(openPR) Vom 27. April bis zum 1. Juni 2008 zeigt das Ostholstein-Museum die Ausstellung „Vergessene Bahnen im Eutinischen“. Unter dem Eutinischen wird dabei das Gebiet des ehemaligen Kreises Eutin verstanden. Es ist die dritte Ausstellung sein, die der Eisenbahnhistoriker Hans-Harald Kloth, Hamburg, im Ostholstein-Museum gestaltet. 1991 und 1998 gab es schon die Sonderausstellungen „Eutin-Lübecker Eisenbahn (1873-1941)“ und „Eisenbahnen im Kreis Ostholstein“.
Schwerpunkt der Ausstellung wird die Modulanlage in Spurweite 0 „Bahnhof Ahrensbök um 1936“ sein. Hierbei handelt es sich um einen sehr detailgetreuen Nachbau des Kopfbahnhofes Ahrensbök der stillgelegten Nebenbahn Pönitz – Ahrensbök der Eutin-Lübecker Eisenbahn (ELE). Doch nicht nur die Bahnanlage ist exakt nachgebaut worden, sondern auch die Fahrzeuge (im Maßstab 1:43,5), die zu damaliger Zeit dort liefen, u. a. der Triebwagen 1001 (Wismar 1934), die Lokomotive Eutin-Lübeck Nr. 4 (pr T 4 –Typ „Moabit“ – Henschel 1909), die dreiachsigen Nebenbahnwagen Eutin-Lübeck Nr. 95 (CPwPost3i) und 97 (BC3i). Die Vorbilder der Waggons lieferte 1918 Waggonfabrik Görlitz.
Daneben werden sechs Vitrinen mit Modellen der Spurweite 0 und größeren Spurweiten bestückt. In diesen Vitrinen werden Modelle gezeigt, deren Vorbilder im Eutinischen zu unterschiedlichen Epochen zu Hause waren, u. a. ein typischer Personenzug der DRG/ELE mit Abteilwagen, wie er viele Jahrzehnte zwischen Lübeck und Kiel lief, ein Auszug des Güterzuges 9003 der ELE um 1938 mit vielen Waggons der Länder-, Verbands- und Austauschbauart und der Eilzug E 60 um 1936 mit den vierachsigen Eilzugwagen der Bauart 30. Weiter sind Modelle der typischen Fahrzeuge aller Zeiten zu sehen, die im ehemaligen Kreisgebiet Eutin liefen. Daneben wird auch ein Handarbeitsmodell „Eutin-Lübeck Nr. 4“ in Spurweite III (Maßstab 1:16) gezeigt werden.
Nicht nur Modelle sind zu sehen, sondern eine Vielzahl von Reproduktionen historischer Fotos über die stillgelegten Nebenbahnen. Gezeigt wird auch, welcher Wandel auf den beiden Hauptbahnen (Lübeck – Eutin und Lübeck – Neustadt i.H.) stattgefunden hat. Dabei wird sich jedoch auf das ehemalige Kreisgebiet Eutin beschränkt. Exponate wie Bahnpost, Gleisplan, Bauzeichnungen, Bildfahrpläne, Vorschriften etc. runden die Ausstellung ab.
Ein historischer Abriss soll zeigen, wie sich das Eisenbahnnetz im ehemaligen Kreis Eutin entwickelt hat:
Mit der Inbetriebnahme der Ostholsteinischen Bahn Neumünster – Ascheberg – Gremsmühlen (ab 1905 Malente-Gremsmühlen) – Eutin – Bujendorf – Neustadt i.H. begann am 31. Mai 1866 das Eisenbahnzeitalter im ehemaligen Fürstentum Lübeck, dem späteren Kreis Eutin. Später kamen an dieser Strecke noch die Stationen Timmdorf und Röbel hinzu.
Am 10. April 1873 eröffnete die Eutin-Lübecker Eisenbahngesellschaft (ELE) die Hauptbahn zwischen Eutin und Lübeck mit den Stationen Ottendorf, Bahnhof Gleschendorf (ab 1934 Pönitz), Pansdorf und Schwartau (ab 1913 Bad Schwartau). 1903 bzw. 1913 kamen noch die Haltepunkte Dorf Gleschendorf und Bockholt hinzu. Am 10. Mai 1886 ergänzte die ELE ihr Netz durch die Nebenbahn Bahnhof Gleschendorf – Ahrensbök mit den Haltepunkten Brauner Hirsch und Zuckerfabrik (später Holstendorf).
Die Preußische Staatbahn (KPEV) nahm zwischen 1891 und 1892 die Strecke von Gremsmühlen nach Lütjenburg in Betrieb. Im Eutinischen lagen die Stationen Holsteinische Schweiz, Bruhnskoppel und Benz, die 1954 durch die Haltepunkte Malente Nord und Malkwitz ergänzt wurden. Die Lübeck-Büchener Eisenbahngesellschaft (LBE) eröffnete am 8. Juli 1913 die Bahnlinie Travemünde-Hafen – Niendorf/Ostsee. Der Südwesten des Fürstentums wurde durch die Inbetriebnahme der Strecke Lübeck – Bad Segeberg mit den Stationen Stockelsdorf, Arfrade und Obernwohlde durch die Lübeck-Segeberger Eisenbahngesellschaft am 6. Dezember 1916 erschlossen. Mit der Eröffnung der Bäderbahn von Bad Schwartau über Ratekau, Timmendorfer Strand, Scharbeutz bis Haffkrug durch die Deutsche Reichsbahn im Jahre 1925 war der Ausbau des Eisenbahnnetzes im ehemaligen Kreis Eutin abgeschlossen.
Durch die zunehmende Motorisierung nach dem Zweiten Weltkrieg erwuchs den Bahnen zunächst im Personenverkehr (P) und später auch im Güterverkehr (G) starke Konkurrenz, so dass es zur Aufgabe des Schienenverkehrs bei den Nebenbahnen kam:
· Pönitz – Ahrensbök (P: 23.05.1954 und G: 28.05.1988)
· Lübeck – Bad Segeberg (P: 26.09.1964 und G: 31.12.1967)
· Niendorf (28.09.1974)
· Malente-Gremsmühlen – Lütjenburg (P: 30.05.1976 und G: 01.10.1996)
· Eutin – Neustadt (P: 22.05.1982 und G: 01.01.1983)
Heutzutage existieren nur noch die Hauptbahnen Lübeck – Kiel und Lübeck – Neustadt im ehemaligen Kreis Eutin. Einige der früheren Haltestellen an diesen Strecken (Timmdorf, Bockholt, Ottendorf, Gleschendorf und Ratekau) wurden aus Rentabilitätsgründen geschlossen.
Die Ausstellung wird am Sonntag, dem 27. April 2008 um 11.30 Uhr eröffnet. Hans-Harald Kloth führt in die Ausstellung ein.
Am letzten Ausstellungstag, dem 1. Juni 2008, wird eine Ausstellungsführung angeboten, die ebenfalls um 11.30 Uhr beginnt; die Erläuterungen gibt Hans-Harald Kloth, Hamburg.
Öffnungszeiten:
di-so 10-13 und 14-17 Uhr, do bis 19 Uhr
Pfingstmontag geöffnet











