(openPR) Vor jeder großen internationalen Fußballmeisterschaft kann man inzwischen ein vertrautes Phänomen beobachten: nämlich, wie Trainer und Spieler einer favorisierten Nationalmannschaft sich schon mal vorsichtshalber ein Alibi für ein mögliches Versagen zurechtlegen, indem sie sich darüber beschweren, zu viele Spiele absolviert zu haben.
Joachim Löw und seine deutsche Elf jedoch werden damit im Vorfeld der Euro 2008 nicht durchkommen. Deutschlands Nummer Eins im Tor, Jens Lehmann, war bei Arsenal in dieser Saison bisher nur Ersatzspieler. Christoph Metzelder, den Sir Alex Ferguson einst als besten Abwehrspieler der Welt bezeichnete, muss nach einer Operation am Fuß mindestens bis April pausieren. Im Mittelfeld begrüßen wir Mannschaftskapitän Michael Ballack zurück, der gerade erst eine Verletzung auskuriert hat. Torsten Frings wird es ihm in Kürze nachtun, sobald er seine Knieprobleme überstanden hat. Und selbst Talentbombe Bastian Schweinsteiger hat bei Bayern nicht durchgehend gespielt. Im Sturm gäbe es dann noch Lukas Podolski, der in München ebenfalls nahezu ebenso oft spielt wie er nicht spielt.
Solche Probleme könnten sich – sofern Frings und Metzelder bis Juni wieder spielen können – für Löw als Segen erweisen, der auf Deutschlands vielversprechender WM-Leistungen 2006, die die Mannschaft bis ins Halbfinale brachten, aufzubauen scheint.
Die mieseste Halbzeit
Bei der Auslosung der EM-Endrunde war von nahezu allen Seiten ein Seufzer der Erleichterung zu hören, als feststand, dass Deutschland erst im Finale auf Frankreich, Italien, die Niederlande oder Spanien treffen kann. Hans Krankl, bis 2005 Nationaltrainer von Österreich, versuchte, diesen Optimismus zu bremsen, und tippte auf Außenseiter Kroatien als EM-Sieger (das war allerdings vor Eduardos Verletzung). Und er erinnerte die Deutschen daran, dass sie ihr letztes Gruppenspiel gegen die österreichische Nationalmannschaft bestreiten müssen, die, wie Krankl vermutet, bis dahin längst aus dem Turnier geschieden sind und „nichts zu verlieren haben und für die Ehre spielen“ werden.
Im jüngsten Testspiel gegen Österreich spielte Deutschland eine die mieseste Halbzeit, die die Mannschaft seit ihrer 1:5-Niederlage gegen England im September 2001 gezeigt hatte, konnte aber dennoch 3:0 gewinnen.
Der härteste Schuss
Jens Lehmann wird im Castrol Performance Index mit 3162 Punkten knapp hinter dem Franzosen Gregory Coupet (3250 Punkte) als zweitbester Torwart geführt. Er ist ein starker Torhüter, der weniger Fehler macht, als viele glauben: Nur, wenn ihm dann mal Fehler unterlaufen, sind diese normalerweise spektakulär und geschehen direkt vor den Fernsehkameras. Timo Hildebrand, sein stärkster Konkurrent im deutschen Tor, hat sich bei seinem Verein Valencia bisher nicht in glänzender Form präsentiert. Somit scheint Lehmanns Platz gesichert. Wenn Deutschland sich, wie Bundestorwarttrainer Andres Köpke angedeutet hat, für einen dritten, weniger erfahrenen Torhüter entscheiden sollte, fällt die Wahl wahrscheinlich auf René Adler, Bayer Leverkusens Keeper, der in Topform spielt aber noch kein einziges Länderspiel bestritten hat.
Die Abwehr der deutschen Nationalmannschaft spielt effizienter als zur Zeit Klinsmanns und blieb in sieben von 12 Qualifikationsspielen ohne Gegentor. Das Herz dieser undurchdringlichen Viererkette bilden Metzelder, Mertesacker (934 Punkte im Castrol Performance Index) und Philipp Lahm (689 Punkte). Darüber hinaus warten noch Heiko Westermann von Schalke 04 und die beiden Leverkusener Gonzalo Castrol und Manuel Friedrich auf ihre Chance, in die Stammelf zu kommen.
Das Mittelfeld wird angetrieben Ballack (687 Punkte) und Frings (116 Punkte), die wahrscheinlich neben Italiens Zweiergespann Gattuso-Pirlo das beste Mittelfeld-Duo ganz Europas sind. Ballacks Trefferquote – 35 Tore in 78 Spielen – ist für einen Mittelfeldspieler ziemlich beeindruckend. Schweinsteiger, mit 1254 Punkten Deutschlands bestplatzierter Mittelfeldspieler im CPI, hat für Deutschland bisher in konstant guter Form gespielt (allerdings nicht für Bayern): 13 Tore in 48 Spielen sind eine respektable Leistung. Thomas Hitzlsperger (719 Punkte), der Spieler mit dem härtesten Schuss der Bundesliga (130km/h), kann ebenfalls aus der Distanz Tore schießen, und der vielseitige Veteran Bernd Schneider ist auch noch mit von der Partie.
Der goldene Schuh
Erster Stürmer der Mannschaft ist Miroslav Klose (1687 Punkte), der bei der Weltmeisterschaft 2006 den Goldenen Schuh als bester Torjäger der WM gewann. Seine Torflaute in letzter Zeit gab Anlass zu Spekulationen darüber, dass Löw in aus der Mannschaft nehmen könnte, doch der Trainer steht zu seinem Stürmer, der laut seiner Trefferquote bei jedem zweiten Spiel trifft. Klose hat inzwischen 37 Tore geschossen – damit ist er mit dem einmaligen Oliver Bierhoff gleichgezogen – und steht damit in der Rangliste der besten deutschen Torjäger aller Zeiten auf Platz 6.
Seit 2006 spielt Klose zusammen mit Lukas Podolski (2274 Punkte und damit fünftbester Stürmer) in einem kongenialen Stürmerduo. Zwar schoss Podolski vier seiner sieben Tore in der Qualifikationsrunde gegen San Marino, doch seine Trefferquote ist sogar noch besser als die von Klose und wahrscheinlich wird Joachim Löw ihm den Vorzug über Schalkes Kevin Kuranyi geben, der noch nie besonders viele Länderspieltore erzielt hat. Mario Gómez vom VfB Stuttgart, Deutschlands Spieler des Jahres 2007, bietet sich mit seiner hühnenhaften Körpergröße als weiter Option an: der 22-Jährige wird auch von Juventus und Real Madrid umworben.
Deutschland hat die richtigen Spieler, einen hervorragenden Trainerstab, die nötige Erfahrung und das Temperament, um sich bei der EM durchzusetzen. Die Mannschaft hat zwar seit der Euro ’96 kein großes Fußballturnier mehr gewonnen, doch wenn die Gesundheit der Spieler und das Glück auf ihrer Seite sind, bekommt die deutsche Nationalelf im EM-Finale 2008 vielleicht die Chance auf eine Revanche gegen Italien.
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