(openPR) Iserlohn / Essen, März 2008. Für Dornbracht ist die Ritual-Architektur zu Elemental Spa das Ergebnis einer langjährigen Auseinandersetzung mit dem Thema Rituale im Bad. Wie kann man die rein funktionalen Aspekte des Badezimmers überwinden und zu einem vertieften Verständnis von Badkultur gelangen, wie lässt sich dies in den Produkten widerspiegeln? Ein Sieger Design Werkstattbericht zeigt, wie die Designer von Elemental Spa zu ihren Entwürfen fanden.
„Wir waren ziemlich schnell ziemlich nah dran,“ sagt Benedikt Sauerland, während er sich noch einmal die ersten Modelle ansieht. Der Designer Sauerland ist Mitglied der Geschäftsführung bei Sieger Design, und leitete das Projekt Elemental Spa auf Seiten der Gestalter.
Elemental Spa ist ein höchst ungewöhnliches Projekt, keine Formfindungsaufgabe im üblichen Sinne. Im Mittelpunkt des Designprozesses stand die Frage: Wie kann ich die Konzeptansätze in einem Produkt umsetzen? „Man wird mit dem Wasser im häuslichen Raum freier umgehen,“ ist sich Sauerland sicher. Der Begriff Ritualbad meint aus seiner Sicht das „bewusste, fast kultische Wahrnehmen des Wassers.“ Das Produkt wird dabei zum Impulsgeber für den Menschen, „sich seinem Handeln bewusster zuzuwenden.“ Wie aber entsteht aus ersten Ideen eine neuartige Form, ein neues Produkt?
„Von Dornbracht bekommen wir nicht das klassische Briefing, das der Auftraggeber vorgedacht hat und das wir dann Punkt für Punkt abarbeiten,“ erzählt Sauerland. Am Anfang eines neuen Produkts stehen meist Workshops, Meetings, Diskussionen. Die lange gewachsene Partnerschaft zwischen Hersteller und Designer reicht bis ins Jahr 1983 zurück, beide Seiten entwickelten eine intensive Form der Zusammenarbeit. „In relativ großer Runde überlegen wir, welches Thema als nächstes auf der Agenda steht. Da wird diskutiert, zusammengefasst, verdichtet.“ Ergebnis ist ein Konzeptpapier, mit dem das Thema eingekreist wird, „das wir aufgreifen und bespielen wollen.“ Benedikt Sauerland spricht von der „Darreichung des Elementes Wasser,“ die bereits bei der Armaturenserie MEM und Balance Modules, wie RainSky und WaterFall, eine Rolle spielte. Wasser sollte entschleunigt werden, es sollte entspannt fließen, so viel war bereits zu Anfang klar.
„Waterspaces“ nennen die Designer ihren ersten komplexeren Konzeptansatz. Wie bei Projekten zuvor, stand die veränderte Nutzung des Bades im Fokus. Ziel war es, den möglichst unmittelbaren Zugang zum Wasser und die dem Wasser innewohnenden Kräften und Energien deutlich zu machen. Die Armatur sollte im Kontext stärkere Autonomie erlangen, nicht mehr nur ein Objekt sein, das ganz zum Schluss in ein durchgeplantes Bad eingefügt wird. „Sie ist das Wasser spendende Element,“ sagt Benedikt Sauerland. Gleichzeitig aber sollte sie als gestaltetes Objekt zurücktreten.
„Es ist, als würde man eine Quelle suchen und Pflöcke in den Boden treiben,“ konkretisiert der Designer die Ursprungsidee von Elemental Spa. Mike Meiré transformierte später dieses Bild in die räumliche Umsetzung - die Ritual-Architektur. Wie zuvor für die Ritual-Architektur des Tara Logic Bades, definierte Meiré Zonen, die verschiedenen Bedürfnissen – individuellen Reinigungsritualen – angepasst sind. Im Cabinet, der Auftaktzone, bereitet man sich beispielsweise vor. Facewash ermöglicht die bewusste Reinigung von Gesicht und Händen, das Abwaschen des Alltags. Foot Washing und Body Cleansing, im Stehen oder Sitzen, beruhigt den Geist und hilft das Körperbewusstsein zu verstärken. Im Shower Center wird der Körper durch sanften Regen entspannt. Weitere Zonen sind Cascade, Bathing, Heated Block, Spill Zone, Wooden Bench und Patio. Jede Zone gibt Anregungen für eine an die individuellen Bedürfnisse angepasste Nutzung des Wassers und die dementsprechende Gestaltung des Raumes. Auf den verwendeten Materialien – Cortenstahl, Kupfer und Olivenholz – hinterlässt das Wasser Spuren, Spuren des Lebens im Raum, Spuren der Wassernutzung.
