(openPR) von Susanne Birck
Michael Clayton (George Clooney) ist ein sehr erschöpfter Mann. In den letzten Jahren haben ihn die Anforderungen seines Lebens offensichtlich sehr mitgenommen. Er ist geschieden, für seinen heranwachsenden Sohn und seinen sterbenskranken Vater hat er zu wenig Zeit. Das Restaurant, in das Michael investiert hatte, hat sein Bruder in den Bankrott gewirtschaftet, nun muss Michael für das Finanzloch gerade stehen. Doch was ihm wirklich zu schaffen macht, ist sein Job. Michael Clayton arbeitet für die renommierte New Yorker Anwaltskanzlei Kenner, Bach & Ledeen als beratender Anwalt, „Ausputzer“, wie er selber von sich sagt. Was genau seine Aufgabe ist, weiß niemand so genau, nur, dass er sich um die heiklen Fälle der Kanzlei „kümmert“.
Der aktuelle Fall entwickelt sich für Michael Clayton als ein Tretminenfeld. Der Großklient U/North vertreibt ein offenbar karzinogenes Unkrautvernichtungsmittel und wird wegen einiger Todesfälle verklagt. Die Kanzlei setzt ihren besten Mann für den Fall ein, Arthur Edens (Tom Wilkinson). Nach sechs Jahren Verhandlungskampf dreht der manisch-depressive Arthur durch und torpediert eine wichtige Anhörung, indem er vor öffentlichem Publikum lautstark und sich seiner Kleidung entledigend die Seiten wechselt. Er kündigt eine brisante Entdeckung an, welche die Methoden von U/North grundlegend in Frage stellen würde. Eine Katastrophe für die Kanzlei und für U/North. Michael Clayton erhält nun von seinem Boss Marty Bach (Sydney Pollack) den Auftrag, seinen Freund Arthur zur Vernunft zu bringen und mit allen Mitteln den Fall zu retten. Michael merkt sehr schnell, dass er sowohl mit seinem Auftraggeber als auch mit der wichtigsten Drahtzieherin der Firma U/North, der Rechtsvertreterin Karen Crowder (Tilda Swinton), nicht an einem Strang zieht. Schließlich sieht sich Michael mit Fragen seines Gewissens und seiner Existenz konfrontiert, deren Beantwortung ihn selber in Gefahr bringen.
Den Handlungsrahmen bietet ein riesiger Firmen-Skandal, dessen Brisanz durch Glaubwürdigkeit betroffen macht. Solche Fälle gibt es. Und wahrscheinlich nicht zu wenig. In „Michael Clayton“ bekommt man als Zuschauer einen Einblick in die profitorientierten, menschenverachtenden Methoden einer höheren Firmenpolitik. Doch im Zentrum dieser Geschichte steht ein ausgebrannter Mann, der sich an einem Wendepunkt seines Lebens befindet. Michael Clayton muss seit langem sowohl beruflich als auch privat an zu vielen Fronten gleichzeitig kämpfen, was ihn wütend, aber auch müde und identitätsschwach werden ließ. Was er sich selbst nicht zu fragen traut, formuliert sein Freund Arthur ganz unverhohlen: „Wolltest du so leben? Hast du dir das so vorgestellt?“ Es kommt der Moment, an dem er sich für einen – seinen – Weg entscheiden muss.
Der Film überzeugt mit atmosphärischer Dichte und kontemplativen Einstellungen, weit entfernt vom Flair eines üblichen Popcorn-Thrillers. Auf dieser Grundlage entfaltet sich neben dem komplexen Plot ein richtiges Actors-Movie, das die exzellenten Darsteller in Glanzrollen erstrahlen lässt. Allen voran in der Hauptrolle George Clooney, von dem man gern behaupten möchte, ihn noch nie so gut gesehen zu haben. Diesem Mann kann man gespannt und fasziniert minutenlang sogar beim Schweigen zugucken. Tilda Swinton verkörpert Oscar-gekrönt und zutiefst glaubwürdig die zugleich fragile als auch kompromisslose Karrierefrau, die letztlich Opfer ihrer Doppelbödigkeit wird. Tom Wilkinson als Arthur Edens spielt geradezu bedrückend überzeugend.
Was die Handlung angeht, darf man nicht zu sehr ins Detail fragen. Zum Beispiel wundert man sich, wieso die Filmfiguren von Clooney und Wilkinson erst nach langer Tätigkeit für eine offensichtlich moralisch indifferente Firma plötzlich aufwachen und sich zum Widerstand berufen fühlen. Zudem muss man bei 120 Minuten Laufzeit etwas Geduld mitbringen, denn „Michael Clayton“ ist zwar mitreißend, aber als Thriller nicht im Mindesten so rasant und packend wie die Bourne-Filme, für die Regisseur Tony Gilroy bereits die Drehbücher schrieb. Insgesamt ist Gilroy mit seinem Debüt aber ein eingehendes, spannendes und zugleich sehr nachdenklich stimmendes Drama gelungen.
Michael Clayton
USA 2007, 119 Min, B+R: Tony Gilroy, D: George Clooney, Tom Wilkinson, Tilda Swinton, Sydney Pollack, Michael O`Keefe
![[Rezension] Michael Clayton Bild: [Rezension] Michael Clayton](https://cdn.open-pr.de/pressemitteilung/6/a/a/6aa5fda3.760x475.webp)







