(openPR) Im Turmuhrenmuseum herrscht keine Ruhe, denn hier ticken Riesenchronometer, fallen Hebel ein, Gesperre rasten ein und eine Flötenuhr spielt ihre Lieder.
156 Stufen führen bis ans Ziel, oder besser gesagt ist hier der Weg das Ziel. Bis zur Turmspitze passiert man zahlreiche Turmuhren, die zum Teil bis ins 16. Jahrhundert zurückdatieren. Entlang eines dicken alten Ziegelgemäuers geht’s nach oben. Meist begleitet Wolfgang Vogel, der das Museum am Ticken, Schlagen und Pendeln hält, die Besucher bei ihrem Auf- und Abstieg. Leidenschaftlich erzählt der Gründer und ehrenamtliche Leiter des Museums von der Entstehung, wie die Exponate hier vor dreißig Jahren einzogen und die eine oder andere Anekdote.
50 Stufen sind zu erklimmen, ehe die Besucher die erste Turmuhr – ein Exemplar aus dem Jahr 1763 aus Peterstal – zu Gesicht bekommen. Dann geht es Schlag auf Schlag: Stufe 123 – hier steht die größte Turmuhr der Sammlung. 1.000 kg schwer und aus dem Jahr 1753. Gleich daneben die älteste aus dem Jahre 1562. Stufe 141 – dort beeindruckt die Turmuhr mit dem längsten Pendel im deutschsprachigen Raum. Durch einen Spalt können die Besucher 26 m in die Tiefe blicken. Und dort am Ende des Pendels hängt ein 170 kg schwerer Klöppel, der aus der hiesigen Stadtpfarrkirche St. Stephan stammt. Konstruiert wurde diese Turmuhr anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Museums. Stufe 156 – endlich am Ziel. Der Lohn des Aufstiegs: Eine Turmuhr von 1766 aus der Basilika Ottobeuren und mit etwas Glück ein Blick über die Dächer Mindelheims.
Zurück im Erdgeschoß erwarten die Besucher in zwei Räumen tickende Riesenchronometer, einfallende Hebel, einrastende Gesperre und eine Flötenuhr mit 17 Pfeifen, die sechs verschiedene Melodien spielt. Eine ganz besondere Attraktion ist der Nachbau einer astronomischen Uhr aus dem Jahre 1529 aus Winterthur. Die vier Zeiger geben u. a. den Lauf der Sonne und des Mondes, ihre Stellung im Tierkreis sowie den Sonnenauf- und Sonnenuntergang an. In Verbindung mit dem Drachenzeiger werden auch Sonnen- und Mondfinsternis angezeigt. Ein besonderes Beispiel für filigrane, künstlerische Gestaltung, technische Finesse und handwerkliche Meisterschaft ist die Konventuhr aus dem Jahr 1750, die der Franziskanermönch Bruder Johannes Copistran Silbernagel aus Füssen für sein Kloster bauen ließ.
Vor knapp 30 Jahren gegründet, ist das Schwäbische Turmuhrenmuseum aufgrund des Gebäudes – Kappelturm und ehemalige Silvesterkirche – sowie der vielfältigen Sammlung das erste und auch das einzige Museum dieser Art, das sich in öffentlicher Trägerschaft befindet. Turmuhren aus fünf Jahrhunderten haben hier ihren Platz gefunden.
Das Museum ist jeden Mittwoch und jeden letzten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen werden nach Voranmeldung unter der Rufnummer 08261/69 64 angeboten. Das Turmuhrenmuseum befindet sich in der ehem. Silvesterkirche, Hungerbachgasse 9, Mindelheim. Der Eintritt kostet 2,50 Euro.