Verortung und Entmaterialisierung, beiden Ansprüchen wollte die Entwicklung von Elemental Spa gerecht werden. Das Bild der Quelle entstand. „Der Mensch braucht nicht die Armatur, sondern den Zugang zum Wasser,“ stellt Benedikt Sauerland klar. Folglich sollten Bedienung und Nutzung in einem Zuge geschehen können. Daher befindet sich der Bedienhebel direkt unter der Armatur. Die gewohnte formale Erscheinung der Armatur wurde aufgelöst. Zwei Elemente, prägen Elemental Spa, der verchromte eigentliche Wasserspender, von den Designern Mundstück genannt und ein monolithischer, sehr neutral gehaltener Körper aus weißem Corian?. Zusammen bilden sie ein äußerst stimmiges skulpturales Gefüge. „Die formale Umsetzung, die starke Minimalisierung,“ ergänzt Michael Sieger, „kann man auch als emotionales Moment sehen.“
Das Wasser – und das erwies sich als größte Herausforderung des Projektes – sollte als laminarer, unverwirbelter Strahl aus dem Mundstück austreten. Vorgesehen war „eine gewisse Ästhetisierung, des Wasserbildes,“ so Sauerland. Möglichst lange sollte es parallel, wie ein Film in Richtung Boden fließen. Die Designer gaben dem Mundstück eine kantige Form mit kristallin anmutender Innenform. Es zeigte sich rasch, dass es zwischen Wand und Armatur Platz für einen entspannten Wasserfluss geben muss, um am Mundstück das gewünschte Strahlbild entstehen zu lassen. Damit allein war es nicht getan. Denn so leicht lässt sich die Physik nicht überlisten. Die ballistische Kurve des Wassers verläuft wie eine Parabel. Der Wasserstrahl hat die Tendenz, in Richtung der Wand zurückzulaufen. Und damit nicht genug: Er fällt relativ schnell zusammen und verdreht sich dabei. Bald wurde klar, dass hier nicht nur eine plausible äußere Form zu entwickeln war.
Wer Wasser gestalten will, bekommt es mit einer elementaren Kraft zu tun. Die Aufmerksamkeit der Designer richtete sich auf die innere Kontur des Mundstücks. In der Werkstatt von Sieger Design fertigte ein Modellbauer eine Vielzahl von Varianten. Designer und Techniker erprobten die Modelle unter realistischen Bedingungen. Auch der Druck und das Volumen des Wassers wurden in den Versuchsreihen berücksichtigt. Die ersten Prototypen allerdings hatten raue und unsaubere Innenkonturen und entsprachen nicht dem strengen Anforderungsprofil von Hersteller und Designern.
„Wir waren fast schon der Meinung, das müssen wir abbrechen.“ Um das Problem zu lösen, investierte Dornbracht in ein neues Fertigungsverfahren, das auch die Innenbearbeitung umfasst. Durch die entstehende ungewöhnliche Innengeometrie erzeugt das fließende Wasser Reflexionen, die die Wertigkeit und Faszination des Elements verstärken.
Zwischen Projektbeginn und der Erstpräsentation von Elemental Spa auf der ISH 2007 in Frankfurt vergehen fast zwei Jahre. Techniker und Designer haben jeden Millimeter hart verhandelt. „Die Fertigung mag einen größeren Radius, wir eher einen kleineren,“ erklärt Sauerland. Abgesehen von technischen Fragen, gilt es zusammen mit Dornbracht, die richtigen Varianten aus der Fülle der Möglichkeiten zu destillierten. Das Ergebnis sind sechs Produkte für unterschiedliche Wasserstellen. Diese Produkte schaffen mit ihrer kubischen Form Anknüpfungspunkte für die Architektur, die sie umgibt.






















