aus dem Leitmotiv des Gesichts, das in den Arbeiten in unterschiedlichster Weise durchdekliniert wird. In der kompromisslosen Darstellung von Verletzlichkeit, aus ganz unterschiedlichen Perspektiven, erkennt man die Nähe zu Adolf Frohner, der dieses Prinzip im Gegensatz zu Noss am geschundenen, verletzten Frauenkörper darstellt. Die Einbettung dieser figurativen Elemente in abstrakten Hintergrundstrukturen, die sich filigran zusammensetzen aus unterschiedlichen Schichten, Materialien und mit Einsatz verschiedener Techniken, z.B die Collage u.a mit Elementen bereits bestehender Radierungen, zeigt die Nähe zu Gerhard Altenbourg, der nicht nur unter diesem Aspekt eine Wahlverwandtschaft zum Künstler aufweist. Bei aller Verspieltheit ist dies keineswegs beliebig oder zufällig, sondern vielmehr Ausdruck der ganz eigenen Wahrnehmung. An dieser Stelle drängen sich zwei literarische vergleiche auf: William Faulkner und vor allem Antonio Lobo Antunes. Beide bekannt für ihre polyphonen Stimmengeflechte, ihre durchkomponierte Stimmenordnung. Wesentlich auch das Element der Zeit. Alles geschieht nahezu simultan und geschieht auch nicht. Das Nacheinander aller Vorgänge erscheint aufgehoben durch die Synchronizität aller Ereignisse. Das Nacheinander des Erzählens wird ersetzt durch ein labyrinthisches Verschränkungs- und Parallelisierungsspiel. Zeitebenen werden überblendet, in überlagernde Versatzstücke geschnitten. Vergangenheit und Gegenwart gehen ineinander auf, erzeugen eine allumfassende Gegenwärtigkeit. In diesem Sinn ist Stefan Noss ein bildnerischer Erzähler. Auch er lässt –in diesem Fall den Betrachter- als letzte Instanz allein mit dem Assoziationsmaterial seiner Wahrnehmung, seines Erinnerns im Wahrnehmen. Der Betrachter für sich ist gefordert, die Ebenen zu entschlüsseln, die Elemente der Arbeit zu kanalisieren und die Bewusstseinsströme der gezeigten Seelenregungen zusammenzuführen.
Die bunte Farbigkeit, die Vielfältigkeit seiner Mischtechnik, das ist Ausdruck seiner Erzählebenen, seiner Erinnerungs- und Zeitüberlagerungen. Gegenstand und Abstraktion sind hier kein Programm, kein dogmatisches Credo. Sie sind Material, „Erzählmittel“, einem höheren poetischen Zweck unterworfen. Dieser kann nicht immer schön sein. Das ist die Wirklichkeit auch nicht. Aber notwendig ist er allemal. Wer die Aufmerksamkeit, Zuwendung und Geduld aufbringt, wird dabei reich belohnt.
Öffnungszeiten:
Dienstag, 09.00 - 12.00 Uhr
Freitag, 14.30 - 18.00 Uhr
Ansonsten gerne jederzeit nach Terminvereinbarung unter Tel.: 0151-15102326
(Termine auch Samstags, Sonntag oder an Feiertagen möglich)











